Brunche und Bisse

«Wahrheit»-Kolumnistin Lena Rittmeyer über die Schattenseiten des Brunchens.

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Lena Rittmeyer@LaRittmeyer

Jetzt bin ich schon wieder darauf hereingefallen. Schon wieder habe ich 36 Franken bezahlt für etwas, was ich vermutlich für ein Drittel des Betrags in der Quartier-Migros erstehen hätte können. Und dort erst noch im Überfluss, sodass es auch noch für die Folgetage gereicht hätte. Natürlich: Im Restaurant ist alles teurer. Aber warum eigentlich insbesondere das Frühstück, das doch für die Küche verhältnismässig wenig zu tun gibt?

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Es ist meine liebste Mahlzeit des Tages. Der Duft von heissem Kaffee, wie die forsche Säure des Orangensafts den zurückhaltenden Gout des Vier-Minuten-Eis kontrastiert oder wie sich Honig und Konfitüre geschmacklich auf dem weichen Zopfstück komplementieren, das macht mir den Tag, wie man auf Englisch sagen würde. Wenn ich könnte, würde ich jeden Morgen bis in den Nachmittag hinein frühstücken.

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Ein klassischer Brunch wäre das dann; eine Kreuzung aus Breakfast und Lunch. Heute wird ja an jeder Ecke gebruncht. An sich eine schöne Entwicklung. Wenn der Café-Brunch nicht so etwas Kleinkrämerisches an sich hätte. Jedes Stück Butter wird dort streng rationiert, der Klecks Konfitüre reicht gerade mal für eine Vollkornbrotscheibe. Und von denen gibt es sowieso nur jeweils eine einzige. Immerhin befindet sich auch noch ein Gipfeli auf dem Teller, aber auch das ist mit einem Stück strikte dosiert. Nachschlag? Kostet extra.

Die Beschreibungen der Frühstücksmenüs auf der Karte lesen sich dann auch eher wie Zubehörlisten von Ikea-Möbeln statt wie ein echtes kulinarisches Vergnügen. Glückwunsch, Sie haben das Angebot «Classic» gewählt. Dieser Brunch enthält (bitte nachprüfen): 1 Stk. Kernenbrot 1 Kaffeelöffel Konfitüre (wahlweise: Zwetschge, Erdbeere oder Aprikose) 1 dl Orangensaft 1 Tasse Kaffee (1 Würfel Zucker inkl.)

Aber immerhin weiss man da wenigstens, was man kriegt fürs Geld, bevor man irgendwo reinbeisst. Ganz anders erging es dem Esel, der kürzlich irgendwo in Deutschland einen teuren Sportwagen fressen wollte. Er muss das orangefarbene Auto, das direkt neben seiner Weide stand, für eine überdimensionale Karotte gehalten haben. Jedenfalls hat er sein Eselsgebiss gleich zweimal ins Heck des Wagens gerammt, was einen Lackschaden in der Höhe von 5800 Euro zur Folge hatte.

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Jedoch nicht nur Esel, auch Katzen beissen gerne mal in Gegenstände. So schilderte eine besorgte Userin der Internet-Community, wie ihr Haustier «den Kopf gegen das Handy drückte» und anfing, «es anzuknabbern». Ganz kurios. «War das irgendein Zeichen???» fragte die Frau in die Runde – gleich oberhalb der Forumsbeiträge «Katze ist komisch zu meinem Schrank», «Katze hat vor etwas Angst» und «Was ist mit meiner Katze los?!».

Was ist mit den Leuten los, frage ich mich da schon eher. Und beisse in mein überteuertes Croissant. Mit grösstmöglicher Absicht.

Der Bund

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