«Und im schlimmsten Fall müssten wir das Buskers sterben lassen»

Der Kampf um öffentliche Gelder geht für das Buskers weiter. Organisatorin Christine Wyss hat der Stadt Bern eine Art Defizitgarantie bei schlechtem Wetter abgerungen.

Die Buskers-Organisatorin Christine Wyss.

Die Buskers-Organisatorin Christine Wyss.

(Bild: Beat Schweizer  )

Frau Wyss, das Buskers beginnt am Donnerstag. Letztes Jahr sagten Sie, das Buskers sei finanziell gefährdet. Wie sieht die Situation dieses Jahr aus?
Die Situation hat sich nicht stark verändert. Wir hatten letztes Jahr grosses Glück mit dem Wetter. Wir konnten dank einem kleinen Gewinn das Defizit von vorletztem Jahr decken obwohl wir auf vielen Bändelis sitzen geblieben sind. Ich hoffe, dass das Wetter auch dieses Jahr mitmacht, denn davon sind wir sehr abhängig.

Letztes Jahr kämpften Sie mit der Stadt um höhere Subventionsbeiträge. Hatten Sie Erfolg?
Ab nächstem Jahr erhalten wir 120'000 statt 100'000 Franken. Eine Erhöhung um 20'000 Franken nach 16 Jahren Buskers wird der Grösse und der Wichtigkeit des Festivals nicht ganz gerecht. Wir sind natürlich froh um die zusätzliche Unterstützung, doch es deckt lediglich die Kostensteigerung der vergangenen Jahre. Wir haben damit nicht mehr Geld zur Verfügung. Wir sind nach wie vor eine der subventionierten Kulturinstitutionen mit dem höchsten Eigenfinanzierungsgrad. Der beträgt bei uns 90 Prozent. (Anmerkung der Redaktion: Der Eigenfinanzierungsgrad des Kornhausforums betrug im Jahr 2017 knapp 22 Prozent.)

Mehr konnten Sie der Stadt nicht abringen?
Unser Vertrag hat noch einen Zusatz: Wenn das Buskers zwei Jahre hintereinander komplett verregnet würde und wir Defizite machen würden, könnten wir bei der Stadt einen Antrag auf Unterstützung stellen. Ob dieser Antrag danach gutgeheissen wird und wie hoch die Unterstützung wäre, ist aber offen.

Behandelt die Stadt das Buskers demnach zu stiefmütterlich?
Das würde ich nicht so sagen. Aber wir generieren eine grosse Wertschöpfung für Bern, schätzungsweise 5 bis 6 Millionen, denn wir beschaffen alles regional, vom T-Shirt-Druck bis zu den Gastronomieständen. Auch die Hotels sind während des Buskers ausgebucht. Einige betrachten es als das inoffizielle Stadtfest von Bern.

Am Thunfest ist dieses Jahr erstmals der Zutritt zum gesamten Festgelände kostenpflichtig. Wäre das eine Option fürs Buskers?
Das hiesse, dass wir das Festgelände absperren und streng kontrollieren müssten. Das widerspricht unserer Idee, das Buskers für alle zugänglich zu machen. Zutrittskontrollen machen wir nur an den Innenspielorten im Erlacherhof, in der Krypta St. Peter und Paul und im Innenhof der Berufsschule BSD. Ich hoffe, dass dies nicht auf dem ganzen Gelände nötig wird. Aber wenn wir nur so das Überleben des Buskers sichern können, werden wir darüber reden müssen.

Der Bändelipreis von 10 Franken ist seit Beginn des Buskers konstant geblieben. Ist hier eine Erhöhung geplant?
Nein. Wir möchten den Preis beibehalten. Denn je höher der Bändelipreis, umso tiefer ist die Bereitschaft der Besucher, die Künstlerinnen und Künstler zu bezahlen. Die Auftretenden sind aber auf das Hutgeld des Publikums angewiesen. Sie erhalten sonst keine Gage. Wir möchten lieber die Bändeli-Quote erhöhen, sodass jede und jeder seinen kleinen Beitrag leistet – und nicht, dass ein paar wenige viel für alle bezahlen müssen.

Wie viele der Besucher kauften 2018 ein Bändeli?
Letztes Jahr kauften sich 40 Prozent der Besucherinnen und Besucher ein Buskers-Bändeli. Diese Quote möchten wir auf 60 Prozent steigern können. Die Einnahmen aus dem Bändeliverkauf machen ein Drittel unseres Budgets aus.

Schon vor einem Jahr sagten Sie, dass Sie in ein paar Jahren die Leitung des Festivals übergeben möchten.
Die Suche nach einer Nachfolgerin ist schwierig, wir haben noch keine konkrete Lösung. Denn ich direkt wüsste niemanden, der meinen Job zu diesen Bedingungen übernehmen würde. Der- oder diejenige muss bereit sein, zurückzustecken – ich hatte zum Beispiel seit 16 Jahren keine Sommerferien mehr und ich arbeite stark unter dem Normaltarif einer Leitungsfunktion.

Was, wenn Sie keine Lösung finden?
Wenn es finanziell zu knapp wird, wären wir gezwungen, das Programm auszudünnen. Und im schlimmsten Fall müssten wir das Buskers sterben lassen. Wenn die Leute nicht mehr bereit wären, ihren minimalen Beitrag zu leisten – sei es als Besucher mit Bändeli oder als freiwillige Helferin –, würde ich mich nicht krampfhaft an das Festival klammern.

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