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Geldberater: Marktschrei(b)erBetonmischer LafargeHolcim sitzt in der CO2-Falle

Swiss Re setzt auf höhere Preise +++ Verpackungshersteller SIG imponiert +++ ­Novartis ist auf Aufholjagd

  LafargeHolcim-Werk in Untervaz GR: Der Konzern ist gut durch die Corona-Krise gekommen, dennoch sind die Aktien sehr niedrig bewertet.
LafargeHolcim-Werk in Untervaz GR: Der Konzern ist gut durch die Corona-Krise gekommen, dennoch sind die Aktien sehr niedrig bewertet.
Foto: Rüdiger Nehmzow

LafargeHolcim: Kaufen

Die Aktien von LafargeHolcim stellen mich vor ein Rätsel: Der Konzern ist gut durch die Corona-Krise gekommen und lieferte am Freitag überraschend gute Quartalsergebnisse ab. Der Betriebsgewinn liegt 10 Prozent über Vorjahr, und auch die weiteren Aussichten sind überzeugend. Ab dem kommenden Jahr dürften die Stimulusprogramme der Regierungen zur ­Ankurbelung der Wirtschaft die Nachfrage nach Beton kräftig befeuern. Dennoch sind die Aktien weiter sehr niedrig bewertet, und das, obwohl so gut wie alle Analysten sie zum Kauf empfehlen. Nach der Publikation der guten Quartalszahlen stieg der Kurs um gerade mal 1,5 Prozent – ein Bruchteil der Verluste allein der letzten Woche. Liegt die Zurückhaltung des Marktes an den hohen CO2-Emissionen der Branche, die für immer mehr Anleger ein wichtiges Thema werden? Möglich. Ganz generell gehörten Zementaktien allerdings nie zu den Börsenlieblingen. Die hohe Kapitalintensität eines Zementwerks macht es schwierig, Aktionärswert zu generieren. ­LafargeHolcim dürfte dies 2020 wegen Corona ebenfalls nicht gelingen. Dass es möglich ist, hat der Konzern im vergangenen Jahr bewiesen. Ich glaube daher weiterhin an die Titel. Kaufen

Swiss Re: Halten

Swiss Re hat die pandemiebedingten Zahlungspflichten seit Jahres­mitte um eine halbe Milliarde auf 3 Milliarden Dollar aufgestockt, weist aber dennoch per Ende September weniger Verlust aus als noch zur Jahresmitte. Andere Bereiche verbesserten die Leistungswerte im dritten Quartal. Die geschäftlichen Perspektiven hellen sich gar auf. Der Versicherungskonzern buchte in den neun Monaten bis September gut 6 Prozent mehr Prämien in der Höhe von 30,2 Milliarden Dollar. Für neue Deckungskontrakte verlangt das Management von den Kunden höhere Preise. Das klappt, weil die ganze Rückversicherungsbranche mehr in Rechnung stellt, um aktuelle Fehlbeträge zu kompensieren. Günstig entwickelt sich zudem der Investmenterfolg der Prämiengelder, die bis zur Zahlungsfälligkeit am Finanzmarkt angelegt sind. Auch bei einem ergiebigen Schlussquartal wird Swiss Re das Jahr vermutlich mit Verlust abschliessen. Doch ­Finanzen sind mehr als genug vorhanden. So dürfen die Aktionäre weiterhin hoffen, im nächsten Frühling eine trotz miserablem ­Ergebnis stabile Ausschüttung zu erhalten. Die Empfehlung bleibt deshalb: Halten

SIG Combibloc: Kaufen

«Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen» heisst es in einer alten Lebensweisheit. Und bei SIG Combibloc gilt das auch für die ­Erfolgsrechnung. Die Herstellerin von aseptischen Kartonverpackungen und Füllmaschinen für Getränke und Lebensmittel ist weitgehend krisenresistent. Auch wenn die Währungsentwicklung das Wachstum im dritten Quartal zum Erliegen brachte, blieb die Expansion in den ersten neun Monaten ungebrochen. Der Umsatz legte mehr als 4 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu, der Betriebsgewinn stieg von 329 auf 349 Millionen Euro. Das Wachstum wird von der Bevölkerungszunahme, dem steigenden Konsum pro Kopf und immer neuen Konsumgewohnheiten angetrieben. Die starke Technologieposition und die globale Präsenz des Unternehmens versprechen zudem wachsende Marktanteile. Daran wird sich sobald nichts ändern. Mir imponiert das ausgesprochen elegante Geschäftsmodell von SIG. Wenn sich ein Lebensmittelproduzent für eine Füllmaschine von SIG entscheidet, wird er automatisch zum langfristigen Kunden für die Verpackungen des Unternehmens. Es erstaunt daher nicht, dass SIG fast 90 Prozent ihres Umsatzes mit den Kartons erzielt. Seit dem Börsengang 2018 avancierten die Valoren rund 60 Prozent. Das Ende der Kursentwicklung ist damit nicht erreicht. Kaufen

Novartis: Kaufen

Novartis hat nach der Präsentation der Quartalszahlen Federn gelassen. Der Kurs befindet sich fast wieder dort, wo er nach dem Absturz zu Beginn der Corona-Krise war. Der Umsatz hat mehr oder minder stagniert und die Erwartungen enttäuscht, der operative Gewinn war aber überraschend hoch. Immerhin resultiert nach den ersten neun Monaten des Jahres zu konstanten Wechselkursen noch ein Umsatzwachstum von 4 Prozent, der operative Kerngewinn legt 16 Prozent zu. Bei Lokalrivalin Roche liegt das vergleichbare Umsatzwachstum bei 1 Prozent, der operative Kerngewinn ist 5 Prozent gesunken. Dennoch haben die Roche-Aktien seit Anfang Jahr den Markt geschlagen, während Novartis-Papiere 23 Prozent unter Wasser sind und das Kurs-Gewinn-Verhältnis noch knapp 12 beträgt. Bei Roche ist es 14. Die Entwicklung lässt sich damit erklären, dass Roches neue Medikamente schneller wachsen. Der Markt befürchtet zudem, dass sich der Umsatzverlust älterer Medikamente bei Novartis bald beschleunigen könnte. Beides dürfte übertrieben sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Trend bis etwa Mitte nächsten Jahres wieder zugunsten von Novartis dreht, ist relativ hoch. Kaufen

Diese Kolumne wird von den Redaktorinnen und Redaktoren der «Finanz und Wirtschaft» verfasst. Sie haben sich verpflichtet, nicht in den entsprechenden Titeln aktiv zu sein. Wer die Tipps dieser Kolumne umsetzt, tut das auf eigenes Risiko. Die SonntagsZeitung übernimmt keine Verantwortung.