Warum heisst es Erdowan und nicht Erdogan?

Die Ask-Force grübelt, wieso man hierzulande Namen nicht korrekt wiedergibt.

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Der türkische Präsident heisse bekanntlich Erdogan, steht in der E-Mail von Herrn Felix Z. aus Bolligen. Ihn würde nun interessieren, schreibt er, «warum im Fernsehen immer von Erdowan gesprochen wird – wie kommt das?»

Fragen zu sprachlichen Besonderheiten gelangen häufig ins Postfach der Ask-Force. In eine ähnliche Richtung zielt etwa die Zuschrift von Herrn André W. aus Neuenegg. Ihm falle seit längerem die «hochgestochene» Sprechweise am Radio auf. Da werde von Verkea, Winterthua oder Überholspua gesprochen, schreibt er und vermutet, dass es sich bei Radiofrau Uasula Fuagla wohl um Ursula Furgler handeln müsse.

Herr Z. und Herr W., was sollen wir zu Ihren Feststellungen sagen? Auch uns ist das gestelzte Bühnendeutsch am Radio schon aufgefallen, ebenso die Tatsache, dass Namen unterschiedlich ausgesprochen werden. Nehmen wir den ehemaligen polnischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa. Wenn wir uns nicht täuschen, war auch dieser Name von einem Wandel ergriffen worden: Irgendwann war nicht mehr von Walesa die Rede, sondern von Wauensa.

Unser Problem. Als Bernerinnen und Berner wissen wir einigermassen zuverlässig, wie der Name der südlichsten Gemeinde der Schweiz auszusprechen ist. Aber Namen aus fernen Ländern? Bei denen noch Akzentzeichen über den Buchstaben stehen?

Im Internet kann man türkische Stimmen aufrufen, die «Recep Tayyip Erdo?gan» aussprechen. Was man hört, ist jedoch weit entfernt von «Erdogan». Es klingt eher nach Eoa – mit einem Hauch von W. Aber eben doch: ein W.

Doch wie kommt es, dass der Buchstabe G auch in deutscher Sprache vom W verdrängt wird? Wir vermuten, der Grund liegt darin, dass bei Radio und Fernsehen Leute arbeiten, die nicht anders gelagert sind (ticken) als Leute, die nicht bei Radio und Fernsehen arbeiten – also normale Leute wie Sie, Herr Z. und Herr W.

Und normale Leute neigen nun einmal dazu, Dinge, die sie besser zu wissen glauben, nicht für sich zu behalten. Das können Sie mit einem kleinen Experiment leicht überprüfen. Geben Sie in einer Kaffeepause zum Beispiel diesen Satz zum Besten: «Ihr glaubt nicht, wen ich kürzlich auf dem Markt von Tschiasso gesehen habe: Rewula Rytz!»

Trauen sie sich. Die Ask-Force beantwortet ihre Fragen so gut es geht: askforce@derbund.ch

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