Sehnsucht nach dem verschwundenen Treffpunkt Bahnhof

Das Tibits vergrössert, das Côté Sud verschwindet: Im «Stadtgespräch» bedauern Leser diesen Schritt. Es gehe ein Stück Kultur verloren.

Für viele unserer Leser ist das Tibits eine lokale Institution.

Für viele unserer Leser ist das Tibits eine lokale Institution. Bild: Franziska Rothenbuehler

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Das Côté Sud im ersten Stock des Berner Hauptbahnhofs wirkt äusserlich in seiner Schmucklosigkeit nicht wie ein Lokal, an das man sein Herz verlieren könnte. Die Reaktionen auf die Nachricht, dass das Restaurant bald einer Erweiterung des Restaurants Tibits weichen wird («Bund» vom Donnerstag) zeigen aber: Für viele Leute ist das Lokal eine Institution, gerade in einem Bahnhof, in dem die Take-away- und Shopping-Kultur an Bedeutung gewonnen hat.

Das schlägt sich auch in der «Stadtgespräch»-Debatte zum Thema nieder. «Es stimmt eigentlich alles. Der Preis, die sehr gute Bedienung, die Menüauswahl – auch der Gästemix: Arbeiter, Monteure, Geschäftsleute und Private fühlen sich hier sehr wohl», schreibt Leser Fred Rohrer über das Restaurant. Dabei schätze er auch das Tibits-Konzept, nur spreche dieses eben ein anderes Publikum an. «Somit würde mit der Schliessung des Côté Sud eine gewisse Kultur verloren gehen». Ähnlich sieht es Christine Rutschmann: «Wo gehen dann die Rentner hin, die Sozialhilfebezüger, die Menschen, die sich dort regelmässig oder täglich treffen, zu einigermassen fairen Preisen etwas trinken, verweilen, miteinander reden können, unter die Leute kommen – sie haben keinen Platz mehr.»

Immer weniger Orte zum Verweilen: Dies ist eine Entwicklung, die den Berner Bahnhof schon länger prägt. Drastisch nimmt es Leser Heinz Müller wahr: Für ihn sei der Bahnhof kein Teil Berns, sondern eine «identitätslose Zone», «alles auf dieser Fläche schreit mir zu, ich solle gefälligst entweder etwas kaufen oder wenn schon dann zumindest so schnell wie möglich weitergehen». Und Leserin Erika Affolter erinnert sich an vergangene Zeiten: «Eindeutig fehlen die gediegenen Restaurants in den Bahnhöfen, nicht nur in Bern. In den beiden 1.-Klasse-Sälen und im Grill wurde man stets zuvorkommend bedient, hatte eine tolle Auswahl an Menüs und konnte sogar extra Dessertwünsche äussern», schreibt sie.

Wir wollen von Ihnen wissen: Vermissen Sie den «alten» Bahnhof als Begegnungsort? Fehlen Ihnen die Restaurants, oder sind Sie froh, dass Sie nun auch am Sonntag einkaufen können? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch»

Nicht alle Debattierenden bedauern, dass das Côté Sud verschwinden wird. Einige weisen darauf hin, dass das Restaurant zur Gruppe Autogrill gehöre und die Atmosphäre «nichts Besonderes» sei.

Und schliesslich gibt es auch Leser, die das Ende des Côté Sud nicht bedauern, sondern die Zukunft mit einem vergrösserten Tibits begrüssen, so wie Leser Luca Dietiker etwa: «Dass Tibits ausbaut und dafür das Côté Sud verschwindet, lässt mich strahlen. Das Tibits ist immer voll, das Personal total easy und freundlich. Wenn es bald mehr Platz hat, kann ich dort auch mal arbeiten. Das ist der Puls der Zeit – ich finde die Entwicklung super.»

Und was meinen Sie? Diskutieren Sie hier mit. (Der Bund)

Erstellt: 19.02.2018, 20:44 Uhr

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