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Die Ask-Force rät von Zeitreisen abBraucht es für eine rückwirkende Quarantäne eine Zeitmaschine?

Wer aus Grossbritannien heimkehre, müsse «rückwirkend in Quarantäne». Doch wie soll das gehen, ohne die Regeln der Physik ausser Kraft zu setzen? Die Ask-Force ermittelt.

Falls dies hier ein britisches Touristenpaar ist, das zur Unzeit einreiste, dann musste es «rückwirkend» in die Quarantäne.
Falls dies hier ein britisches Touristenpaar ist, das zur Unzeit einreiste, dann musste es «rückwirkend» in die Quarantäne.
Foto: Key

Wer aus Grossbritannien heimkehre, müsse «rückwirkend in Quarantäne»: So hat Henri M. aus Bern das BAG verstanden. Er ist aufgewühlt. Bisher vertraute er dem Physiker Stephen Hawking, der physische Zeitreisen als unmöglich erachtete. Nun fragt sich Henri trotzdem, wie er denn rückwirkend in Quarantäne ginge, sollte er dazu aufgefordert werden. Wir vermuten: Henri spürt eine verkappte Sehnsucht nach Zeitreisen.

Sind Zeitreisen also doch möglich? Unsere Antwort: ja. Die ganze Pandemie ist eine Zeitreise. Wir werden kollektiv zeitlich verschoben. Ohne einen Schritt getan zu haben, erleben wir etwa, wie das bei jeder Gelegenheit zu applizierende Wangenküsschen nicht mehr – oder noch nicht – existiert. Wir sind jetzt diesbezüglich in einer anderen Zeit.

Henris potenzieller Einwand, es sei keine Zeitreise, wenn alle gleichzeitig eine Verschiebung erlebten, ist zulässig. Nur ist es nicht so. Viele reisen nicht nur in die Vor-Wangenküsschen-Epoche zurück. Viele – keineswegs nur Trumpisten und Kreationisten – haben sich bereits ins Zeitalter vor der humanistischen Aufklärung abgesetzt.

Mit ihren Beobachtungen belegt die Ask-Force also die Existenz von Zeitreisen. Gleichzeitig warnt sie eindringlich: Zeitreisen sind heikel und extrem unbefriedigend. Wer zu rassig in die Vergangenheit reist, landet leicht in einer x-beliebigen Eiszeit und droht dort als schwächlicher Sapiens subito von einem Säbelzahntiger zersäbelt zu werden. Respektive: Der Zeitreisende würde eben bloss grausam frieren, weil der Säbelzahntiger mich in der Vergangenheit ja nicht fressen darf, weil es mich sonst in der Zukunft – also heute – nicht gäbe. Zeitreisen sind also brutal langweilig, weil wir in der Vergangenheit null Gestaltungsspielraum haben. Wir würden die Zukunft verändern, aus der wir kamen. Das Grossvater-Paradoxon bringts auf den Punkt: Man hat keine Chance, in der Vergangenheit den eigenen Grossvater umzubringen, weil man sonst nicht geboren werden würde (oder geboren worden sein wird).

Weil Zeitreisen so unfaire Reiseangebote sind, sind Quarantänen eher zu begrüssen: Sie katapultieren uns energisch in die Gegenwart und unterhalten uns mit Fragen wie: Und was tue ich jetzt und hier und mit mir?

Die Ask-Force, Ihre Wissensquelle für die Gegenwart, wartet auf Ihre Frage: askforce@derbund.ch