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Veloverleih in roten Zahlen – wird die Stadt helfen?

Trotz reger Nutzung arbeitet Publibike defizitär. Nun sollen Partnerunternehmen den Veloverleih retten. In Bern kämen regionale Verkehrsunternehmen oder die Stadt selbst in Frage.

In Bern stösst Publibike wegen grosser Nachfrage an Kapazitätsgrenzen – und dennoch rentiert der Betrieb nicht.
In Bern stösst Publibike wegen grosser Nachfrage an Kapazitätsgrenzen – und dennoch rentiert der Betrieb nicht.
Franziska Rothenbühler

Publibike wird in Bern Opfer des eigenen Erfolgs. Da das Veloverleihsystem in diesen Tagen rege genutzt wird, musste über das Wochenende das städtische Tiefbauamt einspringen und mit eigenem Personal und Fahrzeugen beim Umverteilen der Velos mithelfen. Ben Küchler, Mediensprecher der Publibike-Betreiberin Postauto AG, bestätigt dies auf Anfrage. Die Leistungen des Tiefbauamts würden Publibike in Rechnung gestellt.

Trotz des scheinbar riesigen Erfolgs schreibt Publibike aber seit Bestehen rote Zahlen. Noch letzten Oktober erwog die Post deshalb, Publibike zu verkaufen, wie Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller damals der «NZZ am Sonntag» sagte. Nun sucht die Post für Publibike lediglich Partner statt Käufer. Das gab das Postauto-Tochterunternehmen am Montag bekannt. Mit gezielten Partnerschaften soll das Angebot rentabel gemacht werden.

Bern will Publibike behalten

Die Suche nach möglichen Partnern sei noch nicht fortgeschritten, man prüfe derzeit verschiedene Optionen, sagt Küchler. «Voraussetzungen für eine Partnerschaft sind, dass sie strategischen Nutzen und operative Synergien bringt.» Mindestens Letzteres gäbe es offensichtlich bei der Stadt Bern: Immerhin ist die städtische Sozialeinrichtung Kompetenzzentrum Arbeit mit der Publibike-Logistik beauftragt. Im Budgetplan für 2020 sind dafür bereits mehr Stellen vorgesehen. Ausserdem – das zeigten die letzten Tage – springt das Tiefbauamt bei Engpässen mit Personal und Fahrzeugen ein und hilft. Könnte sich die Stadt Bern also als Partnerin an Publibike beteiligen?

Auf Anfrage lehnt dies die Stadt Bern nicht per se ab. Eine konkrete Anfrage für eine Partnerschaft mit Publibike liege derzeit zwar nicht vor, sagt der städtische Verkehrsplaner Karl Vogel. «Eine solche würde aber auf jeden Fall sorgfältig geprüft.» Mehr noch: Offenbar besteht seitens der Stadt grundsätzlich die Bereitschaft, für das Angebot von Publibike zu bezahlen. «Für die Stadt Bern hat dieses Veloverleihsystem einen Wert, wir wollen es behalten», hält der Verkehrsplaner fest.

«Für die Stadt hat dieses Veloverleihsystem einen Wert, wir wollen es behalten.»

Karl Vogel: Verkehrsplaner Stadt Bern

Vor zwei Jahren hat Bern den Auftrag für ein Veloverleihsystem ausgeschrieben. Publibike setzte sich gegen einen teureren Konkurrenten durch. Die Stadt erhielt das heutige System aufgrund der Marktsituation zum Zeitpunkt der Ausschreibung gratis. «Bereits damals wäre die Stadt allerdings bereit gewesen, sich finanziell am Angebot zu beteiligen», sagt Vogel.

Dass eine Anfrage überhaupt geprüft würde, ist nicht selbstverständlich: Die Stadt hat mit Publibike einen laufenden Fünfjahresvertrag. Dieser müsste geändert oder gar gekündigt und neu aufgesetzt werden, wenn sich die Stadt an den Betriebskosten von Publibike beteiligen wollte. Das könnte heikel sein, da die Stadt sich bei der Ausschreibung gegen einen Anbieter entschieden hat, der für seine Dienste von der Stadt Geld verlangt hätte.

Bernmobil und BLS zeigen Interesse

Sucht Publibike nach Partnern, die Synergien ermöglichen und strategisch sinnvoll sind, kommen auch andere Unternehmen aus dem Mobilitätsbereich infrage. Der «Bund» hat bei den drei regionalen ÖV-Unternehmen Bernmobil, BLS und RBS nachgefragt, wie sie zu einer Partnerschaft stünden.

Das Verkehrsunternehmen Bernmobil zeigt sich einer Partnerschaft mit Publibike gegenüber offen. Ein Angebot aus einer Hand erachte Bernmobil als Chance, so der Sprecher Rolf Meyer. «Die beiden Produkte wären so besser koordinier- und vermarktbar.» Man habe dem Veloverleiher bereits vor dem Start in Bern aufgezeigt, in welchen Bereichen eine Zusammenarbeit möglich wäre. «Diese ist aber bisher nicht zustande gekommen.» Gleichzeitig betont Meyer, Publibike dürfe nicht über öffentliche Gelder finanziert werden, die für den ÖV vorgesehen seien.

Auch die BLS sagt, eine Zusammenarbeit mit Publibike sei grundsätzlich vorstellbar - «insbesondere aufgrund der Synergieeffekte». Das Bahnunternehmen sieht im im BLS-Gebiet auch ausserhalb der Städte Bern und Freiburg Potenzial für weitere Publibike-Standorte. BLS-Sprecherin Astrid Herrmann legt aber wert darauf, dass sich die BLS nicht an laufenden Betriebskosten beteiligen und nicht in den Veloverleih investieren werde.

Ablehnend reagiert hingegen der RBS. Zwar könne auch das Leihvelo eine Rolle spielen in einer gut funktionierenden Mobilitätskette, sagt RBS-Sprecherin Fabienne Thommen. Deshalb habe es letztes Jahr Gespräche zwischen RBS und Publibike gegeben. «Aber im Moment sieht der RBS keine Möglichkeit für eine Zusammenarbeit.» Allenfalls wäre das Verkehrsunternehmen bereit, an seinen Bahnhöfen nach Möglichkeit Platz für Leihvelos zu schaffen. Das müsste aber für den RBS kostenneutral und mit geringem Aufwand umsetzbar sein, so Thommen.

Publibike schreibt in seiner Medienmitteilung, es würden gezielt Partnerschaften in einzelnen Schweizer Städten angestrebt. Anfragen an Berner Unternehmen dürften demnach bald erfolgen. Eine andere Möglichkeit wäre für Publibike, eine einzige, dafür nationale Partnerschaft abzuschliessen, etwa mit SBB oder Mobility. Die SBB, die bereits Publibike-Sponsorin sind, zeigten sich auf Anfrage ebenfalls bereit, eine engere Zusammenarbeit auf Wunsch zu prüfen.

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