Thuner Biker-Klub verprügelt Aussteiger

Hells-Angels-Supporter aus Thun verprügeln nicht nur Mitglieder rivalisierter Klubs, sondern auch ihre eigenen.

Der Thuner Biker-Klub Kodiaks, Supporter der Hells Angels, sanktioniert abtrünnige Mitglieder offenbar mit Gewalt.

Der Thuner Biker-Klub Kodiaks, Supporter der Hells Angels, sanktioniert abtrünnige Mitglieder offenbar mit Gewalt.

Noah Fend@noahfend

Mitte Mai kam es in Belp zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Motorradklubs Hells Angels und Bandidos (der «Bund» berichtete). Nach dem Vorfall warnte das Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol), von der Szene der Rocker- und rockerähnlichen Gruppierungen gehe ein ernstzunehmendes Konfliktpotenzial aus.

Die beteiligten Hells Angels, die die Schweiz als ihr alleiniges Gebiet beanspruchen, haben in der Schweiz auch mehrere Supporter-Klubs. Diese unterstützen die Hells Angels nicht zuletzt darin, andere Gruppierungen mit Gewalt zu bekämpfen. Einer dieser Supporter-Klubs der Hells Angels sind die Kodiaks aus Thun.

Prügel während mehreren Stunden

Recherchen des «SonntagsBlick» zeigen nun, dass die Rocker der Kodiaks nicht nur mit Gewalt gegen ihre Feinde und Rivalen anderer Klubs vorgehen, sondern auch eigene Leute teils brutal verprügeln.

Gemäss «SonntagsBlick» wurden bereits mehrere Kodiak-Mitglieder gewaltsam angegriffen, als sie den Klub verlassen wollten. So soll ein abtrünniges Mitglied zuletzt im März unter einem Vorwand ins Klubhaus im bernischen Mühlethurnen gelockt und dort während mehrer Stunden von sechs Klubmitgliedern verprügelt worden sein. Das Opfer trug offenbar dutzende Prellungen, Schürfungen und ein geplatztes Trommelfell davon und musste nach dem Vorfall im Berner Inselspital behandelt werden.

Inzwischen hat das abtretende Mitglied Anzeige erstattet, unter anderem gegen den Präsidenten und den Sergeant at Arms der Thuner Kodiaks. Gegenüber dem «SonntagsBlick» wollten sie sich zum Vorfall nicht äussern.

Szenen-Umbruch im Kanton Bern

Es soll nicht das erste Mal sein, dass aus Hells-Angels-Kreisen auch Gewalt an Mitgliedern ausgeübt wird, um sie zu sanktionieren. So wollten die Hells Angels offenbar auch die Broncos Thun bestrafen, weil diese im Kanton Bern einen vierten Ableger gegründet hatten. Die Broncos gelten als den Hells Angels untergeordnet.

Das führt wiederum zu Unzufriedenheit bei jüngeren Broncos-Mitgliedern. Sie wünschten sich mehr Eigenständigkeit und kritisieren das unterwürfige Verhalten ihrer Führung gegenüber den Hells Angels. Diese jüngsten Konflikte und Eskalationen lassen auf einen Umbruch in der Szene schliessen, besonders im Kanton Bern.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt