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Wenn das Publibike lahmt

Fahrten mit den Leihvelos der Postauto-Tochter Publibike haben in Bern stark zugenommen. Das führt zu Engpässen, etwa beim Laden der Akkus oder bei der Verteilung.

Schon wieder leer: Der Akku eines Publibikes wird von einem Mitarbeiter des Kompetenzzentrums Arbeit ersetzt.
Schon wieder leer: Der Akku eines Publibikes wird von einem Mitarbeiter des Kompetenzzentrums Arbeit ersetzt.
Nicole Philipp (Archiv)

Rund ein Jahr nach dem Start des Veloverleihs Publibike haben sich die Velos mit den kleinen Rädern ihren Platz auf Berns Strassen erobert. Die robusten Velos werden nicht nur von Büromenschen benutzt: Besonders an sommerlichen Wochenenden sind immer wieder Rudelbildungen ausgangsfreudiger Jugendlicher zu beobachten.

Inzwischen besteht die Berner Flotte der Postauto-Tochter aus 1700 Velos, die Hälfte davon sind E-Bikes.

Doch mit den steigenden Nutzerzahlen nehmen auch die Probleme zu. Ein «Bund»-Leser aus Bern berichtet von seinem Frust über das «unzuverlässige Angebot»: Er sei in mehr als drei Viertel der Fälle, in denen er ein E-Bike ausgeliehen habe, zu spät zur Arbeit gekommen.

Entweder sei der Akku leer gewesen, oder das Fahrradschloss habe sich gar nicht erst öffnen lassen. Auch die Hotline sei leider wenig hilfreich gewesen, so der «Bund»-Leser weiter.

Das Vorhaben, mit dem Velo zur Arbeit zu fahren, habe er mittlerweile aufgegeben und mache nun wieder sein altes Fahrrad flott.

Publibike entschuldigt sich

Dass nicht alles rundläuft, streitet Publibike nicht ab: «Wir haben erkannt, dass wir mit dem Wechsel der Akkus zeitweise in Verzug sind», heisst es bei der Postauto-Medienstelle. Ist der Akku leer, lässt sich auch das Schloss nicht mehr öffnen.

Grund für die Engpässe bei der «Akkulogistik» sind laut Publibike die «erfreulich stark steigenden Ausleihzahlen». Diese führten auch zu Verzögerungen bei der Hotline, wofür sich das Unternehmen entschuldigt. Mit zusätzlichem Personal und längeren Betriebszeiten an den Wochenenden will Publibike nun den Service verbessern.

Zuständig für Wartung, Verteilung und Aufladen der Publibikes ist in Bern das Kompetenzzentrum Arbeit. Es gehört zum Sozialamt und kümmert sich um die berufliche und soziale Integration von Arbeitslosen und Asylbewerbern. Aktuell arbeiten dort rund 50 Teilnehmer eines Integrationsprogramms für Publibike.

Im kürzlich vorgestellten Budget der Stadt sind zudem zwei zusätzliche Chauffeure vorgesehen. Denn Verbesserungspotenzial gibt es nicht nur bei der Wartung, sondern auch bei der Verteilung der Velos auf die rund 170 Stationen. Heute gilt nämlich oft die Faustregel: Je weiter unten eine Station liegt – etwa beim Marzilibad – desto unwahrscheinlicher ist es, dort ein E-Bike zu ergattern.

Auch bei der Stadt räumt man ein, dass der Betrieb noch nicht wie gewünscht läuft. Verkehrsplaner Karl Vogel spricht von «Kinderkrankheiten». Er ist überzeugt, dass in «ein, zwei Jahren ein genauso perfektes System wie beim ÖV in Betrieb ist».

Dazu sei allerdings ein Zusatzeffort seitens Publibike erforderlich. Vogel wünscht sich zudem, dass den Nutzerinnen und Nutzern der E-Bikes künftig der Akkustand auf dem Display angezeigt wird.

Wer heute wissen will, wie es darum steht, muss die Klappe über dem Display öffnen und auf den Knopf des Akkus drücken: Leuchtet er grün, ist man auf der sicheren Seite und kommt beim Stutz auch nicht ins Schwitzen.

Fauler als erwartet

Insgesamt scheint man bei der Stadt die Faulheit der Bernerinnen und Berner unterschätzt zu haben: Die Verkehrsdirektion ging von einer tieferen Nachfrage bei den E-Bikes aus und liess bei der Ausschreibung den E-Bike-Anteil offen. Die steigenden Nutzerzahlen nimmt Vogel hingegen mit Genugtuung zur Kenntnis. «Das bestätigt mir, dass ein solches Velosystem zu Bern passt.»

Wie viele Abos Publibike aber tatsächlich verkauft hat, will das Unternehmen «aus Konkurrenzgründen» nicht verraten. Ob Publibike irgendwann einmal schwarze Zahlen schreiben wird, ist eine andere Frage.

Bisher hat die Post-Tochter stets Verluste geschrieben. Laut der «NZZ am Sonntag» steht das Unternehmen seitens des Verwaltungsrats unter Druck, bessere Zahlen zu liefern. Ob die Post Publibike verkaufen wird, will der Verwaltungsrat offenbar noch diesen Sommer entscheiden.

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