Ein Massengefährt ist zum Nischenprodukt geworden

In der Schweiz werden nur noch wenige Töffli verkauft. Die Mofas werden aber nicht verschwinden, glauben Händler.

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Bruno Mäder war noch ein richtiger Töffli-Bub. «Wir haben nächtelang geschraubt und gefeilt», erzählt der junge Händler, der in Fahrni zusammen mit dem Vater Autos und Motorräder verkauft. Mit den Kollegen sei er mit den Töffli ins Tessin und nach Italien getuckert. Die klassischen Töffli-Buben seien fast ausgestorben. «Die Jungen spielen heute nur noch mit PC und Handy.»

Hin und wieder kommt ein Nachwuchsbastler zu Mäder in die Werkstatt, der im Internet einen Rennsatz erworben hat. «Wenn ihnen dann kurz darauf alles ,verchlepft, dann bekomme ich die Töffli zum Flicken – und damit hat

es sich dann meist schon mit den Basteleien.» Bei den neuen Motorrollern habe sich bislang keine vergleichbare Kultur entwickelt.

Das erlebt auch Fritz Brechbühl so, der in Eggiwil Zweiräder verkauft. Die klassischen Töffli-Buben, die ihre Maschinen frisieren, das gebe es kaum noch – auch in den hintersten «Chrachen» des Emmentals seien sie fast verschwunden.

Die Gründe für das Töffli-Sterben

Das Töffli, es ist in den letzten zwei Dekaden vom Massengefährt zu einem Nischenprodukt geworden. Der grosse Knick kam 1988, als die Mofas mit einem Katalysator ausgerüstet werden mussten. Die Folge: Die Mofas wurden auf einen Schlag doppelt so teuer. Während in den 1980er-Jahren ein Töffli noch für tausend Franken zu haben war, kostet heute das billigste Modell in der Schweiz 2290 Franken. Dafür bekommt man auch einen Scooter.

Ende der 1980er-Jahre setzte auch der Boom der Mountainbikes ein. «Jetzt kaufen wir dir gescheiter ein rechtes Velo», hätten viele Eltern in der Folge ihrem Nachwuchs gesagt, weiss Händler Brechbühl. Die Umweltfreundlichkeit sei dabei ein wichtiger Aspekt geworden. Und auch bei der Jugend haben die Mountainbikes als cooler gegolten.

Wer cool sein wollte, wurde 1990 auch mit der Einführung des Helmobligatoriums vergrämt; in der Folge sanken die Verkaufszahlen weiter. Und schliesslich wurde die Kategorie der Motorradroller eingeführt, die bis 50 Kubikmeter Hubraum haben dürfen und ab 16 Jahren gefahren werden können. Manch ein Jugendlicher verzichtete deswegen aufs Töffli und besorgte sich erst mit 16 Jahren einen motorisierten Untersatz, der bis Tempo 60 fahren kann.

Bloss noch zwei Anbieter

Schweizweit werden heute noch ungefähr 3000 Einheiten abgesetzt, wie der Motorradhändler Fritz Brechbühl weiss. Die Verkaufszahlen hätten sich in den letzten fünf, sechs Jahren etwa auf diesem Niveau eingependelt. In der Schweiz gibt es nur noch zwei Mofa-Marken: der Schweizer Hersteller Pony und Tomos aus Slowenien. Die früheren Kult-Töffli von Sachs, Puch oder Piaggio Ciao werden gar nicht mehr gefertigt. «Das Angebot an neuen Modellen ist viel zu klein», sagt daher Töffli-Händler Mäder. Dafür verkauften sich gute Occasionen relativ gut. «Puch Maxi sind besonders gefragt.» Für die «Maxis» seien auch noch relativ viele Ersatzteile zu haben – auch zum Frisieren. «Das spielt bei uns oben in den ,Högern eine wichtige Rolle.»

Auch beim Schweizer Hersteller Pony spricht man von stagnierenden Zahlen – aber mit steigender Tendenz. «Dieses Jahr werden wir circa 1500 Stück verkaufen», schätzt Firmeninhaber Paul Amsler. In der Blütezeit verkaufte Pony aber über 5000 Stück pro Jahr. Die Mofas des Herstellers aus Feuerthalen (Kanton Zürich) gibt es seit 1961, seit der Einführung der Kategorie Motor-Fahrrad. Seit 1995 werden die Rahmen nicht mehr bei KTM eingekauft, sondern in der Schweiz geschweisst und fertig zusammengesetzt.

Kosten: Vorteil Töffli

Die Töffli-Fahrer sind zwar weniger geworden, verschwinden werden sie aber nicht, sind Händler und Hersteller überzeugt. In abgelegenen Tälern seien Töffli etwa für Schüler noch immer ein wichtiges Verkehrsmittel, meint Händler Mäder: «Von Eriz nach Thun sind die Busverbindungen schlecht.» Auch merkten inzwischen mehr Eltern, dass das Rollerfahren teurer sei. «Die Prüfung kostet fast einen Tausender – und der Roller ist auch nicht gratis.» Mit 14 Jahren ein gutes Mofa zu kaufen und es bis zur Auto-Fahrprüfung zu fahren, sei da gar keine schlechte Idee. (jäg) (Der Bund)

Erstellt: 12.04.2010, 11:47 Uhr

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