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Weniger Fische mit veränderten Geschlechtsorganen

Im Thunersee hat der Anteil an Felchen mit veränderten Geschlechtsorganen in den letzten Jahren deutlich abgenommen.

Malerisch: Ein Fischer auf dem Thunersee.
Malerisch: Ein Fischer auf dem Thunersee.
Daniel Bernet, itpa. Uni Bern
Viele der Felchen im Thunersee weisen Deformationen an den Geschlechtsorganen aus.
Viele der Felchen im Thunersee weisen Deformationen an den Geschlechtsorganen aus.
Daniel Bernet, itpa. Uni Bern
Wenn die Tiere grösser sind, werden sie in die freien Gewässer ausgesetzt.
Wenn die Tiere grösser sind, werden sie in die freien Gewässer ausgesetzt.
Stefan Anderegg
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Das Phänomen der Felchen mit veränderten Geschlechsorganen bleibt weiterhin rätselhaft. Ein Verdacht ist allerdings nicht ganz von der Hand zu weisen. Die beim Bau des Neat-Basistunnels am Lötschberg verwendeten Chemikalien, die durch die Kander in den Thunersee gelangten. Dieser Spur ging man schon früh nach. Doch Untersuchungen der verwendeten Chemikalien ergaben keine Hinweise darauf, dass die Stoffe Veränderungen bei den Geschlechtsorganen der männlichen Felchen hervorrufen würden.

Auch eine Neubeurteilung kam zum selben Schluss. Weil das Phänomen aber einige Jahre nach Baubeginn am Lötschberg auftrat und nun, vier Jahre nach Bauabschluss, wieder abflacht, bleiben Verdachtsmomente bestehen, wie die bernische Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion und die Volkswirtschaftsdirektion in einer gemeinsamen Mitteilung vom Mittwoch schreiben.

Es könne nicht ganz ausgeschlossen werden, dass eine bestimmte Kombination von Stoffen, die beim Tunnelbau eingesetzt wurden, zur Auslösung der Veränderungen bei den männlichen Felchen beigetragen hätten, schreiben die Behörden weiter.

Weltweites Aufsehen

Als das Phänomen um die Jahrtausendwende auftrat, sorgte es international für Aufsehen. Breit angelegte Untersuchungen versuchten, das «Rätsel vom Thunersee» zu lösen. Vergeblich. Einzige Erkenntnis war, dass offenbar der von den Fischen gefressene Plankton eine Rolle spielte.

Dass der Plankton gewisse Substanzen aufnehme, die den Felchen nicht bekämen, sei eine von vielen Hypothesen, betonte Daniel Bernet von der nationalen Fischuntersuchungsstelle 2008 . Denkbar seien beispielsweise aber auch Mangelerscheinungen beim Plankton oder ganz andere Gründe ohne Zusammenhang zu irgendwelchen Substanzen.

Plankton besteht aus vielen unterschiedlichen Kleinstlebewesen. Die Felchen picken je nach Jahreszeit unterschiedliche Organismen aus dem Plankton heraus. Im Jahr 2000 wurden im Thunersee erstmals rätselhafte Deformationen der Geschlechtsorgane festgestellt. In dieser Art und Häufigkeit war das Phänomen weltweit wohl einzigartig.

Deutlicher Rückgang

Seit 2010 hat der Anteil der Felchen mit deformierten Geschlechtsorganenen, sogenannten Gonadenveränderungen, deutlich abgenommen, wie die Behörden mitteilen. Zwischen 2001 und 2009 lag der Anteil zwischen 20 und 40 Prozent. Ab 2010 sank dieser markant. Im vergangenen Jahr wurden kaum mehr Männchen mit Gonadenveränderungen aus dem See gezogen.

Die kantonalen Fachstellen werden den Thunersee weiterhin im Rahmen des regulären Monitorings überwachen. So werden auch in Zukunft monatlich Felchen aus dem See entnommen und untersucht. Ebenfalls langfristig angelegt ist die Überwachung des Planktons als Futtergrundlage der Fische. Auch die Wasserqualität wird langfristig überwacht. Weiter will der Kanton künftig die Überwachung des Chemikalieneintrags aus Grossbaustellen in Gewässer verbessern.

Felchen kommen in den Schweizer Seen je in eigenen Ausprägungen vor. Im Thunersee finden sich der sogenannte Albock, der Brienzlig und der Kropfer.

SDA/bwg

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