Chef der Spital Netz Bern geht nach nur drei Jahren

Verwaltungsrat zeigt sich zufrieden mit Fredy Furrer – Trennung ist aber womöglich nicht einvernehmlich.

In der Medienmitteilung steht, was in solchen Fällen immer zu lesen ist: «Im Einvernehmen» mit seinem Arbeitgeber, der Spital Netz Bern AG (SNB), verlasse Fredy Furrer seinen Chefposten per Ende September, um eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen. Drei Jahre lang führte der ehemalige Direktor des Spitalverbunds Appenzell Ausserrhoden das Unternehmen mit seinen Spitälern Ziegler, Tiefenau, Münsingen, Riggisberg und Aarberg sowie den Heimen in der Elfenau und in Belp.

Kündigt der umstrittene Arzt?

«Herr Furrer hat erfolgreich gearbeitet und sechs Spitäler unter ein unternehmerisches Dach gebracht», sagt Verwaltungsratspräsident Daniel Hoffet. Nun sei die Phase des Aufbaus aber beendet und deshalb der Moment gekommen, die Spitze der SNB neu zu besetzen. «Wir brauchen jemanden, der die Aussenbeziehungen pflegt, zum Beispiel im Hinblick auf einen Zusammenschluss mit dem Inselspital.» Mit Furrers Leistungen sei der Verwaltungsrat zufrieden. Voraussichtlich Mitte Oktober will die SNB ihren neuen Chef präsentieren, bis dahin übernimmt Finanzchef Reto Flück den Posten. Welcher neuen beruflichen «Herausforderung» sich Furrer stellen wird, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen; der abtretende Chef war für den «Bund» nicht erreichbar.

Gut informierte Quellen vermuten denn auch, dass Furrer wegen Entwicklungen, die in letzter Zeit in die Schlagzeilen gerieten, gehen muss. In Münsingen baute er für zwei Millionen eine Abteilung für Sportorthopädie, obwohl es keine 15 Kilometer entfernt am Berner Zieglerspital bereits eine Abteilung für Orthopädie gibt. Kurz nach Bekanntwerden der Baupläne verliess der renommierte Orthopäde Hubert Nötzli die SNB. Kommt hinzu, dass der Arzt, welcher in Münsingen operiert, im Juli von der Schweizerischen Gesellschaft für Orthopädie ausgeschlossen wurde. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, nicht durchgeführte Leistungen verrechnet zu haben. Dem Vernehmen nach soll der Orthopäde die SNB bald verlassen – Verwaltungsratspräsident Hoffet will dies weder bestätigen noch dementieren, verhehlt aber nicht, dass er «keine Freude» an den Entwicklungen in Münsingen hat.

Ein weiteres Problem ist laut Eingeweihten die Informatik der SNB. Anfang Jahr konnten aus technischen Gründen keine Rechnungen verschickt werden. Zum Teil ist dies offenbar auch heute noch der Fall. «Es gab einen Stau beim Rechnungsversand. Ich glaube aber, die Probleme sind jetzt gelöst», sagt hingegen Hoffet. Schliesslich scheint auch die Stimmung beim Personal problematisch zu sein. Mehrmals erreichten den «Bund» anonyme Briefe, die der Verunsicherung der SNB-Angestellten Ausdruck gaben. Letztes Jahr gab das Unternehmen bekannt, dass es 70 Stellen streichen müsse.

Der Bund

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