Zu viele Fehler im Job

Ein Vollzugsangestellter im bernischen Amt für Justizvollzug entlässt irrtümlich Insassen – und wird entlassen.

Eine Person in Handschellen (Symbolbild).

Eine Person in Handschellen (Symbolbild).

(Bild: picture alliance)

Sie chauffieren Straffällige von A nach B. Betreuen Gefangene während der Haft oder leiten ein ganzes Gefängnis. Wer im Amt für Justizvollzug tätig ist, ist täglich auf heikler Mission, denn Fehler dürfen nicht passieren.

Einigen wurde dies zum Verhängnis. So wurde der ehemalige Direktor der Strafanstalt Thorberg Georges Caccivio wegen Verfehlungen 2014 entlassen.

Nun liegt ein neuer Kündigungsfall im Amt für Justizvollzug auf dem Tisch: Knapp zwanzig Jahre arbeitete ein Vollzugsangestellter für das Amt, dann erfolgte 2018 die Kündigung. Der Angestellte war damit nicht einverstanden und zog diese an das bernische Verwaltungsgericht weiter – ohne Erfolg. Kürzlich wies dieses seine Beschwerde ab.

Anweisung nicht verstanden

Zum Zeitpunkt seiner Kündigung war der damals 61-Jährige im Innendienst des Amtes tätig. Zu seinem Kerngeschäft zählten die Koordination internationaler Gefangenentransporte, die Begleitung von Transporten Einge­wiesener sowie administrative Aufgaben. Über Jahre fiel der Angestellte allerdings auf, sei es wegen zahlreicher und langer krankheitsbedingter Abwesenheiten oder wegen ungenauen Erledigens seiner Aufgaben. Dies wurde bei den Mitarbeitergesprächen besprochen und Verbesserungen vereinbart.

«Er ist vergesslich und/oder unkonzentriert und stellt somit ein Sicherheitsrisiko dar.»Das Urteil des Verwaltungs­gerichts zitiert Aussagen der Vorgesetzten des entlassenen Angestellten.

Im März 2017 unterlief dem Mann der folgenschwerste Fehler. Der Angestellte disponierte zwei Vorführungen beim Staatssekretariat für Migration fehlerhaft. Dies führte dazu, dass zwei straffällige Personen irrtümlich laufen gelassen wurden. Der Angestellte führte den Fehler auf seine geringen Französischkenntnisse zurück. Er habe den besagten Auftrag nicht vollumfänglich verstanden und die mitgelieferten Dokumente nicht genau gelesen. Allerdings seien die anderen involvierten Stellen ebenso in der Verantwortung, da sie nicht geprüft hätten, ob die Entlassung korrekt sei.

In einem folgenden Mitarbeitergespräch erhielt der Angestellte schliesslich die Beurteilung C, was bedeutet, dass er die Leistungserwartungen in wichtigen Bereichen nicht erfülle. Seine Kündigung betrachtet der Angestellte trotz dieser Beurteilung als unverhältnismässig, zumal er kurz vor der Pensionierung stehe und Mühe habe, eine andere Stelle zu finden.

«Sicherheitsrisiko»

Das Amt für Justizvollzug sah das anders – und das Verwaltungsgericht stützt diese Sichtweise. Es schreibt im Urteil, der Mann habe die Leistungen oft unzureichend erbracht und Weisungen missachtet, weshalb das Vertrauen in ihn erschüttert sei. Er sei zunehmend zum Sicherheitsrisiko geworden. Trotz Leistungsvereinbarung und Besprechungen habe sich seine Leistung nicht gebessert. Die Entlassung sei gerechtfertigt.

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