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Verspätete LieferungenBerset lässt sein Impfziel wieder fallen

Die Kantone müssten rascher impfen, forderte Gesundheitsminister Alain Berset. Doch jetzt legt sein Bundesamt für Gesundheit den Rückwärtsgang ein. Es empfiehlt den Kantonen, Reserven anzulegen.

Eine Fachfrau bereitet den Impfstoff zum Spritzen vor.
Eine Fachfrau bereitet den Impfstoff zum Spritzen vor.
Foto: Madeleine Schoder

Das Chaos scheint perfekt. Kurz nachdem Bundesrat Alain Berset die Kantone aufgefordert hatte, das Impftempo zu erhöhen, mussten einige Kantone Impftermine absagen – weil das Bundesamt für Gesundheit (BAG) den Nachschub nicht sicherstellen kann. Am Montag teilte es den Kantonen mit, sie erhielten «weniger Impfstoffdosen, als in den ursprünglichen Planungen vorgesehen war», wie die NZZ und der Verbund CH Media berichteten.

Das Problem ist vor allem die zweite Dosis: Sie soll vier Wochen nach der ersten Spritze folgen, gemäss Empfehlungen des Bundes maximal sechs Wochen später. Im Vertrauen auf die Planung des Bundes haben einige Kantone möglichst rasch die gelieferten Impfungen verabreicht. (Sehen Sie hier, wie viele Impfungen jeder Kanton bisher benutzt hat.) Doch nun reichen ihre Vorräte nicht für die zweite Dosis, und der Bund kann nicht nachlegen, weil die Hersteller in Verzug sind.

BAG empfiehlt «physische Reservation»

Das BAG hat darum am Mittwoch den Kantonen empfohlen, eine «physische Reservation» der zweiten Impfdosis vorzusehen, wie mehrere Quellen bestätigen. Das bedeutet nichts anderes, als das Tempo zu drosseln und nur noch die Hälfte der gelieferten Dosen als Erstimpfung zu nutzen. Damit ist auch Bersets Impfbefehl nach nur einer Woche bereits wieder obsolet.

Ein Problem haben nun vor allem die als schnell gefeierten Kantone wie Basel-Stadt, Nidwalden und Zug, die gemäss den jüngsten verfügbaren Zahlen von Anfang Woche über 80 Prozent ihrer Impfungen verbraucht haben. Erschwerend kommt hinzu, dass für die zweite Dosis zwingend dasselbe Produkt wie bei der ersten eingesetzt werden muss. Knapp ist derzeit vor allem der Impfstoff von Pfizer-Biontech. Die nächsten grösseren Lieferungen sind erst Mitte Februar zu erwarten.

Kantone probieren es mit Tausch

Die Kantone probieren nun, untereinander Vorräte auszutauschen, um Engpässe zu überbrücken. Eine gut informierte Person beschwichtigt, dabei handle es sich um überschaubare Mengen. Die Kantone wollen vermeiden, dass der Bund eingreift. Müssten vorsichtigere – und damit langsamere – Kantone nun einen Teil ihrer Reserven abtreten, würden sie sich bestraft fühlen.

Im Interview mit dieser Redaktion übte die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli am Dienstag scharfe Kritik: «Das vom Bund lancierte Wettrennen unter den Kantonen schafft Unruhe und verunsichert die Bevölkerung, zumal kürzlich ja Impfstofflieferungen gekürzt wurden und wir keine Planungssicherheit haben.» (Lesen Sie hier, warum Zürich sich benachteiligt fühlt.)

Nora Kronig vom BAG bemerkte am Mittwoch an der Medienkonferenz des Bundesrats dazu nur, der Verteilschlüssel sei gerecht und werde nicht angepasst. Entspannen soll sich die Situation erst ab März, wenn die Lieferanten voraussichtlich ihre Rückstände wettmachen können.

93 Kommentare
    vico

    Dass unerforschte Impfstoffe auch gefährlich sein können interessiert unser Gesundheitsmininister und dass BAG herzlich wenig,was passiert,wenn es Tote deshalb gibt,dann heisst es sicher auch im Zusammenhang mit Corona und man ist aus dem Schneider,übrigends,gab es eigendlich schon Tote deswegen,denn Ehrlichkeit währt am längsten,kommt ja so oder so aus