Ziemlich spät, aber trotzdem erfreulich

Das feierlich angekündigte Berner «Museumsquartier» ist weder eine neue, noch eine spektakuläre Idee. Aber lieber jetzt als nie.

Blick auf das geplante Museumsquartier zwischen dem Historischen Museum und dem Kirchenfeld Gymnasium.

Blick auf das geplante Museumsquartier zwischen dem Historischen Museum und dem Kirchenfeld Gymnasium.

(Bild: www.mqb.ch/zvg)

Patrick Feuz@patrick_feuz

Weg mit Zäunen und anderen Hindernissen, die das Hin und Her der Besucher zwischen den einzelnen Museen im Kirchenfeldquartier erschweren. Her mit dem Verbindenden: einem gemeinsamen Eingang und einem lauschigen Museumspark. So erfreulich das angekündigte «Museumsquartier» ist, das Burgergemeinde, Stadt und Kanton für 250 Millionen Franken verwirklichen wollen: Die Idee ist weder neu noch spektakulär. Sie ist nahe­liegend, ja springt beim Blick aus der Vogelper­spektive ins Auge. Staunen löst nur aus, warum die Idee eines Museumsquartiers nicht früher ­angepackt wurde, obwohl es dazu kaum aufwendige Neubauten braucht. Und warum etwa Berns Museen bis heute nicht einmal einen gemeinsamen Ticketverkauf kennen.

Viele wollen «Museumsstadt» sein, im Ausland wie in der Schweiz. Dass Bern seine Museen nicht verstecken muss, hat zuletzt der Preis des Europarats für das Museum für Kommunikation gezeigt. Die geplante gemeinsame Dachmarke «Museumsquartier» erlaubt mit begrenzten Finanzmitteln einen auffälligeren Werbeauftritt im Inland und im benachbarten Ausland. Sich selbstbewusst an ein Publikum zu wenden, das die grossen Museen der europäischen Hauptstädte kennt, das passt auch zur neuen Tourismusstrategie von Stadt und Kanton: Sie wünscht sich Besucher, die länger bleiben oder wieder kommen. Wer etwa von Montag bis Freitag beruflich an einem Kongress in Bern teilnimmt, hängt womöglich noch das Wochenende an – um die hiesigen Museen zu besuchen.

Ein «Museumsquartier von internationaler Ausstrahlung» anzukündigen, das weckt Erwartungen. Gut so. Die beteiligten Museen stehen so unter Druck, einfallsreich zu bleiben, ihr je eigenes Profil zu schärfen und ein interessiertes Publikum zu begeistern. So könnte die Zahl der Museumsbesucher in Bern insgesamt tatsächlich wachsen. Und womöglich beflügelt der geplante Abbau von Zäunen die Museen gelegentlich zu gemeinsamen Ausstellungen mit anregenden Bezügen zwischen den einzelnen Häusern.

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