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Impfungen beim Hausarzt möglich«Alle über 75-Jährigen bis Ende Februar zu impfen, ist realistisch»

Das zweite Vakzin ist zugelassen und soll mindestens ein Jahr schützen. Nicht mehr die Lieferungen sind das Problem, sondern die zügige Organisation der Impfungen.

Der Covid-Impfstoff von Moderna in den USA – nun ist er auch in der Schweiz zugelassen.
Der Covid-Impfstoff von Moderna in den USA – nun ist er auch in der Schweiz zugelassen.
Foto: Hendrik Schmidt (Keystone)

Auf diese gute Nachricht haben alle gewartet: Die Heilmittelbehörde Swissmedic hat den zweiten Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen. Damit ist nach Pfizer/Biontech nun auch der Weg frei für Moderna und seinen ebenso auf der mRNA-Technologie aufgebauten Impfstoff. Für die Schweiz ist dieser Impfstoff am wichtigsten, weil sie hiervon die mit Abstand meisten Dosen bestellt hat. Die Knappheit an Vakzinen sollte sich damit rasch legen.

«Die Daten zeigen, dass der Impfstoff sicher ist», erklärt Philippe Girard, Vizedirektor von Swissmedic. Die Impfung ist für Erwachsene ab 18 Jahren zugelassen und schützt die Geimpften ähnlich wie bei Pfizer/Biontech in 94 Prozent der Fälle davor, an Covid zu erkranken. Der Schutz soll mindestens ein Jahr halten, wie Moderna unabhängig von der Schweizer Zulassung in den USA publik machte. Bislang gab es zur wichtigen Frage der Wirkdauer noch von keinem Hersteller Angaben.

Mit dem Moderna-Vakzin, das von Lonza in der Schweiz hergestellt wird, kann die Massenimpfung in der Schweiz nun Fahrt aufnehmen. Zumindest was die Zahl der bereitstehenden Impfdosen betrifft, denn sie wird sich dank dem US-Unternehmen rasant erhöhen.

Stichtag 18. Januar

«Mit der ersten Lieferung morgen kommen 200’000 Dosen», kündigt Nora Kronig an. Die Vizedirektorin des Bundesamts für Gesundheit (BAG) betont, dass sich die verfügbare Dosenzahl damit fast verdoppeln wird. Von Moderna ist zu hören, dass die 200’000 zwar nicht auf einen Schlag in die Schweiz transportiert werden, aber doch immerhin innerhalb der nächsten sieben Tage.

Bis zum 18. Januar, wenn wiederum die dritte Lieferung des Impfstoffs von Biontech erwartet wird, verfügt die Schweiz dann über eine Gesamtmenge von 560’750 Dosen, so Kronig. Konkret bedeutet diese Menge, dass 4 Prozent der erwachsenen Bevölkerung oder 280’375 Menschen geimpft werden können. Auch vom Moderna-Vakzin braucht es zwei Injektionen. Die zweite soll nach rund vier Wochen erfolgen, um die volle Schutzwirkung zu erreichen.

Was nach der Beschaffung und Zulassung nun im Fokus steht, ist die eigentliche Impfaktion. Es gilt jetzt, die Impfdosen auch tatsächlich all denjenigen zu spritzen, die das wollen. Das ist Aufgabe der Kantone. «Die Umsetzung der Impfstrategie läuft auf Hochtouren», sagte dazu Linda Nartey. Sie ist Vizepräsidentin der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte und räumt ein, dass die Vorbereitungen nicht überall gleich weit seien.

«Alle über 75-Jährigen bis Ende Februar zu impfen, ist realistisch.»

Nora Kronig, BAG-Vizedirektorin

Vom einmal gesteckten Ziel einer Impfung von bis zu 75’000 Menschen pro Tag und einer Bedienung aller Impfwilligen bis Ende Juni ist die Schweiz noch weit entfernt. Davon sprach an der Medienkonferenz niemand. Eine Zielmarke nannte Kronig jedoch: «Alle über 75-Jährigen bis Ende Februar zu impfen, ist realistisch.»

Mit dem Moderna-Impfstoff können nun auch die Impfungen ausserhalb von Impfzentren und Altenheimen beginnen. «Auf diese Zulassung haben wir gehofft, denn der Moderna-Impfstoff macht jetzt auch die Impfungen in Hausarztpraxen möglich, denn viele derjenigen, die zur Risikogruppe gehören, kommen ohnehin als Patienten zu uns», sagt Philipp Luchsinger dieser Zeitung. Für den Präsidenten des Verbands der Haus- und Kinderärzte Schweiz ist entscheidend, dass das Vakzin von Moderna 30 Tage lang bei Kühlschranktemperatur gelagert werden kann und keinen Ultrafrost braucht. Der Kanton Zürich will nächste oder übernächste Woche in den ersten 160 Hausarztpraxen mit den Impfungen gegen Covid beginnen.

Geheimer Verteilschlüssel für Kantone

Doch ein springender Punkt ist, wie die Lieferungen der Impfdosen auf die Kantone verteilt werden. Das BAG hat dafür einen Schlüssel erarbeitet, hält diesen jedoch geheim. Zu erfahren ist nur, dass er sich nach der Bevölkerungszahl bemisst und auch nach dem Anteil an Angehörigen der Risikogruppe. Kantone, mit einer älteren Bevölkerung erhalten zu Beginn verhältnismässig mehr Dosen als andere.

Auf Basis der anvisierten Impfung von 4 Prozent der erwachsenen Bevölkerung hat diese Redaktion eigene Berechnungen angestellt: Der Kanton Zürich sollte bis zum 18. Januar um die 105’000 Dosen erhalten, Basel-Stadt 13’000, beim Kanton Bern sind es 65’000 Dosen. Das BAG kommentierte diese Zahlen nicht.

Bis Ende Februar sollen dann zusätzlich 1 Million Dosen in die Schweiz kommen. Bislang sind zwei Impfstoffe zugelassen – für den dritten Impfstoff von Astra-Zeneca sollte jedoch noch im Januar grünes Licht gegeben werden. Bei allen drei Herstellern hat die Schweiz insgesamt 15 Millionen Dosen bestellt.

43 Kommentare
    Mark Keller

    Woher genau stammt die Information, dass die Moderna-Impfung 1 Jahr Schutz gewähren soll? Erfahrung und Tests an Probanden können es kaum sien! In der britischen Fachinformation für Medizinal-Personen ist hierzu keine Aussage zu finden.