Zum Hauptinhalt springen

Grenzüberschreitende Corona-RegelnBersets «Alpenabkommen» schrumpft zu «gewisser Koordination»

Mit einheitlichen Regeln wollte Alain Berset die Schweizer Skigebiete vor ausländischer Konkurrenz schützen. Statt Lob hagelte es Protest. Konkrete Ergebnisse gibt es bisher nicht.

Alain Berset wollte sich mit anderen Alpenländern für die Wintersaison absprechen.
Alain Berset wollte sich mit anderen Alpenländern für die Wintersaison absprechen.
Foto: Bruno Petroni

Es klang wie ein Versprechen: Er wolle sich mit den anderen Alpenländern absprechen, um die Schweizer Skigebiete vor ausländischer Konkurrenz mit lascheren Corona-Regeln zu schützen, kündigte Bundesrat Alain Berset vor Monatsfrist im Interview mit dieser Zeitung an. Doch bei den Betroffenen kam es wie eine Drohung an. «Wir brauchen kein Alpenabkommen», befand Hans Wicki, Präsident von Seilbahnen Schweiz.

Die Voraussetzungen seien selbst innerhalb des Landes zu unterschiedlich, um alle über einen Kamm zu scheren, argumentiert der FDP-Ständerat. Einheitliche Regeln über Landesgrenzen hinweg seien erst recht illusorisch. Wenn der Bundesrat den Schweizer Skiorten helfen wolle, solle er den Skigebieten ebenfalls in grossem Stil Investitions-Beiträge à fonds perdu gewähren, wie es Österreich tue. «Es braucht nicht noch eine zusätzliche Wettbewerbsverzerrung zulasten der Schweiz.»

Als Wicki diese Botschaft am Tourismusgipfel vom Montagabend platzierte, rannte er, wie ihm schien, beim Gesundheitsminister offene Türen ein: «Ich hatte das Gefühl, er habe das jetzt begriffen.» Aus Bersets Departement verlautet hingegen, es sei gar nie das Ziel gewesen, ein Abkommen abzuschliessen. Man habe nur «eine gewisse Koordination zwischen den Alpenländern» erreichen wollen, um Wettbewerbsverzerrungen zulasten des Schweizer Tourismus zu vermeiden. «Sondierungsgespräche auf technischer Ebene» seien im Gang.

Berset im Alleingang

Seine Bundesratskollegen hat Berset nicht ins Boot genommen. Weder das Aussenministerium mit dem Arzt Ignazio Cassis an der Spitze noch das für den Tourismus zuständige Wirtschaftsministerium sind gemäss bundesratsnahen Quellen involviert, ebenso wenig das Infrastrukturdepartement Uvek oder das Justizministerium. Es ist das Bundesamt für Gesundheit, das Kontakt mit seinen Partnerministerien in Deutschland, Frankreich, Liechtenstein, Italien und Slowenien aufgenommen hat, wie eine Sprecherin bestätigt. Bisher ohne Ergebnis.

Als Fan von Bersets Plan hat sich Österreichs Gesundheitsminister Rudolf Anschober geoutet. Er kündigte am Dienstag an, Ende September ein Konzept vorstellen zu wollen, «das mit den Nachbarländern akkordiert ist». Er habe mit seinen Kollegen in Italien, Frankreich und der Schweiz gesprochen, so Anschober.

Samnaun folgt Ischgl

Wie diese aussehen könnten, exerziert Ischgl vor. Der ehemalige Corona-Hotspot möchte diesen Winter alles richtig machen und hat bereits ein detailliertes Sicherheitskonzept ausgearbeitet: Personal soll nur mit negativem Test in den Ort dürfen, die Gäste sollen sich gratis testen können. Die Plätze in Seilbahnen und Sesselliften werden deutlich reduziert, auf Grossveranstaltungen und Après-Ski wird weitgehend verzichtet.

Weil Ischgl und Samnaun ein gemeinsames Skigebiet betreiben, werden auf Schweizer Seite die österreichischen Massnahmen ebenfalls umgesetzt. «Im Skigebiet auf Samnauer Gemeindegebiet gelten grundsätzlich die gleichen Regeln wie in Ischgl», bestätigt Martina Stadler, Direktorin des zuständigen Tourismusverbands: «Vorausgesetzt, die Schweizer oder kantonalen Behörden ordnen nicht weitere Vorgaben an.»

8 Kommentare
    Mina Peter

    Die Schweizer werden ohnehin die laschesten Regeln in den Alpen haben, wenn der BR so weitermacht..