«Das Wissen vom Alter hat sich verändert»

Beat und Therese Bigler haben das Wohn- und Pflegeheim Frienisberg während der letzten 22 Jahre geleitet und zu einem modernen Betreuungszentrum entwickelt. Das Direktorenpaar übergibt sein Amt nun an den Nachfolger Paul Hirsiger.

Das abtretende Direktorenpaar Beat und Therese Bigler und deren Nachfolger Paul Hirsiger vor dem Kirchturm des ehemaligen Klosters. (Franziska Scheidegger)

Das abtretende Direktorenpaar Beat und Therese Bigler und deren Nachfolger Paul Hirsiger vor dem Kirchturm des ehemaligen Klosters. (Franziska Scheidegger)

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«Die Integration von Pflegebedürftigen, nicht deren Abschottung», dies sei das Hauptanliegen des Wohn- und Pflegeheims Frienisberg, sagt der abtretende Direktor Beat Bigler. Sein Credo war stets: «Wir wollen nach aussen leben und nicht in Isolation.» Wir – das heisst die alten, auf Pflege angewiesenen Menschen sowie die IV-Patienten.

22 Jahre Gerontologie

Was sich denn in den 22 Jahren verändert habe? «Das Wissen zum Thema Alter», so Bigler, die Alterskunde also, Gerontologie in der Fachsprache. Auch habe sich die Gesellschaft verändert und mit ihr die Bedürfnisse der Alten und die Einstellung zum Alter.

Frienisberg sei mit seiner Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, immer ein Spiegel des jeweiligen Zeitgeists und seiner Gesellschaft gewesen. Im heutigen Wohn- und Pflegeheim sei es wichtig, den Heimbewohnern eine gute Wohn- und Lebensqualität zu sichern. Der Kontakt zur Aussenwelt sei dabei zentral. So finden beispielsweise im Juli und August im alten Kreuzgang des ehemaligen Klosters, dem inneren Zentrum des Heims, die Klosterhofspiele statt. «So entsteht ein Begegnungsort zwischen der Aussen- und Innenwelt», sagt Therese Bigler, die als Stellvertreterin und Direktionsassistentin ihren Mann in der Leitung des Heims 22 Jahre unterstützt hat.

«Bewohner – nicht Patienten»

Auf der Hauptstrasse Bern–Aarberg sieht man von Bern kommend als Erstes den aus den umliegenden Kornfeldern ragenden Kirchturm des ehemaligen Klosters. Darum herum hat sich ein modernes Dörfchen entwickelt. Bewohnt wird es von 250 Betreuungsbedürftigen. In den verschiedenen Wohneinheiten wird darauf geachtet, dass Menschen zusammenleben, die ähnliche Pflege- und Betreuungsbedürfnisse haben. «Wir sprechen bewusst nicht von Patienten, sondern von Bewohnern», so Bigler. Diese werden von 340 Mitarbeitern betreut. Organisiert ist das Wohn- und Pflegeheim in 19 Wohnstationen, welche in zwei Gruppen unterteilt sind: Das IV-Wohnheim für Behinderte ab 20 Jahren und das eigentliche Pflegeheim für ältere, meist schwer pflegebedürftige Menschen. Der jüngste Bewohner ist 23, der älteste 105 Jahre alt.

Das Wohnheim verfügt im Übrigen über ein Beschäftigungs- und Förderprogramm. Darin werden gemeinsam mit den Pflegebedürftigen Ziele festgesetzt bis hin zu einem Berufslehrabschluss. Ziel ist, ausgebildete Arbeitskräfte in Frienisberg selber wieder einzusetzen, erklärt Bigler.

In der Beschäftigungswerkstatt etwa macht ein Mann Schraubarbeiten für eine Firma in Lyss. Ein anderer bemalt Holzschmetterlinge aus Sperrholz, die im Papiliorama in Kerzers für 50 Franken das Stück verkauft werden. Einige Stockwerke über der Werkstatt wird gebastelt und gemalt. Eine Frau, die Geschenkkarten gestaltet, fragt den abtretenden Direktor: «Herr Bigler – göht Dir bald furt?», auf das Nicken des Direktors sagt sie: «Ou, das isch aber schad.»

Und in Zukunft?

«Ich werde wieder die Schulbank drücken», meint Bigler auf die Frage, was er denn nach der Übergabe seines Amts per 1. August machen werde. Er wolle ausgewählte Vorlesungen an der Uni Bern besuchen. Seine Frau wolle reisen, so Bigler.

Und der Nachfolger? Er freue sich auf seine Aufgabe. Auch deshalb, weil er ein «effektives Kompetenzzentrum für Pflege- und Betreuung» übernehme, auf dessen Basis er weiter aufbauen könne, so Paul Hirsiger. Der Betrieb sei auf modernem Stand, von der Gesundheitsdirektion als solcher anerkannt, und habe keine Sanierung nötig, meint der ehemalige Heimleiter des Pflegeheims zur Forst in Solothurn. Das heisse konkret: Er könne die Vision des Wohn- und Pflegeheims Frienisberg, die Bigler während der letzten 22 Jahre verfolgt habe, weiterführen. (Der Bund)

Erstellt: 19.07.2010, 15:30 Uhr

«Frienisberg ist sei 1131 Spiegel des jeweiligen Zeitgeists»

Das heutige «Wohn- und Pflegeheim Frienisberg» hat eine wechselhafte Geschichte: Seit der Gründung des Zisterzienser-Klosters im Jahre 1131 entwickelte sich der Gebäudekomplex über neun Jahrhunderte. Der ursprüngliche Name des Klosters war Aurora, die Morgenröte. Das deshalb, weil die Kirche nach Osten ausgerichtet war. Nach der Reformation geht der Besitz über in eine Landvogtei. Die Mönche erhalten Abfindungszahlungen und werden ausgewiesen. Bereits 1533 dient das Kloster als Spital. Ende des 18. Jahrhunderts wird das Gebäude als Armenhaus genutzt. 1834 dann wird das ehemalige Kloster zur Kantonalen Knabentaubstummenanstalt umfunktioniert. Gut fünfzig Jahre später dient das Gebäude als Verpflegungsstätte. Ende des 19. Jahrhunderts wird Frienisberg, dem ein Landwirtschaftsbetrieb angegliedert ist, zum Alters- und Pflegeheim umfunktioniert. In einem umfassenden Umbau entsteht von 1952 bis 1977 das den Rahmen der Abtei sprengende Alters- und Pflegeheim Frienisberg. 1988 übernimmt Beat Bigler das vorher von Alt-Ständerat Peter Gerber verwaltete Altersheim. Mit Sanierungsmassnahmen wird das Heim den zeitgemässen Anforderungen schrittweise angepasst. Erst 2004 wird – mit der Inkraftsetzung der neuen Statuten – der letzte Schritt der Wandlung zum heutigen Wohn- und Pflegeheim vollzogen.

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