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Streit statt Sternstunde

Ans Berner Formel E-Rennen kamen Tausende. Doch der anhaltende Streit darum hat die Organisatoren verunsichert.

In der Berner Altstadt wird das E-Village abgebaut.
In der Berner Altstadt wird das E-Village abgebaut.
Marco Raho
Die Aufräumarbeiten sind im Gange.
Die Aufräumarbeiten sind im Gange.
Marco Raho
Bei der Nydeggbrücke können gratis Blumen mitgenommen werden.
Bei der Nydeggbrücke können gratis Blumen mitgenommen werden.
Marco Raho
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Die Rennwagen sind wieder in ihre Transportkisten gepackt, die Tribünen werden abgebaut und die Grenzen zum Obstbergquartier werden geöffnet. Die Formel E verlässt Bern, zurück bleiben für viele schöne Erinnerungen, aber auch viel Ärger, ein politischer Streit und Unsicherheit über die Zukunft des Motorsports in der Bundesstadt. Die Diskussionen spalten Parteien, und politische Gegner finden Einklang: Aus bürgerlichen Reihen kommt Lob für den linksdominierten Berner Gemeinderat; während Linke die Stadtregierung zu Erklärungen auffordern.

«Unsere Befürchtungen haben sich leider bestätigt», sagt etwa Marieke Kruit, Fraktionspräsidentin der SP im Stadtrat. Die Anwohnenden habe man nicht genügend involviert, und der Anlass sei alles andere als ökologisch nachhaltig gewesen. «Jetzt muss der Gemeinderat alles kritisch analysieren – auch sein eigenes Vorgehen.» Die Stadt habe einige Probleme unterschätzt, sagt GFL-Präsidentin Brigitte Hilty. Zwar hätten viele Leute Freude am Rennen gehabt. Doch die Formel E habe in Bern in Zeiten der Klimakrise einen «neuralgischen Punkt» getroffen. «Dazu kommen die fragwürdigen Sponsoren und die Abmachungen, die der Veranstalter nicht eingehalten hat.» Hiltys Fazit zum Formel-E-Rennen: Nicht noch einmal.

Wut nach dem Rennen

Dies sei auch das Motto der Nachberegruppe Obstberg, sagt Präsident Heini Gysel. Das Viertel, das die E-Boliden in der Wettfahrt umkreisten, war übers Wochenende abgeriegelt und nur mit Passierschein zugänglich. Einige Bewohner wähnten sich in einer Art Straflager. Solche Vergleiche findet Gysel etwas stark. «Die Information war aber sehr schlecht. Man wusste teilweise nicht so recht, wie man rauskam.» Auch nach dem Rennen sei im Quartier Wut zu spüren.

«Die Bundesstadt hat sich nicht von ihrer besten Seite gezeigt»

Claudine Esseiva Stadträtin FDP

Swiss-E-Prix-Sprecher Stephan Oehen räumt ein, dass man die Art, wie man informiert habe, nun diskutieren müsse. «Darauf hat die Bevölkerung ein Recht.» Bei Grossanlässen gebe es immer Sachen, die besser laufen könnten. Dies sagt auch der zuständige Gemeinderat Reto Nause (CVP). Es seien Fehler passiert, aber manchmal müssten Städter mit nicht alltäglichen Situationen besser umgehen können. «Was bleibt, ist die entspannte, schöne Stimmung unter den 120’000 zufriedenen Besuchern.» Er sei stolz auf Bern. «Wir haben das gestemmt und uns vor der Weltöffentlichkeit mit wunderschönen Bildern als Gastgeberin präsentiert.»

Auch Oehen von Swiss E-Prix zieht eine positive Bilanz vom Renntag: «In der Menge haben wir viele glückliche und interessierte Gesichter gesehen», sagt er. «Wir sind froh, haben wir den Funken zum Springen gebracht.» Bern habe sich auch dank der Professionalität des Gemeinderats positiv profiliert.

«Daneben benommen»

Doch dies ist keine Garantie, dass Formel-E-Rennen in Bern zur Regelmässigkeit würden. Zweifel bestehen nicht nur bei der lokalen Bevölkerung, sondern offenbar auch bei den Veranstaltern. Die Formel-E-Eigentümer erstaune es, dass in einem stabilen Land wie der Schweiz die Sicherheit der Renninfrastruktur zum Thema geworden sei, sagt Oehen. Damit spricht er den Vandalismus und die Sabotageakte an, die am Rande der Velodemo gegen den Event und in der Nacht vor dem Rennen verübt wurden. «Eine kleine Gruppe, vielleicht auch mit berechtigten Bedenken, hat die Diskussion geprägt», sagt Oehen. Bern müsse sich Gedanken machen, ob es auch künftig internationale Grossevents oder nur kleine Anlässe ausrichten wolle.

Dass die Organisatoren durch den Widerstand abgeschreckt worden seien, befürchtet Claudine Esseiva. «Diese Leute werde nicht mehr kommen, weil man sich hier so daneben benommen hat», sagt die FDP-Stadträtin. Die Bundesstadt habe sich nicht von ihrer besten Seite gezeigt. «Die Intoleranz von der linken Seite und die Sachbeschädigung sind beschämend.» Der Gemeinderat verdiene Lob dafür, dass er die Veranstaltung trotzdem durchgezogen habe. Die Stadt Bern brauche vielfältige Anlässe. «Samstag war aus zwei unterschiedlichen Gründen der Hammer», sagt Esseiva. Tagsüber sei sie mit ihrem begeisterten Sohn beim Rennen, danach vor der Reitschule am Überraschungskonzert von Patent Ochsner gewesen. «In Bern muss es für beides Platz haben.»

«Wir müssen nicht mit jedem Grossanlass einverstanden sein», sagt David Böhner, Mitorganisator der Velodemo. Mit der Aktion habe seine Gruppe ein Zeichen gegen die «Heuchelei» des Gemeinderats setzen wollen, der einen von Autokonzernen und Saudischen Blaublütern gesponserten Event in einen grünen Mantel hülle. Der Vandalismus sei aber gar nicht in ihrem Sinne gewesen, auch wenn man die Wut verstehe. Die Demo sei bunt durchmischt gewesen. «Das zeigt, dass wir einen grossen Teil der Bevölkerung auf unserer Seite haben.» Das Ziel sei erreicht worden: Böhner rechnet mit keinem Motorsport mehr in Bern. Ob er Recht behält, bleibt offen. Es ist denkbar, dass die Motorsportler einen Entscheid fällen, bevor in Bern ein Konsens herrscht.

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