Transitplatz in Wileroltigen wird gebaut

In Wileroltigen wird ein fixer Transitplatz für ausländische Fahrende gebaut. Das Kantonsparlament hat einen entsprechenden Kredit klar angenommen.

Bis 2022 soll in Wileroltigen ein fixer Transitplatz für ausländische Fahrende entstehen.<p class='credit'>(Bild: Raphael Moser)</p>

Bis 2022 soll in Wileroltigen ein fixer Transitplatz für ausländische Fahrende entstehen.

(Bild: Raphael Moser)

Martin Erdmann@M_Erdmann

Das bernische Parlament hat am Mittwochmorgen einen wegweisenden Entscheid zur Fahrenden-Situation im Kanton getroffen. Mit 113 zu 32 Stimmen hat es den 3,3 Millionen-Franken-Kredit zum Bau eines Transitplatzes in Wileroltigen gutgeheissen. Obwohl das Resultat deutlich ausfiel, war der Gesprächsbedarf im Ratssaal gross. Ganze 20 Parlamentarier meldeten sich zu Wort. Bei den Stellungsnahmen der Fraktionen herrschte beinahe seltene Einigkeit. Bis auf die SVP und die Hälfte der BDP-Fraktion stimmten die Parteien dem Kredit grossmehrheitlich zu.

Der Platz für ausländische Fahrende in Wileroltigen ist eigentlich nur ein Plan B. Ursprünglich hätte dieser in Meinisberg gebaut werden sollen, was vom Grossen Rat jedoch aus Kostengründen zurückgewiesen wurde. Es wurde eine günstigere Alternative gefordert, worauf der Fokus auf Wileroltigen gerichtet wurde. Der Kredit ist um rund zwei Drittel tiefer als es jener für Meinisberg war.

Doch die Begeisterung in Wileroltigen über den Transitplatz hält sich stark in Grenzen. Schon im Vorfeld stellte die Gemeinde Forderungen an den Kanton. So zum Beispiel, dass der Platz nur über die Autobahn A1 zu erreichen sein oder dass ein Haag mit Sichtschutz um das Areal errichtet werden soll. Der Kanton wird diesen Forderungen nachkommen.

JSVP ergreift Referendum

Die zuständige Regierungsrätin Evi Allemann (SP) geht davon aus, dass der Grossratsentscheid eine beruhigende Wirkung rund um die Situation der Fahrenden im Kanton Bern haben wird. Ein fixer Standplatz schaffe Klarheit für die ganze Bevölkerung inklusive den Fahrenden, sagt Allemann. «Er kann illegale Landnahmen verhindern, wodurch auch Polizeikosten eingespart werden können.» Zudem zeige der Kanton durch den Entscheid auch, dass er die Anliegen der Fahrenden ernst nimmt. Die Ablehnung des Kredits hätte nämlich den Kanton unter Druck gesetzt, weil dadurch der Platz für Fahrende knapp werden würde. «Es wäre vielleicht nicht mehr möglich gewesen, schweizerische und ausländische Fahrende zu trennen.» Da sich diese in ihrem Lebensstil stark unterscheiden, wünschen sie sich separate Plätze, sagt die Regierungsrätin.

Bereits im Vorfeld hat die JSVP Kanton Bern Widerstand gegen eine Annahme des Kredits angekündigt. Minuten nach der Abstimmung machte die Jungpartei nun ernst und teilt mit, dass sie das Referendum gegen den Transitplatz ergreifen wird.

«Weniger irreguläre Landnahmen»

Simon Röthlisberger von der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende misst dem geplante Transitplatz in Wileroltigen grosse Bedeutung bei. «Er ist nicht nur ein Meilenstein für den Kanton Bern, sondern wird eine Signalwirkung auf die ganze Schweiz haben.» Deshalb freut es Röthlisberger, dass der Grosse Rat seiner «nationalen Verantwortung» nachgekommen ist. Durch einen beständigen Transitplatz für ausländische Fahrende werde sich die Situation wesentlich verbessern – gerade auch für die Gemeinden. «Es wird zu weniger irregulären Landnahmen kommen, die oft zu Konflikten führen.» Dadurch könnten künftige Diskussionen um die Situation der Fahrende nüchterner geführt werden, als dass das bis anhin geschehen sei.

Doch laut Planungsbericht kann der Platz in Wileroltigen frühestens 2022 realisiert werden. Bis dahin steht ausländischen Fahrenden nur der temporäre Platz in Gampelen zur Verfügung, der im Frühling eröffnet werden soll. Dieser misst 3000 Quadratmeter und kann 20 bis 30 Wohnwagen aufnehmen. «Ob dieser die Nachfrage abdecken kann, ist ungewiss», sagt Röthlisberger.

Der Bund

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