Wo die Handwerksbrüder gemeinsam den Becher hoben

35 Jahre nach der Entdeckung eines römischen Quartiers am Vorderberg bei Studen sind die wissenschaftlichen Auswertungen abgeschlossen. Nun werden sie publiziert.

Blick in eines der Häuser während den Ausgrabungen 1991 im Vorderberg.

Blick in eines der Häuser während den Ausgrabungen 1991 im Vorderberg.

(Bild: zvg/Archäologischer Dienst Kanton Bern)

35 Jahre nach der Entdeckung eines römischen Quartiers am Vorderberg bei Studen sind die wissenschaftlichen Auswertungen abgeschlossen. Sie werden in einer neuen zweibändigen Publikation zugänglich gemacht.

Beim Kiesabbau am Vorderberg kamen 1985 Reste von römischen Gebäuden zum Vorschein. Sie gehörten zu einem bis dahin unbekannten Quartier der römischen Kleinstadt Petinesca, in der Nähe des heutigen Ortes Studen.

Die Fundstelle hat nationale Bedeutung. Bis 1992 führte der Archäologische Dienst des Kantons Bern Rettungsgrabungen durch und legte ein ganzes Quartier frei. Entlang einer rund 240 Meter langen Strasse fanden sich rund ein Dutzend Holzbauten aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., die im 2. und 3. Jahrhundert durch Steingebäude ersetzt wurden. Die Holzbebauung wurde bereits in zwei Monografien dokumentiert, wie die bernische Bildungs- und Kulturdirektion am Montag mitteilte. Die neue Publikation widmet sich nun den jüngeren Steinbauphasen.

Insgesamt sieben Steingebäude wurden im Vorderberg erfasst. Es handelt sich um typische Bauten für verschiedene Wohn- und Gewerbezwecke wie etwa das Darren von Flachs oder Getreide oder das Gerben von Leder.

Handwerker unter sich

Ein Haus sticht gemäss den Archäologen besonders hervor: Es verfügt über Räume, die als Halbkeller ausgeformt sind. Dort wurden Wandmalereien gefunden. Die Funde deuten darauf hin, dass es sich um den Versammlungsraum einer Handwerkskooperation, möglicherweise der Gerber, gehandelt haben könnte.

Die Wissenschaftler schliessen dies unter anderem aus einem Trinkgeschirr-Ensemble. Einer der Becher besitzt eine Inschrift, die als «FRATRI» zu lesen ist, was lateinisch so viel wie «dem Bruder» bedeutet.

Der Öffentlichkeit wird die zweibändige Publikation am 22. Januar im Neuen Museum Biel vorgestellt.

cgg/sda

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