Bund verhängt Zulassungsstopp für manipulierte Porsche Cayenne

Das Bundesamt für Strassen greift durch und verbietet die Zulassung für manipulierte Porsche Cayenne mit Dieselmotor.

Ein Porsche Cayenne mit Dieselmotor in Deutschland (Archiv).

Ein Porsche Cayenne mit Dieselmotor in Deutschland (Archiv).

(Bild: Keystone Sascha Steinbach)

In der Schweiz dürfen wegen Abgasmanipulationen bestimmte Porsche-Cayenne-Autos mit Dieselmotor nicht mehr neu zugelassen werden. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat eine entsprechende Weisung erlassen.

Vom vorläufigen Zulassungsstopp betroffen sind Fahrzeuge des Typs Porsche Cayenne mit Dreiliter-Dieselmotor der Abgasstufe Euro 6, wie das Astra am Freitag mitteilte. Damit soll aus Gründen des Umweltschutzes verhindert werden, dass neue, noch nicht zugelassene Fahrzeuge oder Occasionen aus dem Ausland erstmals in der Schweiz in Verkehr gesetzt werden können.

Die Massnahme ändert für die Autofahrer aber vorderhand nichts: Denn wer bereits ein solches Auto besitzt oder eine in der Schweiz schon zugelassene Occasion kauft, ist vom Zulassungsstopp nicht betroffen. Allerdings müssen diese Autos nachgerüstet werden. Eine kostenfreie Rückrufaktion startet laut Porsche Schweiz voraussichtlich im Herbst. Von dieser sind hierzulande 562 Fahrzeuge betroffen.

Europaweiter Rückruf

Porsche hatte Ende Juli eine Rückrufmeldung für seine Cayenne-Modelle herausgegeben. Europaweit werden rund 21'500 Diesel-Fahrzeuge der Baujahre 2014 bis 2017 zurückgerufen. Anfang August beantragte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) beim Kraftfahrtbundesamt gegen Porsche ein Bussgeld in Höhe von 110 Millionen Euro.

Die Tochter des deutschen VW-Konzerns stellt selbst keine Dieselmotoren her, sondern bezieht diese von der Konzernschwester Audi. Dort hatten Tests eine unzulässige Abgas-Einrichtung bei einigen Modellen ans Licht gebracht.

Erstmals ans Licht war der Abgas-Skandal vor knapp zwei Jahren gekommen: Der Porsche-Mutterkonzern VW hatte im September 2015 zugegeben, weltweit in rund 11 Millionen Diesel-Fahrzeuge unterschiedlicher Marken eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm reduziert den Ausstoss von schädlichen Stickoxiden bei standardisierten Tests.

Das Astra reagiert mit seiner Weisung nun darauf, dass die Porsche-Cayenne-Modelle erwiesenermassen widerrechtlich manipuliert wurden, wie ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte. Dies, nachdem die entsprechenden Dokumente der deutschen Behörden geprüft wurden.

Vor zwei Jahren hat die Behörde bereits einen Zulassungsstopp für VW-Autos verhängt, der später für einige Autos gelockert wurde. Die betroffenen Modelle werden inzwischen aber gar nicht mehr produziert. Weitere Zulassungsstopps kann das Astra nur verhängen, wenn eine widerrechtliche Manipulation erwiesen ist.

Nur 25 Stück betroffen

Bei Porsche Schweiz sind nun 25 Autos vom Zulassungsstopp betroffen, die bereits importiert, aber noch nicht immatrikuliert sind, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte. Porsche übernehme die volle Verantwortung für die Fahrzeuge und gegenüber den Kunden und wolle die Sache in Ordnung bringen.

Porsche Schweiz hat hierzulande im vergangenen Jahr 3970 Autos verkauft, 682 davon waren Cayenne-Modelle. Allerdings sind nicht alle dieser Cayenne-Autos vom Zulassungsstopp betroffen. So wurden knapp 30 Prozent der ausgelieferten Cayenne mit Hybrid-Antrieb verkauft.

Der Diesel-Skandal beschäftigt seit seinem Ausbruch Strafverfolgungsbehörden, Gerichte, Konsumentenorganisationen, Umweltverbände und die Politik. In der Schweiz müssen rund 180'000 Autos von Marken der Volkswagengruppe mit der manipulierten Software umgerüstet werden.

kf/sda

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