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Streit um ImpfstoffeBundesrat Berset und Lonza-Präsident Baehny wollen zusammenarbeiten

Nach dem Debakel um das Angebot einer staatlichen Impfstoff-Fertigung haben Alain Berset und Albert Baehny die Gespräche jetzt erneut aufgenommen. Ihr Anliegen: eine intensivere Zusammenarbeit.

Ob Bundesrat Alain Berset oder Lonza-Präsident Baehny als Erster zum Telefon griff, bleibt geheim.
Ob Bundesrat Alain Berset oder Lonza-Präsident Baehny als Erster zum Telefon griff, bleibt geheim.
Foto: Marcel Bieri (Keystone)

Bundesrat Alain Berset und Lonza-Präsident Albert Baehny haben am Donnerstag wieder Kontakt miteinander aufgenommen. Von welcher Seite die Initiative ausgegangen ist, bleibt ein Geheimnis. Bestätigt ist nur, dass sie nach den erfolglosen Gesprächen über Staatsinvestitionen in die Impfstoff-Produktion vom vergangenen Frühjahr wieder miteinander telefoniert haben.

«Sie führen den Dialog weiter. Heute hat ein erneuter Austausch stattgefunden», sagt Bersets Sprecher Peter Lauener zu dieser Zeitung. Zum Inhalt des Gesprächs teilten Lauener wie auch ein Sprecher von Lonza unisono mit: «Beiden ist es ein grosses Anliegen, die gute Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Pandemie, die insbesondere auf operativer Ebene regelmässig stattfand, zu intensivieren.»

Die grosse Frage ist, ob damit eine staatliche Investition in die Impfstoff-Herstellung bei Lonza in Visp erneut diskutiert wird. Dazu will sich Lauener nicht äussern. Baehny hatte jedoch vergangene Woche erklärt, eine weitere Produktionsstrasse aufzubauen, sei theoretisch möglich.

Das erste Hindernis für weiterführende Gespräche scheint nun genommen. Zuletzt hatte Berset nach eigenen Worten versucht, Baehny am 11. März anzurufen, nach Erscheinen des Berichts dieser Zeitung über die Möglichkeit einer staatlichen Produktionsstrasse in Visp. Damals war der Lonza-Präsident nicht erreichbar gewesen.

Anruf eine Woche nach der Ankündigung

In einem Interview der SRF-«Rundschau» hatte Baehny vergangene Woche gesagt, er wäre nicht nur offen für einen Anruf von Berset, sondern würde sich freuen. Auf die Nachfrage, ob nicht auch er den Bundesrat anrufen könne, hatte der Lonza-Präsident sogar angekündigt: «Das werde ich tun. Und wir werden sehen, wer schneller ist.» Bundesrat Berset wiederum hatte daraufhin öffentlich betont: «Wir sind in der Schweiz sehr unkompliziert und informell im Kontakt, wenn es notwendig ist.» Nichtsdestotrotz blieben die Leitungen zwischen den beiden erst mal still.

Wegen der erneuten Impfungen gegen die Mutationen des Coronavirus wie auch wegen der auch sonst notwendigen jährlichen Auffrischungsimpfungen zeichnen sich für den kommenden Winter erneute Lieferengpässe ab. Ein Ausbau der Kapazitäten für die Impfstoff-Produktion bei Lonza im Oberwallis ist deswegen nicht vom Tisch.

«Die Pandemie ist nicht vorbei, das Problem nicht gelöst, und wir müssen uns intensiv Gedanken machen über die Zukunft», hatte Baehny gesagt. Der Lonza-Präsident betonte jedoch, dass der Ausbau der Kapazitäten Zeit brauche. Es würde zehn Monate in Anspruch nehmen, um die Impfstoff-Produktion zu erhöhen.

87 Kommentare
    Paul Buchegger

    Da gabs offenbar ein gegenseitiges Warten von zwei Alphatieren. Nun scheint dieser Hahnenkampf überwunden. Bravo für die Schweiz und bravo für die Lonza. Also, geht doch !