Schülerstreik begeistert die Leserschaft

Bei «Bund»-Leserinnen und Leser kommt der Schülerprotest zum Klimawandel gut an. Es gibt jedoch auch negative Stimmen.

Vergangene Woche haben sich in Bern rund 1000 Schülerinnen und Schüler für die Zukunft der Welt eingesetzt.

Vergangene Woche haben sich in Bern rund 1000 Schülerinnen und Schüler für die Zukunft der Welt eingesetzt.

(Bild: Keystone)

Berns Jugend mobilisiert. Vergangene Woche haben sich rund 1000 Schülerinnen und Schüler auf dem Bundesplatz zum Kilmastreik getroffen. Sie stellten konkrete Forderungen an die Politik, die aus Schülersicht zu wenig unternimmt, um den Klimawandel zu stoppen. Für den Protest wurde die Schule geschwänzt.

Es ist eine Aktion, die bei der «Bund»-Leserschaft gut ankommt. Im «Stadtgespräch» häufen sich Beglückwünschungen von Kommentarschreibenden. «Endlich übernehmen Jugendliche das Zepter! Politiker werden nun hoffentlich dazu animiert, nicht mehr nur an die nächsten Wahlen, sondern an die Zukunft unserer Kinder und Enkel zu denken», schreibt beispielsweise Roland Käser. Ähnlich sieht das Herber Jutzi. In stört es überhaupt nicht, dass die Schüler für den Protest dem Unterricht fern blieben. Im Gegenteil: «Vielleicht werden dadurch brennende aktuelle Themen künftig in der Schule bearbeitet.»

Auch Skepsis

Bei allem Lob für die engagierte Jugend gibt es auch kritische Stimmen. «Es soll niemand glauben, dass diese Demonstranten sich kein Auto kaufen oder in der Welt herumfliegen, wenn sie die Gelegenheit dazu haben werden», schreibt Lorand Kiskery. Grohen Loh schreibt gar von einem «sehr billigen Engagement». Er werde dieses erst ernst nehmen, wenn er in der Öffentlichkeit Jugendliche sehe, die nicht Markenkleider und immer neue Schuhe tragen. «Solche Jugendliche sehe ich kaum.»

Auch bei den Forderungen der Schülerinnen und Schüler gehen die Meinungen auseinander. So wird beispielsweise verlangt, dass bis 2030 netto kein CO2 mehr ausgestossen wird. Für Willi Zimmermann ist das ein unrealistischer Gedanke, welcher der «unbeschwerten Jugendlichkeit» zuzuschreiben sei. Er schlägt vor: «Als junger Mensch, der ich nicht mehr bin, würde ich mir beispielsweise Gedanken über die graue Energie bei der Nutzung der Social Media machen.»

«Äpfel statt Avocado?»

Rolf Helbling fragt sich, ob die Protestierenden ihre Forderungen gut durchdacht haben. «Kein CO2 ab 2030 würde zum Beispiel die totale Einstellung des privaten Flug- und Diesel-Schiffsverkehrs innert elf Jahren bedeuten», gibt er zu bedenken. Er fragt sich, ob die Jugend das wirklich wolle. «Nie mehr nach Amerika reisen? Das iPhone und die meisten anderen Importwaren doppelt so teuer? Äpfel statt Avocado? Birnen statt Ananas?»

Für Salome Heiniger wäre das wahrscheinlich kein Problem. «Ich bin seit sechs Jahren nicht mehr geflogen, esse vegetarisch und regional, kaufe keine neuen Geräte, trage fast nur Brockikleider und benütze den öffentlichen Verkehr oder das Velo.» Das reiche zwar noch lange nicht, sei aber ein Anfang.

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mer

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