Ursula Wyss will Tempo 20 beim Helvetiaplatz

Die Verkehrsberuhigung war keine Rahmenbedingung für den Projektwettbewerb beim Helvetiaplatz. Tempo 20 würde aber das Gefühl eines Parks fördern.

Derzeit vom Verkehr dominiert, wird der Helvetiaplatz in Bern ab 2023 begrünt und umgestaltet.

Derzeit vom Verkehr dominiert, wird der Helvetiaplatz in Bern ab 2023 begrünt und umgestaltet.

(Bild: Adrian Moser)

Noah Fend@noahfend

Er soll dereinst zum Einfallstor werden für das Berner Museumsquartier im Kirchenfeld: der Helvetiaplatz. Heute gross, grau und von Tram-, Bus- und Autoverkehr geprägt. Das soll sich ändern – und seit gestern ist auch klar, wie. Eine Jury hat aus 20 Eingaben das Siegerprojekt zur Umgestaltung des Helvetiaplatzes erkoren. «Coquilles Saint-Jacques» – Jakobsmuschel – heisst das Projekt. Sein Konzept: mehr Bäume, weniger Parkplätze, engere Strassen und mehr nutzbare Grünfläche.

«Der heutige Platz franst etwas aus, ist gross und befahren und fühlt sich deshalb kaum als Platz an», sagt die zuständige Gemeinderätin Ursula Wyss (SP). Deshalb sei das Ziel gewesen, «aus dem heutigen Platz ein Aufenthalts- und Ankunftsort für das Museumsquartier hinzubekommen».

Die Bäume überzeugten

Im Siegerpojekt bleibt die Verkehrsführung im Wesentlichen gleich. Reduziert werden aber die Verkehrsflächen. Das heisst, die Fahrbahnen werden beim Umbau so schlank wie möglich gemacht, bleiben aber in der heutigen Form bestehen. Eine deutliche Änderung gebe es hingegen beim stehenden Verkehr, erklärt Heinrich Sauter, Bereichsleiter Hochbau Stadt Bern und Vorsitzender des Preisgerichts, das über die Projektvergabe entschied. «Die Parkplätze werden deutlich reduziert», sagt er.

Die Flächen, wo derzeit noch Autos abgestellt werden können, werden mit Bäumen bepflanzt und für die Bevölkerung nutzbar gemacht. Davon sollen auch die Museen profitieren, im Idealfall – so in einer Mitteilung der Stadt – sei der Helvetiaplatz dereinst ein «attraktives Foyer» für das Berner Museumsquartier. «Der eigentlich sehr grosse Platz wird durch die Baumreihen sinnvoll und in guten Proportionen zusammengefasst», sagt Sauter. Das sei gestalterisch wie funktional überzeugend. «Deshalb hat sich die Jury letztlich für dieses Projekt entschieden.»

Pflasterstein und Kies

Von der Umgestaltung betroffen sind auch die benachbarten Flächen. Der Alpengarten wird durch eine geschnittene Hecke eingegrenzt und mit frei platzierten Stühlen möbliert. Auch der Kastaniengarten erhält eine pflanzliche Abgrenzung und soll für die umliegenden Gastrobetriebe nutzbar gemacht werden. Eine weitere Neuerung: die Bodenbeläge. In der Mitte des Helvetiaplatzes sieht das Projekt Pflastersteine vor. Rund um den Platz, unter den Bäumen und im Kastaniengarten gibt es einen chaussierten Belag, also einen Untergrund aus hartgepresstem Kies, wie er auf Feld- oder Waldwegen zu finden ist. Schliesslich gibt es einen neuen Pavillon, der gleich mehrere Funktionen erfüllen soll: Er wird künftig Kiosk, Tramhaltestelle und WC-Anlage sein und damit den bisherigen Kiosk und die Pissoirs ersetzen.

Wyss will Tempo 20

Mit diesem Siegerprojekt ist Ursula Wyss «sehr glücklich», wie sie gestern sagte. Das Projekt reduziere den Verkehrsraum, und die Baumreihen würden Schatten schaffen, sagt sie. Das sei auf grossen Plätzen wichtig.

Trotz der Neuerungen bleibt das Verkehrsaufkommen aber letztlich gleich. Hätte man den Verkehr nicht radikaler eindämmen müssen, um das Gefühl eines Parks zu fördern? Nein, findet Wyss. «Die Verkehrsberuhigung war keine Rahmenbedingung für den Wettbewerb.» Klar sei aber, so Wyss, «dass die Umsetzung Hand in Hand gehen muss mit einer Temporeduktion im Verkehr». Eine Begegnungszone mit Tempo 20 würde das Platzgefühl noch mehr unterstützen, meint sie.

Details in der Umsetzung, wie eben eine mögliche Temporeduktion, werden dann im konkreten Bauprojekt geregelt. Dieses soll bis im Frühling 2022 erarbeitet werden. Geplanter Baubeginn ist 2023, die Arbeiten werden rund ein Jahr lang dauern. Wyss begrüsst diese rasche Umsetzung. Am besten würden die Bauarbeiten abgestimmt mit der nächsten Gleissanierung am Helvetiaplatz geschehen. «Wie teuer die Umsetzung dann wird, ist derzeit noch nicht klar.»

Erstmals in der Stadt Bern wurde bei der Jurierung der eingegebenen Projekte die Öffentlichkeit zugelassen. Das Angebot sei auf Interesse gestossen und deshalb ein Erfolg, so Wyss. Bei Projekten, die den öffentlichen Raum betreffen, solle man dies deshalb unbedingt wiederholen.

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