Willkommen in der Stadt, liebes Zollikofen

In der Stadt Bern sind Häuserbesetzungen dank Zwischennutzungen zum Ausnahmefall geworden. Gemeinden wie Zollikofen sollten vom Vorgehen in Bern lernen.

Das ehemalige Betagtenheim in Zollikofen.

Das ehemalige Betagtenheim in Zollikofen.

(Bild: Thomas Kaspar)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Die Städte in der Schweiz können nur noch nach innen wachsen. Brachen und Gebäude, die über längere Zeit leer stehen, kann man sich in Ballungszentren eigentlich kaum mehr leisten. Diese Erkenntnis ist in Bern, Zürich und Basel seit einiger Zeit angekommen. Die Städte leisten sich Fachpersonal, das leer stehende Räume in Kontakt mit den Grundeigentümern so rasch wie möglich einer temporären Nutzung zuführt. Mittlerweile gibt es sogar private Firmen, die daraus ein Business gemacht haben. In der Besetzerszene sind die Vermittler weniger beliebt, weil sie die leeren Räume wegschnappen. Das Zieglerspital zum Beispiel wäre heute garantiert besetzt, wenn die Stadt Bern nicht frühzeitig für eine Zwischennutzung gesorgt hätte.

Die Einsicht in Sinn und Zweck von Zwischennutzungen ist aber noch nicht bei allen Grundeigentümern angekommen. Zollikofen ist da in bester Gesellschaft, wenn man etwa an die Eidgenossenschaft denkt, die vor bald drei Jahren eine Liegenschaft an der Effingerstrasse in Bern leer stehen liess und damit eine äusserst militante Besetzung provoziert hat. Dank der Aktivitäten der Koordinationsstelle Zwischennutzung sind polizeiliche Räumungen in der Stadt Bern aber zum Ausnahmefall geworden. Dies hat zur Folge, dass die Besetzerszene vermehrt in die Agglomeration ausweicht wie etwa nach Zollikofen oder Ostermundigen, wo ein Gebäude beim Bahnhof seit vier Jahren besetzt ist. Urbane Phänomene machen eben nicht vor Gemeindegrenzen halt.

In diesem Sinne kann man die Be­hörden von Zollikofen im Grossraum Bern willkommen heissen. Mag sein, dass Sicherheitsgründe gegen eine Zwischennutzung des Betagtenheims gesprochen haben, wie Gemeinde­präsident Daniel Bichsel argumentiert. Aber grundsätzlich braucht es in urbanen Räumen auch urbane Lösungen für leer stehenden Wohnraum, und dazu gehören eben auch Zwischennutzungen oder das sogenannte Zürcher Modell. Dieses besagt, dass Liegenschaften nur bei Vorliegen einer rechtskräftigen Abbruch- und Bau­bewilligung geräumt werden sollten. Und das ist in Zollikofen nicht der Fall.

Hier geht es zum Haupartikel über die Räumung des Betagtenheims in Zollikofen: Nach der Räumung die Verriegelung: Zollikofen will keine zweite Besetzung

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