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Missverständnisse zum Journalismus in schwieriger Zeit

Was bedeutet der Corona-Ausnahmezustand für den «Bund» und den Journalismus? Einige Präzisierungen.

Auch beim «Bund» ändert das Coronavirus einiges.
Auch beim «Bund» ändert das Coronavirus einiges.
lok

In ausserordentlichen Zeiten ist das Bedürfnis nach Information gross. Und verlässliche Medien sind wichtiger denn je. Wir beim «Bund» bemühen uns, unsere Aufgabe trotz widriger Umstände so gut wie möglich zu erfüllen und über die News hinaus Erklärung, Einordnung und Service zu bieten. So helfen wir etwa mit, dass der öffentliche Diskurs – im wörtlichen Sinn – trotz Verbot von öffentlichen Veranstaltungen nicht abbricht. Am Montagabend laden wir ab 18.30 Uhr online zur Veranstaltung «‹Bund› im Gespräch» über die Folgen des Coronavirus für die Berner Wirtschaft, wo Sie per Mail Fragen stellen können. Auch ganz praktisch helfen wir im schwierigen Alltag: etwa mit einer interaktiven Karte zu Hauslieferangeboten in Stadt und Region.

Unsere Arbeit wird geschätzt, wir erhalten Dank und Zuspruch – das freut uns. Doch gleichzeitig gibt es Missverständnisse rund um die Rolle unabhängiger Medien in dieser Zeit der Not.

Viele fordern, Bezahlmedien wie der «Bund» sollten im Internet sämtliche Coronavirus-Artikel gratis anbieten. Quasi als Dienst an der Öffentlichkeit. In einem Land ohne funktionierendes öffentliches Fernsehen und Radio wäre diese Forderung gerechtfertigt. In der Schweiz ist sie es nicht. Artikel über die Entwicklung der Lage, also quasi die Grundration, sind auch beim «Bund» kostenlos, vertiefende Berichte aber kosten. Warum? Weil guter Journalismus aufwendig ist und einen Wert hat. Sind nicht genug Leser bereit, dafür zu bezahlen, wird es schon bald deutlich weniger von diesem Journalismus geben.

Auch zur Rolle der Journalistinnen und Journalisten gibt es im Ausnahmezustand ein Missverständnis. Schluss mit kritischen Fragen! So lautet in dieser Stunde der Sorge eine verbreitete Erwartung. Dass die Medien nicht Panik schüren sollen, das ist selbstverständlich. Dass sie mithelfen, das für die Bekämpfung des Virus nötige Wissen zu verbreiten, ebenfalls. Aber unabhängigen Medien verbieten zu wollen, dass sie auch andere Sichtweisen als die der Behörden darstellen, so weit darf uns die Angst nicht treiben. Sonst hat das Virus zumindest in unseren Köpfen schon gewonnen.

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