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«Wenn die Batterie überhitzt, ist Feierabend»

Rennteams aus aller Herren Länder sind für den Formel-E-Wettkampf in Bern eingetroffen. Wie bereiten sie sich auf den Samstag vor, und wie gehen sie mit lokaler Kritik um?

Die Formel-E-Rennteams sind in Bern angekommen.
Die Formel-E-Rennteams sind in Bern angekommen.
Cyril Zingaro, Keystone
Das Audi-Team macht nach einer Begehung der Strecke erste Anpassungen.
Das Audi-Team macht nach einer Begehung der Strecke erste Anpassungen.
Christian Pfander
Am Freitag rollen erstmals Formel-E-Wagen über Berns Strassen.
Am Freitag rollen erstmals Formel-E-Wagen über Berns Strassen.
Raphael Moser
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Die Formel E ist im Berner Breitenrainquartier angekommen und mit ihr offenbar die halbe Motorsport-Welt: Am Freitagmorgen auf dem Guisanplatz fragt eine italienische Besucherin nach dem Kongresssaal; vor dem Medienzentrum rauchen die Journalisten englischer Auto-Zeitschriften; Ingenieure des indischen Rennstalls Mahindra Racing eilen durch die Tore zum Paddock.

Der Paddock: Der Begriff bedeutet wörtlich «Pferdekoppel», steht aber für das Fahrerlager der Rennteams. In einer grossen Bernexpo-Halle sind Schaubuden aufgestellt, in denen Ingenieure an Formelwagen herumwerkeln und konzentriert auf Laptop-Bildschirme starren. Die Autos sehen noch nicht alle strassentauglich aus: In der Bude des Geox-Rennteams hebt ein Mechaniker das Chassis des Fahrzeugs für ein paar Momente mit einer Sackkarre hoch, während seine Kollegen blitzschnell die Räder an die Achsen schrauben.

Vorentscheidung in Bern

Das Audi-Team hat den besten Soundtrack (aus den Lautsprechern ihrer Schaubude ertönen Pop-Klassiker der Achtzigerjahre) und möglicherweise den besten Fahrer: Der Brasilianer Lucas di Grassi steht derzeit auf dem zweiten Rang der Saisonplatzierungen. Vor ihm liegt noch Jean-Eric Vergne aus Frankreich, der für Techeetah fährt. Doch di Grassi gehört zu den Favoriten für den Serientitel. «Lucas ist immer für einen Sieg gut», sagt Mark Schneider, der Medienverantwortliche des Audi-Teams. Die Berner Wettfahrt könne eine Vorentscheidung liefern. «Haben wir morgen ein gutes Rennen, ist der Gesamtsieg auf der letzten Strecke in New York greifbar.»

Damit di Grassi und sein Teamkollege Daniel Abt ein gutes Rennen haben können, arbeiten ihre Ingenieure auf Hochtouren: In der Formel E haben die Teams nur drei Tage Zeit, um ihre zum Transport zerlegten und verpackten Wagen bereit für den Wettbewerb zu machen. In der Bude herrscht eine gewisse Hektik. Schneider beurteilt die Szene jedoch als «vergleichsweise entspannt»: «Die erste Fahrt steht noch bevor; noch wird alles akribisch vorbereitet.» Nachdem die Fahrer und Mechaniker am Freitagmorgen die Strecke erstmals in Person inspiziert hätten, würden nun erste Abstimmungsarbeiten verrichtet.

Technik und Taktik

«Grundsätzlich sind alle Autos gleich», sagt Schneider und zeigt auf das aerodynamische Fahrgestell. «Chassis und Reifen etwa müssen einheitlich sein.» Der Fokus der Ingenieure gilt vor allem dem sogenannten «Antriebsstrang»: Nur der Motor, das Getriebe und die Software sind von der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) zur Entwicklung freigegeben. «Die zulässige Energiemenge von 52 Kilowattstunden ist vorgegeben», erklärt Schneider. «Es geht darum, mit dem Antriebsstrang diese Energie möglichst effizient zu verwenden.» So werde umweltfreundliche Elektrotechnik durch den Rennwettbewerb vorangetrieben. «Zwischen dem schnellsten und dem langsamsten Formel-E-Motor liegt nur eine halbe Sekunde Unterschied», sagt Schneider. «Jeder technische Fortschritt bringt also einen grossen Vorteil.»

Seinem Team Vorteile verschaffen will auch Nico Müller. Der Mann aus Blumenstein bei Thun ist Audi-Testfahrer. Er liefert den Ingenieuren und Piloten zusätzliche Informationen, unter anderem durch Arbeit im Streckensimulator. «Der grosse Höhenunterschied macht die Strecke spannend», sagt er zum Berner Rundkurs.

Hier kämen technische und taktische Aspekte ins Spiel. «Wenn das Auto bergab fährt, kann es wertvolle Energie zurückgewinnen», sagt Müller – durch Bremsen werde die Batterie wieder aufgeladen. Bei der Fahrt bergauf verbrauche man aber mehr Energie als üblich. Über Aargauer- und Muristalden fliesse also viel Energie zwischen Bremsen, Batterie und Motor, so Müller. «Die Batterie kann schnell heiss werden. Wenn sie überhitzt, ist Feierabend.»

«Nicht nur Show»

Das schlechte Wetter, das für den Samstag angekündigt ist, könne aber Batterieüberhitzung verhindern. «Wenn es 32 Grad heiss wäre, hätte ich mehr Bedenken», sagt Müller. Dafür bereitet der Regen den Ingenieuren im Paddock Kopfzerbrechen. «Beim Rennen in Paris hat es geregnet. Es war ein Chaos», sagt Mark Schneider. Die Fahrer müssten in den nassen, rutschigen Bedingungen cool bleiben. «Lieber einmal einen Gegner vorbeilassen, als zu viel zu wollen.»

Im Obstbergquartier können nicht alle einen kühlen Kopf bewahren. Das Viertel ist abgeriegelt, Bewohner müssen einen Passierschein vorweisen, um nach Hause zu gelangen. Der Frust führt teilweise zu heftiger Kritik. Nico Müller kann den Ärger nachvollziehen: «Ich verstehe, dass man irritiert ist, wenn man plötzlich einen hohen Zaun vor der Hütte hat.» Die Formel E sei aber nicht nur Show, Action und grosses Geld. «Klar spielen auch wirtschaftliche Interessen mit», sagt er. «Unsere Technik hilft aber, unseren Planeten zu schonen.»

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