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Berner Regierungsrat drängt den Insel-Präsidenten zum Rücktritt

Uwe E. Jocham wird neuer Verwaltungsratspräsident der grössten Spitalgruppe des Landes.

Der künftige Insel-Präsident in alter Funktion: Uwe E. Jocham auf der Baustelle einer Fabrik von CSL Behring.
Der künftige Insel-Präsident in alter Funktion: Uwe E. Jocham auf der Baustelle einer Fabrik von CSL Behring.
Adrian Moser

Die Berner Insel-Gruppe bekommt überraschend einen neuen Präsidenten. Joseph Rohrer, der amtierende Verwaltungsratspräsident der Spitalgruppe, tritt Ende November 2017 von seinem Amt zurück. Dies offenbar nicht ganz freiwillig. Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) formuliert es so: Der Regierungsrat und die Gesundheits- und Fürsorgedirektion hätten sich mehrfach mit Rohrer getroffen. «Dabei ist Herr Rohrer zum Schluss gekommen, dass die unternehmerischen Ziele mit einer neuen personellen Führung besser erreicht werden können.»

Gemäss Schnegg hat es unterschiedliche Vorstellungen betreffend der Umsetzung der Unternehmensstrategie der Insel-Gruppe gegeben. Unklar ist, ob auch der Job von CEO Holger Baumann in Gefahr ist. Schnegg sagt, diese Personalie liege in der Kompetenz des Verwaltungsrates. Auf die Frage, ob er mit Baumanns Arbeit zufrieden sei, antwortet Schnegg ausweichend. Rohrer selbst will sich nicht zur Personalrochade äussern.

Bereits ist klar, wen der Regierungsrat als Nachfolger vorsieht. Es ist ein in Bern bekanntes Gesicht: Uwe E. Jocham, ehemaliger Direktionspräsident des Biopharmaunternehmens CSL Behring, das in Bern und Lengnau Produktionsstätten betreibt. Schnegg erhofft sich von Jocham, dass es diesem gelingt, die Spitalgruppe «strategisch neu auszurichten, damit sie sich im harten Wettbewerb behaupten kann, der in der Spitzenmedizin herrscht».

Unfreiwilliger Abgang zum Zweiten

Jocham kann auf eine erfolgreiche Zeit beim Berner Ableger des australischen CSL-Konzerns zurückblicken. Als er 2004 die Zügel in der Medikamentenfabrik im Berner Nordquartier übernahm, arbeiteten an dem Standort rund 700 Personen, heute sind es doppelt so viele. Der Manager hat Bern zu einem der wichtigsten Umsatzträger im Konzern gemacht.

Trotz der Erfolge musste Jocham den Posten letztes Jahr an Pierre Caloz abgeben. Die Konzernspitze wollte ihm die Leitung der neuen Fabrik übertragen, die derzeit in Lengnau gebaut wird. Zum Bruch mit der CSL-Spitze kam es laut Aussagen von Jocham aber nicht primär deswegen. Es habe «unterschiedliche Ansichten zur Führungskultur» zwischen ihm und der angelsächsisch geprägten Konzernspitze gegeben, sagte er im Sommer zum «Bund».

Bei der Insel-Gruppe ist Jocham derweil kein Neuling. Er amtet aktuell als Vize-Verwaltungsratspräsident der Sitem-Insel AG, einem am Inselspital angesiedelten Unternehmen, das Forscher dabei unterstützen will, ihre Produkte auf den Markt zu bringen. Der Regierungsrat beantragt der Generalversammlung, Uwe E. Jocham per 1. Dezember 2017 zu Rohrers Nachfolger zu wählen.

Den Ton gab ein anderer an

Joseph Rohrer stand dem Inselspital seit 2011 vor. Firmenintern gab zuletzt aber vor allem Geschäftsführer Holger Baumann den Ton an. In Rohrers Amtszeit fiel unter anderem die Fusion des Berner Uniklinikums mit den Spitälern des Spitalnetz Bern. Der Auftrag zum Zusammenschluss kam von der Berner Regierung. In die Kritik geriet Rohrer, weil er mit seiner privaten Firma Hausarztpraxen betreibt und damit die Insel-Gruppe zu konkurrenzieren drohte. Vor seiner Tätigkeit in Bern war der heute 62-Jährige als Geschäftsführer an einer deutschen Uniklinik und als Manager bei der Spitalgruppe Hirslanden tätig.

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