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Was ist mit den «Stähten»?

Bei Radio SRF soll sich eine Vokalveränderung eingeschlichen haben. Die Ask-Force forscht nach.

Frau S. aus B. ist ratlos. «Hallo Ask-Force! Ist Ihnen beim Hören von Radio SRF auch aufgefallen, dass seit geraumer Zeit immer wieder von ‹Stähten› die Rede ist, wenn ‹Städte› gemeint sind? Kürzlich hat sich sogar ein ‹Stähter› eingeschlichen.» So ausgesprochen klinge das Wort fast wie der falsche Plural von Staat. Sie möchte erfahren, warum diese Mutation vom ursprünglich kurz ausgesprochenen «ä» zum lang gezogenen «äh» stattgefunden habe. «Ist es eine neue Ausspracheregelung oder doch eher eine unpassende neue Angewohnheit.»

Zuerst eine Bemerkung zur Einstiegsfrage: Mit Verlaub, als Fachgremium mit internationalem Renommee fällt uns grundsätzlich alles auf – auch sprachliche Veränderungen an Radio und Fernsehen. Nun aber zu den «Stähten». Geht es um Veränderungen von Vokalen, dann kommt uns natürlich als Erstes die frühenglische Vokalverschiebung in den Sinn, die zwischen etwa 1400 und 1750 stattfand. Damals, als sich die mittelenglischen Vokale zu heben beziehungsweise zu schliessen begannen. Wirklich spannend, Frau S. Leider tut die Vokalverschiebung in diesem Fall nichts zur Sache.

Verschieben wir uns halt zu SRF. Es ist ja derzeit en vogue, SRF mitsamt den Angestellten zu kritisieren. Es wäre also ein Leichtes für uns zu behaupten, irgendein Hipster-Ausbildner hätte diese Änderung veranlasst, um sich als Sprachpapst in den Geschichtsbüchern zu verewigen. Dem ist nicht so, SRF orientiert sich nach wie vor an einer «schweizerischen Variante der deutschen Standardsprache». Dabei sei wichtig, die Sprache der Wirklichkeit anzupassen. Voilà, hier haben wirs: die Wirklichkeit. In diesem Falle eine Wirklichkeit, die erst noch geschaffen wird.

Bei SRF ist man sich nur zu bewusst, dass die politische Entwicklung der letzten Jahre grosse Gräben in unser Land gerissen hat. Die Gräben sind teils so gross, dass sich gewisse Gruppierungen nichts sehnlicher wünschen, als einzelne Quartiere, Gemeinden, Gebiete oder gar Städte vom grossen Rest abzukoppeln. Es würden dann ganz viele neue Einheiten entstehen, eine Art Stadtstaaten ohne jeden Austausch untereinander, sogenannte Stähte eben.

Irgendwie ungut, diese Vorstellung. Aber noch ist es nicht so weit. Die Entwicklung, die SRF sprachlich schon vollzogen hat, muss nicht zwingend eintreffen. Gehen Sie am Sonntag wählen und sorgen Sie dafür, dass sich nicht zu viele «Stähter» ins Bundeshaus einschleichen.

Wählen Sie für Auskünfte die Askforce: askforce@derbund.ch.

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