Langjähriger Fan-Wunsch geht in Erfüllung

Die Heimstätte von YB heisst ab Sommer 2020 wieder Stadion Wankdorf. Den Weg zum Namenswechsel ebnet die neue Partnerschaft mit der CSL Behring.

Noch bis im Sommer soll die YB-Spielstätte Stade de Suisse heissen, dann ist der alte Name zurück.

Noch bis im Sommer soll die YB-Spielstätte Stade de Suisse heissen, dann ist der alte Name zurück.

(Bild: Keystone)

Dario Greco@HerrGreco

Der Stein, der am Dienstagmittag zahlreichen YB-Fans vom Herzen fiel, dürfte ziemlich gross gewesen sein. Die Young Boys hatten eine PK angekündigt, und im Wissen, dass der Club seit langem nach einem Stadionsponsor suchte, schwante vielen Böses. Die Neuigkeit, die YB-Verwaltungsratspräsident Hanspeter Kienberger kurz nach 11 Uhr verkünden konnte, war dann aber eine für den Club und seine Fans äusserst erfreuliche: Das Stade de Suisse Wankdorf erhält nach 15 Jahren einen neuen, altbekannten Namen: Die Heimstätte des BSC Young Boys heisst ab Sommer 2020 wieder Stadion Wankdorf.

Den Weg zum Namenswechsel ebnet die neue Partnerschaft der Young Boys mit dem benachbarten Biotechnologie-Unternehmen CSL Behring, die fünf Jahre mit Option auf weitere fünf Jahre dauern wird, beginnend ab Sommer 2020. Die CSL Behring verzichtet dabei darauf, den eigenen Firmennamen in die Stadionbezeichnung zu integrieren, und tritt lediglich als Patronatsträgerin auf. Wie viel Geld an YB fliesst, wollten die Beteiligten nicht sagen.

Details noch unbekannt

Der Einstieg der CSL Behring als Stadionpartnerin sei von grosser Bedeutung, sagt der YB-CEO Wanja Greuel: «Gemeinsam wollen wir den Standort Bern und das Wankdorf weiterentwickeln.» Im Bereich der Mantelnutzung des Stadions böten sich voraussichtlich neue Möglichkeiten, um den Club vorwärtszubringen. Die Young Boys verfolgen denn auch weiterhin ihre Pläne, die Stadionmantelnutzung auszubauen, zusätzliche Räume und allenfalls Wohnungen zu schaffen sowie die offenen drei Seiten der Arena zu schliessen, um künftig Durchzug im Stadion zu vermeiden. Für das Vorhaben, für das YB mit der CSL Behring künftig eine starke Partnerin an seiner Seite weiss, wäre jedoch wohl eine Zonenplanänderung mit einer Volksabstimmung nötig.

Wie die Zusammenarbeit zwischen den Young Boys und ihrer neuen Stadionpartnerin im Detail aussehen wird, konnten die Beteiligten an der Pressekonferenz noch nicht genau sagen. Die konkreten Umsetzungspläne würden ab Januar ausgearbeitet. Die CSL Behring werde aber sicher Präsenz im und um das Stadion erhalten, sagte Greuel.

«Ein Stück Identität und Tradition»

Die stetig wachsende CSL Behring ist bereits seit dem vergangenen Frühling Mieterin von Büroräumen im Stade de Suisse. Im Jahr 2000 hatte das Unternehmen das 1949 gegründete Zentrallaboratorium Blutspendedienst vom Roten Kreuz im Wankdorf-Quartier übernommen. Die über 1700 Mitarbeitenden stellen dort Medikamente gegen seltene Krankheiten her. Die Rückgabe des Namens Stadion Wankdorf sei «ein Dankeschön an Bern und ein Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort», sagte Pierre Caloz, Verantwortlicher für die Produktionsstandorte der Firma in Europa und Asien-Pazifik.

Mit dem Namenswechsel geht für die YB-Fans ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. 2014 war der 10-Jahres-Vertrag der Stade de Suisse AG mit der Partnerin BKW ausgelaufen und die Namensrechte am Stadion zurück an die Young Boys gegangen. Seither hatte der Verein nach einem Sponsor gesucht. Im selben Jahr wurde von Fans eine Onlinepetition mit dem Namen «Zrügg zum Glück – zrügg zum Stadion Wankdorf» lanciert. Mehr als 10'000 Personen hatten darin die Rückkehr zum Namen des 2001 abgerissenen Stadions gefordert. Im Frühling 2017 verliehen die YB-Fandachverbände Ostkurve Bern und Gäubschwarzsüchtig der Forderung Nachdruck, mehrmals hatten sie mit dem Club seither Gespräche geführt, um ihre Anliegen darzulegen.

Nun wurden ihre Wünsche erhört. Die Young Boys erhielten mit der Umbenennung nicht nur «ein Stück Identität und Tradition zurück», schrieb die Ostkurve Bern, «die Fans sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Marke Wankdorf auch aus wirtschaftlicher Sicht grosses Potenzial besitzt».

Der Stadtpräsident begrüsst die Lösung

Mehr als zufrieden ist auch Alec von Graffenried: «Das ist fast wie eine Erlösung, ein Weihnachtsgeschenk», sagt der Stadtpräsident und bekennende YB-Fan. Er sei sehr glücklich, dass die Young Boys einen Namenssponsor gefunden hätten. «Diese Lösung ist rundum erfreulich», sagt er. «Es ist wunderbar. So werden die Geschichten des alten Wankdorf und des neuen Stadions miteinander verbunden.»

Das geschichtsträchtige Stadion Wankdorf – unter anderem Austragungsort des WM-Finals 1954, der als «Das Wunder von Bern» in die Geschichte einging – war 2001 gesprengt und an gleicher Stelle durch einen Neubau ersetzt worden. Dieser heisst seit der Einweihung im Jahre 2005 Stade de Suisse. Mit dem neuen Namen waren die Bernerinnen und Berner nie wirklich warm geworden.


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