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Never Mind the Markets: GeldpolitikBitcoin und Gold sind auch keine Alternativen

Es gibt gute Gründe, die aktuelle Entwicklung der Geldpolitik zu kritisieren. Warum aber weder Gold noch Bitcoin als Geld taugen.

Hat seit Jahresbeginn 2020 gemessen in Dollar rund 470 Prozent an Wert zugelegt: Die Kryptowährung Bitcoin.
Hat seit Jahresbeginn 2020 gemessen in Dollar rund 470 Prozent an Wert zugelegt: Die Kryptowährung Bitcoin.
Foto: Keystone

Seit Jahresbeginn 2020 hat das Gold gemessen in Dollar rund 26 Prozent an Wert zugelegt, die Kryptowährung Bitcoin sogar um rund 470 Prozent; allein in der vergangenen Woche waren es fast 40 Prozent, am Montag kam es dann allerdings zu einer markanten Kurskorrektur. Als Grund für die Entwicklung von beidem werden oft das wachsende Misstrauen in die Politik der Notenbanken und die Angst vor einem baldigen Teuerungsschub genannt.

Das Argument dahinter: Das gigantische Wachstum der Notenbankgeldmengen droht nach der Corona-Krise – anders als nach der Finanzkrise – die Realwirtschaft zu überschwemmen. Die Folge wäre eine Entwertung dieses Geldes. Gold, Bitcoin und andere Parallelwährungen bieten sich daher schon jetzt als Absicherung an.

Bitcoin und andere Kryptowährungen gibt es nicht viel länger als ein Jahrzehnt. Aber Gold hat in der Geschichte des Geldes früher eine grosse Rolle gespielt. Für lange Zeit durften Notenbanken nur neues Geld schöpfen, wenn sie es in Gold umtauschen konnten. Die Geldversorgung war daher von ihren Goldbeständen abhängig. Anhänger dieses alten «Goldstandards» meinen, dieser hätte in unseren turbulenten Zeiten für mehr Stabilität gesorgt.

Wer würde den Franken ausgeben wollen, wenn sein Wert innert einer Woche 40 Prozent zulegen kann?

In einer neuen Studie haben die US-Ökonomen Anthony Diercks, Jonathan Rawls und Eric Sims anhand eines komplexen ökonomischen Modells durchgerechnet, welche Wirkung ein Goldstandard in jüngster Zeit gehabt hätte. Das Ergebnis ist ernüchternd. Die Ausschläge sowohl beim gesamtwirtschaftlichen Ausstoss als auch bei der Inflation wären weit grösser gewesen. Im Jahr 2020 hätte in den USA ein um 10 Prozent geringeres Bruttoinlandprodukt resultiert. Der Pro-Kopf-Konsum würde pro Jahr permanent um rund 1500 Dollar geringer ausfallen. Der wichtigste Grund: Die Verfügbarkeit von Gold unterliegt noch grösseren Schwankungen als die wirtschaftlichen Bedingungen generell. Aber die Notenbanken müssten sich am Gold ausrichten.

Die historische Erfahrung lehrt das Gleiche: Der damals noch gültige Goldstandard hatte grossen Anteil an der weltweiten Grossen Depression der 1930er-Jahre. Das Gleiche würde für Bitcoin mit seinen heftigen Kursausschlägen gelten. Wer würde den Franken ausgeben wollen, wenn sein Wert innert einer Woche 40 Prozent zulegen und dann innert eines Tages wieder drastisch einbrechen kann?

Es gibt gute Gründe, die Entwicklung der Geldpolitik der letzten Jahre zu kritisieren. Doch weder Gold noch Bitcoin bieten aktuell eine taugliche Alternative.

23 Kommentare
    Mark Müller

    Sobald die Notenbanken ihre eigenen Kryptowährungen am Start haben werden die sich nicht die Butter vom Brot stehlen lassen und gegen z.B. Bitcoin vorgehen wie Besteuerung, Handelsverbot etc. Die Handelsmenge von 1 Bio zu 14 Bio physischem Gold weltweit das nie kontrolliert werden kann heisst das Nadelöhr der BTC....Internet.