Unterstützt der Kanton bald die Nachrichtenagentur?

Die Berner Regierung schlägt Massnahmen zur indirekten Medienförderung vor. Unter anderem soll eine eigene Plattform und Geld für die Nachrichtenagentur SDA geprüft werden.

Blick auf die «Bund»- und BZ-Redaktion im Berner Lorrainequartier.

Blick auf die «Bund»- und BZ-Redaktion im Berner Lorrainequartier.

Der Kanton Bern möchte die Medien indirekt fördern. Wie das gehen könnte, zeigt der Regierungsrat in seinem gestern publizierten Bericht über die Möglichkeiten der Medienförderung. Darin stellt er vier mögliche Massnahmen vor. Mit einer finanziellen Unterstützung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA könnte etwa die Regionalberichterstattung jener Zeitungs-, Radio-, TV- und Online-Redaktionen gestärkt werden, die sich auf die Agentur abstützen. Dank dem Beitrag könnten deren Regionalbüros ihre Berichterstattung ausbauen oder die Preise für ihre Texte senken.

«Eine Unterstützung der SDA wäre politisch akzeptierter als direkte Beiträge an einzelne Medien», sagt der Staatsschreiber Christoph Auer dazu. Wichtig sei, dass von der indirekten Medienförderung alle Medien gleich profitieren könnten.

Als weitere mögliche Massnahme schlägt die Kantonsregierung den Aufbau einer kantonalen Online-Plattform für Medien, Parteien und Gemeinden vor. Wie eine solche Plattform genau aussehen würde, müsse aber erst noch geprüft werden, sagt Auer. Zudem könnte die Medienkompetenz von jungen Menschen gefördert werden. Hier würde die Medienmündigkeit der jungen Menschen geschult. «Es geht darum, dass sie journalistische Medien nutzen, weil sie deren Wert kennen», sagt Auer. Denn es sei wichtig, dass sie sich als Bürger bei Quellen informierten, die nach journalistischen Kriterien arbeiteten. Ob die Medienmündigkeit der Jugendlichen in der Schule, in freiwilligen Kursen oder gar mit Beiträgen an Zeitungsabonnements gefördert würde, sei noch unklar.

Noch keine Summe definiert

Schliesslich denkt der Regierungsrat an die Möglichkeit, eine Stiftung für Medienförderung aufzubauen. Diese Stiftung würde zwar vom Staat mit Geldern alimentiert, doch wäre es ihre Aufgabe, die Gelder unabhängig zu verteilen. Wie viel Geld in eine solche Stiftung wie auch in die anderen drei möglichen Massnahmen fliessen könnte, sagt Auer nicht. «Das wäre unseriös.» Zuerst müsse das Parlament den politischen Willen zeigen und die nötigen Rechtsgrundlagen für eine indirekte Medienförderung schaffen.

Eine direkte Medienförderung – etwa in Form von finanziellen Beiträgen an Online-Medien oder mit Beiträgen an die Lohnkosten von Medienschaffenden – lehnt der Regierungsrat hingegen ab. «Medien können ihre Rolle in einem demokratischen Staat nicht vollkommen unabhängig erfüllen, wenn sie über eine finanzielle Förderung vom Staat abhängig sind.» Bern wäre allerdings nicht der erste Kanton, der seine Medien fördert. Der Kanton Graubünden greift den rätoromanischen Medien unter die Arme.

nj/sda

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