Zu komplex für Pünktlichkeit

Der neue Berner Hauptbahnhof wird erst 2027 eröffnet. Der Grund liegt auch bei den Einsprechern von damals. Weitere Verspätungen können die Verantwortlichen nicht ausschliessen.

Der Umbau des Bahnhofs gilt auch wegen den engen Platzverhältnissen als hochkomplex. Bau des Stegs auf dem Perron 9/10. Links die Plattform an der Laupenstrasse.

Nur anderthalb Jahre nach dem Spatenstich rechnen die Planer des Grossprojekts «Zukunft Bahnhof Bern» bereits mit zwei Jahren Verspätung. Gebaut wird demnach nicht bis 2025, sondern bis 2027. Der neue Eingang in der Länggasse soll sogar erst 2029 fertiggestellt werden. Dies gab eine Delegation von SBB, RBS, Kanton, Stadt und dem Bundesamt für Verkehr gestern an einer gemeinsamen Medienkonferenz bekannt.

375000Mit so vielen Pendlerinnen und Pendlern rechnen SBB und RBS im Jahr 2030. Heute sind es rund 270000 täglich.

Grund für die Verzögerung des bisher grössten Umbaus des Berner Hauptbahnhofs sind laut den zuständigen Bauherren SBB und RBS die länger dauernden Verhandlungen «mit Einsprechenden im Raum Laupenstrasse». Ob es sich dabei um die dort ansässige Finanzmarktaufsicht des Bundes handelte, wollte an der Medienkonferenz aus juristischen Gründen niemand bestätigen. Fakt ist, dass die Beschwerden den Baubeginn des RBS-Bahnhofs um ein Jahr verzögerten.

Da die verschiedenen Baustellen eng miteinander verzahnt sind, führt dies auch zu einer Verzögerung der SBB-Baustelle «Unterführung Mitte» und den neuen Bahnhofszugängen (siehe Grafik oben). Laut Anna Barbara Remund, Vizedirektorin des Bundesamts für Verkehr, lässt sich die Verspätung auch nicht mit optimierten Bauabläufen oder alternative Bauweisen aufholen.

Glaubt das Bundesamt für Verkehr an den neuen Zeitplan? Vizedirektorin Anna-Barbara Remund gibt Antwort:

Noch mehr Verspätung?

Auch können die Verantwortlichen nicht ausschliessen, dass es künftig zu noch grösseren Verzögerungen kommen wird. Unwahrscheinlich wäre das nicht: Der Umbau gilt wegen den engen Platzverhältnissen und dem laufendem Bahnbetrieb als äusserst komplex. «In Anbetracht, dass wir am Anfang eines Grossprojekts stehen, wäre es vermessen, zu sagen, der Zeitplan werde mit Sicherheit eingehalten werden können», so RBS-Projektleiter Adrian Wildbolz.

Wieso geht plötzlich alles länger? Und ist denn der neue Zeitplan auch wirklich einzuhalten? RBS-Projektleiter Adrian Wildbolz nimmt Stellung

Aus dem Ruder laufen die Kosten aufgrund der Verspätung aber bislang offenbar nicht: SBB und RBS gehen von Mehrkosten im «einstelligen Millionenbereich» aus. Insgesamt kostet der Umbau rund eine Milliarde Franken. Die Kosten teilen sich wie folgt auf: 614 Millionen für den RBS-Bahnhof, 360 Millionen für die neue SBB-Unterführung und Zugänge und rund 90 Millionen für die städtischen Verkehrsmassnahmen.

500000Kubikmeter Aushub fallen allein für den RBS-Bahnhof an. Das entspricht einem Würfel von ungefähr 80 Meter Kantenlänge. Oder dem Inhalt von 200 50-Meter-Schwimmbecken.

Stadt ist nicht tangiert

Die städtischen Vorhaben sind von den Verspätungen bei der SBB- und RBS-Bauprojekten bislang nicht betroffen. Es bleibe das Ziel der Stadt Bern die baulichen Massnahmen per Ende 2025 umzusetzen, damit der öffentliche Raum möglichst früh von den Baustellen entlastet werden könne, sagt Stadtingenieur Reto Zurbuchen. Geplant ist etwa eine Unterführung beim künftigen Westausgang zum Hirschengraben und eine neue unterirdische Velostation.

Bei der Quartierkommission Länggasse nimmt man die zweijährige Verspätung «zur Kenntnis», so Geschäftsleiter Daniel Blumer. Am Vorgehen von SBB und RBS hat er nichts auszusetzen. «Die Zusammenarbeit funktioniert», so Blumer.

1300Tonnen Stahl wurden allein für die Erstellung der Logistikplattform an der Laupenstrasse verbaut. Das entspricht ungefähr dem Gewicht von rund 900 Autos.

Ihm sei es aber wichtig, möglichst früh zu wissen, wann die Bauarbeiten in der Länggasse fertig sind, «damit wir die Neuplanung des Areals rechtzeitig in Angriff nehmen können».

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