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Schlammeinbrüche im LötschbergBLS plant ein Auffangbecken im Berg

Das Entwässerungssystem im Lötschberg-Basistunnel ist beschädigt. Die BLS will nun eine Kaverne im Berg bauen, um weitere Schlammeinbrüche zu verhindern.

Eine dicke Schlammschicht belegte am 14. März die Bahngleise im Lötschberg-Basistunnel.
Eine dicke Schlammschicht belegte am 14. März die Bahngleise im Lötschberg-Basistunnel.
Foto: zvg

Die BLS glaubt, das Rätsel um die Wasser- und Schlammeinbrüche im Lötschberg-Basistunnel zumindest in den groben Zügen gelöst zu haben. Eine definitive Reparatur erfordert allerdings umfangreiche Bauarbeiten im Berg. Die BLS hofft, diese bereits im Herbst zu beginnen, wie Stefan Irngartinger, Projektleiter Alptransit BLS, am Dienstag an einem Mediengespräch sagte.

Der Grund für die überraschenden Einbrüche eines Gemisches von Wasser und Sand, das sich als Schlammschicht auf eine Länge von 500 Metern auf den Schienen ablagerte, ist demnach ein Schaden am Entwässerungssystem des Tunnels. Dass im Karstgebirge über dem Tunnel eine Wasserquelle vorhanden ist, weiss die BLS bereits seit Sondierbohrungen vor dem eigentlichen Tunnelbau im Jahr 2002.

Das Wasser aus der Quelle im Karst wurde seit Anbeginn mit Schläuchen in das Entwässerungssystem des Tunnels abgeleitet. «Durch ein natürliches Ereignis haben sich offenbar die Fliesswege des Wassers geändert», sagt Irngartinger. Was für ein Ereignis dies war, weiss die BLS nicht. Denkbar seien etwa schwache Erdbeben, die sich kürzlich im Wallis ereignet haben.

Zwischen der Erkundungsbohrung und den Fassungsleitungen: Die BLS-Grafik zeigt, wo die Wasserleitung dem Druck nicht standhielt.
Zwischen der Erkundungsbohrung und den Fassungsleitungen: Die BLS-Grafik zeigt, wo die Wasserleitung dem Druck nicht standhielt.
Grafik: zvg/BLS

Die Menge des Wasser-Sand-Gemisches überforderte die Wasserschläuche und beschädigte vor allem die Abdichtfolie über einer Fuge in der östlichen Tunnelröhre, rund 2,5 Kilometer vor dem südlichen Tunnelportal im Wallis. Die Folge waren drei Schlammeinbrüche seit dem 6. Februar.

BLS: «Lokales Versagen»

«Wir können sehr sicher davon ausgehen, dass wir hier ein lokales Versagen haben», sagt Irngartinger. Die definitive Reparatur will die BLS deshalb lokal und begrenzt anpacken: Zwischen dem Tunnel und der Karstquelle soll im Fels eine Kaverne gebaut werden, welche die Schlammassen auffangen kann. Dort sollen Wasser und Schlamm getrennt werden. Das Wasser wird dann weiterhin über verstärkte Leitungen im Tunnel abgeleitet, der abgelagerte Sand periodisch aus der Kaverne entfernt.

Dreimal wurde die Tunnelröhre geflutet – die Sanierungskosten werden auf 10 Millionen Franken geschätzt.
Video: Keystone/Tamedia

Die Bauarbeiten sollen «im Idealfall» bereits im Herbst beginnen und werden mehrere Monate dauern. Die Kosten betragen laut Irngartinger «einen guten 7-stelligen, vielleicht 8-stelligen Betrag», also entweder knapp weniger oder mehr als 10 Millionen Franken. Teilweise sind die Schäden, so die BLS, durch eine Versicherung gedeckt, über die Baukosten für die Kaverne will das Bahnunternehmen mit dem Bund verhandeln.

Dieser Lösungsvorschlag der BLS ist noch nicht vom Bundesamt für Verkehr (BAV) bewilligt. Gemäss BLS waren die ersten Reaktionen vonseiten des BAV aber ermutigend.

Personenverkehr garantiert

In der Bauzeit wird die östliche Tunnelröhre gesperrt bleiben, der Bahnverkehr wird also nur durch die westliche Röhre rollen. Der Lötschberg-Basistunnel ist im betroffenen südlichen Abschnitt zweispurig ausgebaut, nicht jedoch auf der ganzen Strecke. Der Personenverkehr wird laut BLS während der Bauarbeiten im Einstundentakt weitergeführt, Güterzüge allerdings müssen vielleicht vermehrt auf die alte Bergstrecke ausweichen.

Mit den unerwarteten und unkontrollierten Schlammeinbrüchen in den Tunnel steht die Frage im Raum, ob die BLS die früh erkannte Wasserquelle im Berg gleich von Beginn weg hätte abdichten sollen, anstatt das Wasser abzuleiten.

Karst ist unberechenbar. Es bleibt immer ein Restrisiko.

Stefan Irngartinger, Projektleiter Alptransit BLS

Irngartinger verteidigte den damaligen Grundsatzentscheid der BLS als «nach wie vor richtig». Eine Abdichtung der Quelle im Berg hätte bewirkt, dass sich oberhalb des Tunnels unbemerkt ein grosser Wasserdruck hätte aufbauen können, der ein schwer kalkulierbares Risiko gewesen wäre.

Klar wurde am Dienstag aber auch, dass die BLS den Tunnel ganz anders hätte bauen müssen, wenn sie die Quelle im Karst verschlossen hätte. Nicht nur die Wasserabdichtung, sondern auch die Tunnelwände hätten sehr viel massiver erstellt werden müssen. «Dennoch wäre eine Restrisiko geblieben», so Irngartinger.

Gefangen im Baukonzept

Nachträglich lässt sich die Konzeption des Lötschberg-Basistunnels wohl kaum mehr ändern. Auch bei der Reparatur muss die BLS deshalb wohl am bisherigen Lösungskonzept festhalten und das Wasser aus der Karstquelle weiterhin ableiten. Und zwar wie bisher mit – wenn auch verstärkten – Leitungen innerhalb des Tunnels. Separate Wasserleitungen durch den Berg seien zwar «theoretisch denkbar», so Irngartinger, aber wegen der nötigen separaten Stollen sehr aufwendig und teuer.

Die von der BLS favorisierte Reparaturlösung basiert darauf, dass das Problem wirklich lokal begrenzt ist. Ganz sicher könne man jedoch nie sein, räumt Irngartinger ein: «Karst ist unberechenbar. Es bleibt immer ein Restrisiko.»