Vier Meter hohe Schutzwand soll Besetzer fernhalten

Weil das Fabrikool-Kollektiv den Dialog verweigerte, sei die Räumung der alten Schreinerei die einzige Option gewesen, sagt der kantonale Baudirektor Christoph Neuhaus. Nun wird das Gebäude bewacht.

Die alte Schreinerei auf dem Von-Roll-Areal wurde am frühen Dienstagmorgen von der Polizei geräumt.

Die alte Schreinerei auf dem Von-Roll-Areal wurde am frühen Dienstagmorgen von der Polizei geräumt.

(Bild: Jürg Spori)

Die Szenen auf dem Von-Roll-Areal in der Länggasse erinnern am Dienstagmorgen an einen Umzug. Vor der alten Schreinerei steht ein Zügelwagen, Möbel werden aus dem Gebäude getragen. Doch beim vermeintlichen Wohnungswechsel handelt es sich um einen Polizeieinsatz, wie Kapo-Mediensprecherin Ramona Mock gegenüber DerBund.ch/Newsnet bestätigt. Grund: «Das Amt für Grundstücke und Gebäude hat einen Strafantrag wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung sowie einen Räumungsantrag gestellt.»

Der Antrag richtet sich gegen das Fabrikool-Kollektiv, welches die Liegenschaft zeitweise legal genutzt hat, sich aber nach Kündigung des Vertrags geweigert hat, auszuziehen. «Wir bleiben die nächsten 50 Jahre», hiess es vonseiten des Kollektivs. «Eine solch vertragslose Situation ist für den Kanton kein annehmbarer Zustand», kommentierte der kantonale Baudirektor Christoph Neuhaus (SVP) den Entscheid, das Gebäude räumen zu lassen. Die Kündigung hatte das Besetzerkollektiv Ende März selbst eingereicht. Dies nachdem der Kanton den Zugang für die neuen Eigentümer verlangt hatte: Das Architekturbüro Hebeisen und Vatter will einen Quartiertreffpunkt mit Markthalle und Restaurants sowie Studentenwohnungen einbauen.

Aufwendige Überwachung

Die Hausübergabe an das Berner Architektenduo wäre auf Ende Jahr geplant gewesen. Die Besetzer hätten also noch bis zu diesem Zeitpunkt bleiben können. Durch die vorzeitige Kündigung des Kollektivs ist dieser fliegende Wechsel nun nicht mehr möglich. Der Kanton rüstet deshalb auf: Eine vier Meter hohe Schutzwand soll die alte Schreinerei ab jetzt vor den unerwünschten Besetzern schützen. Auch hat der Kanton eine Sicherheitsfirma angeheuert. «Das Gebäude wird ab jetzt überwacht», erklärte Neuhaus. 2021 soll das Haus voraussichtlich wieder bezugsbereit sein.

«Es ist noch lange nicht vorbei»

Die Drohung einer Räumung stand schon seit vergangener Woche im Raum. Ein Szenario, das von den Besetzern nicht goutiert wurde. Auf Schildern, die an die Fassade des Gebäudes gehängt wurden, kündigten sie Krawalle an, falls es tatsächlich zur Räumung kommen sollte. Diese blieben am Dienstagmorgen jedoch aus. Während der Räumung liessen sich die Besetzer nicht blicken. Im Internet hingegen sind sie aktiv. Auf der Onlineplattform barrikade.info schreiben sie: «Nur weil die Behörden meinen, sich mal in Ruhe in unserem Haus austoben zu können, ist es noch lange nicht vorbei! Deshalb: Augen und Ohren offen halten.»

Kommunikation fehlgeschlagen

Das alte, verlotterte Holzgebäude stand jahrelang leer. Anfang 2017 wurde es vom Fabrikool-Kollektiv besetzt und belebt. Die Besetzung wurde in der Folge durch einen Vertrag zur Zwischennutzung mit dem Kanton Bern legalisiert. Am Anfang habe dies gut funktioniert, so Neuhaus. «Wir hatten eine Telefonnummer und somit eine Ansprechperson.» Mit dem Verkauf der Liegenschaft habe sich der Dialog vergangenen Herbst aber rapide verschlechtert. Es hat sich laut Neuhaus nur noch um einen «Einwegdialog» gehandelt. Selbst die Koordinationsstelle Zwischennutzung, die in solchen Fällen vermitteln sollte, wusste nicht mehr weiter: Der Kanton habe sie zwar um Unterstützung ersucht, einen konstruktiven Beitrag könne sie aber nicht leisten, hiess es auf Anfrage.

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