Viele Aareböötlifahrer machen sich unwissentlich strafbar

Was viele nicht wissen: Schlauchboote müssen laut Verordnung mit Namen und Adresse des Eigners beschriftet sein – das gilt sogar für Luftmatratzen.

Ob das Gummiboot dieser Aareböötler personalisiert ist?

Ob das Gummiboot dieser Aareböötler personalisiert ist? Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Es ist wieder heiss, und etliche zieht es mit dem Gummiboot auf die Aare. Doch was viele nicht wissen: Die Schlauchboote unterliegen der Schweizer Binnenschifffahrtsverordnung – und das hat Folgen: Gummiboote müssen identifizierbar sein. Zwar müssen sie nicht wie Schiffe ein Kennzeichen mit Kantonskürzel und Nummer tragen und amtlich immatrikuliert sein, wie Florence Pictet vom Bundesamt für Verkehr erklärt. Die Verordnung BVS unterscheide zwischen Schiffen und sogenannten Strandbooten, zu denen die Schlauchboote zählen. Strandboote müssten nicht gekennzeichnet sein. «Aber sie müssen gut sichtbar Namen und Adresse des Eigentümers oder Halters tragen», so Pictet.

Dass dies unter den Gummibootkapitänen weitgehend unbekannt ist, zeigte kürzlich ein Fall im Kanton Solothurn, wo private Gummibootfahrer von der Seepolizei zurechtgewiesen wurden, wie «20 Minuten» berichtete. Tatsächlich ist diese Regelung schon seit 1998 in der Verordnung festgehalten. Warum ist eine solche Beschriftung aber überhaupt nötig?

Sogar Martin Seiler, Technischer Leiter des Schweizer Wasserfahrverbandes, kann darüber nur spekulieren: «Ich nehme an, dass man sich damals aus Sicherheitsgründen dazu entschied, die Gummiboote mit Namen und Adresse zu kennzeichnen.» Wenn man sich heute ansehe, wie die Schlauchboote herumführen, sei dies kein Wunder. Das Aareböötle könne gefährlich sein. Ausserdem sei es wahrscheinlich eine Frage der Versicherung, sagt Seiler. «Wenn etwas passiert, ist es einfacher, wenn man den Inhaber des Bootes kennt.» Dann wisse man, wer zur Verantwortung gezogen werden müsse.

Nutzlose Suchaktionen vermeiden

Für die Kantonspolizei Bern macht die Anschriftpflicht durchaus Sinn. Denn wird ein leeres Boot auf der Aare gesichtet, geht die Polizei automatisch davon aus, dass etwas passiert sein könnte. «Jede Meldung wird ernst genommen und kann sogar eine grosse Suchaktion auslösen, bei der nicht nur die Polizei, sondern auch Rettungsdienste oder gar Helikopter eingesetzt werden müssen», heisst es dort.

Deswegen sei es wichtig, die Schlauchboote anzuschreiben. «Dadurch können auch allfällige und mitunter aufwendige Suchaktionen verhindert werden», sagt Jolanda Egger, Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern. Die Seepolizei stelle aber leider immer wieder fest, dass nach wie vor nicht viele Boote mit Namen und Anschrift versehen seien. Auf ihrer Website zum Aarebootfahren fordert die Polizei deshalb dazu auf, die Schlauchboote anzuschreiben.

Was passiert, wenn die Polizei Schlauchboote kontrolliert, die nicht angeschrieben sind? Im Fall Solothurn hatten die Böötler Glück, sie wurden lediglich verwarnt. Generell sei man in diesen Fällen kulant, sagt Egger. «Im Grossteil der Fälle erfolgt eine Verwarnung.» Fehlten die nötigen Angaben, würden die Eigentümer im Rahmen der Verhältnismässigkeit und mit Augenmass darauf aufmerksam gemacht und aufgefordert, die nötigen Angaben anzubringen.

Situativ – insbesondere eben im konkreten Fall einer ausgelösten Suchaktion – könne das Fehlen der Beschriftung aber Konsequenzen nach sich ziehen. Würde das Fehlverhalten geahndet, erfolge dies via Anzeige. Über das Strafmass habe dann die Justiz zu entscheiden. Wie häufig solche Kontrollen durchgeführt werden, kann Egger nicht sagen. «Eine Statistik zur Häufigkeit der Kontrollen führen wir nicht.» Die Seepolizei kontrolliere im Rahmen ihrer normalen Präsenz auf Berner Gewässern stichprobenweise, ob Strandboote mit Namen und Adresse versehen seien.

«Strandboot muss kein Boot sein»

Die Verordnung bezieht sich jedoch nicht bloss auf Gummiboote. Sie geht noch weiter. Der Fall in Solothurn ging zwar glimpflich aus. Die Polizei habe lediglich darauf aufmerksam gemacht, dass sämtliche Schwimmkörper personalisiert sein müssten, so die Solothurner gegenüber «20 Minuten».

Doch was heisst «Schwimmkörper» in diesem Sinn? Bedeutet das, dass auch Schwimmhilfen wie Gummiringe und Luftmatratzen beschriftet werden müssen? «Gemäss gesetzlicher Umschreibung ist dies so, ja», sagt Egger. Diese Angaben würden auch dabei helfen, die Situation beurteilen zu können und allenfalls rasch Klarheit zu schaffen. In der Verordnung gilt in der Tat «ein aus einer zusammenhängenden Luftkammer bestehendes Schlauch-, Vergnügungs- oder Badegerät, das aus einem trägerlosen, nicht verstärkten Werkstoff hergestellt ist», als Strandboot. (Der Bund)

Erstellt: 07.07.2018, 08:09 Uhr

Fakten zur (Gummi-)Schifffahrt

Laut der Binnenschifffahrtsverordnung müssen alle Schiffe, die länger als zweieinhalb Meter sind, gekennzeichnet werden. «Schiffe, die auf oder über einer Wasserfläche stationiert oder auf einem öffentlichen Gewässer eingesetzt werden, sind mit den von der zuständigen Behörde zugeteilten Kennzeichen zu versehen», steht in der Verordnung. Das Kennzeichen muss – wie jenes der Autos – aus Buchstaben und Zahlen bestehen und amtlich registriert sein. Schriftzeichen und Ziffern unterliegen genauen Vorschriften. Sie müssen auf beiden Seiten des Schiffes gut sichtbar und witterungsbeständig angebracht sein. Auch die Schriftgrösse wird genau vorgegeben. Ganze 23 verschiedene Wasserfahrzeugarten werden in der Verordnung aufgezählt. Müssen aber Gummiboote, die länger als zweieinhalb Meter sind, ein Kennzeichen tragen? «Gummiboote, egal wie lang sie sind, müssen nicht gekennzeichnet werden, da sie unter der Kategorie ‹Strandboote oder dergleichen› aufgeführt sind», sagt Florence Pictet vom Bundesamt für Verkehr. Doch sie müssen gut sichtbar mit Namen und Adresse des Eigners angeschrieben werden. (kls)

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