Leserinnen wünschen sich mehr Rücksicht auf Berns Strassen

Im «Stadtgespräch» beschreiben Leser, wie sie die Verkehrssituation am Helvetiaplatz fürchten.

Der Helvetiaplatz bekommt schlechte Noten: Kommentatoren kritisieren die schlechte Signalsituation, beschreiben den Ort als «Velo-Wildwest» oder schildern die Situation als «brandgefährlich».<p class='credit'>(Bild: Adrian Moser)</p>

Der Helvetiaplatz bekommt schlechte Noten: Kommentatoren kritisieren die schlechte Signalsituation, beschreiben den Ort als «Velo-Wildwest» oder schildern die Situation als «brandgefährlich».

(Bild: Adrian Moser)

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

Die Stadt Bern konzentriere sich zu stark auf das Velo und zu wenig auf Fussgänger, beklagte die Fussgängerlobby. Passanten erlebten eine «stiefmütterliche Behandlung» in der Stadt Bern, beschwerte sich Bernhard Eicher, FDP-Stadtrat und Präsident des Vereins Vortritt Fussgänger im «Bund»-Artikel Ende Dezember – besonders im Gegensatz zu den Velofahrerinnen und -fahrer, die durch die Velooffensive gefördert würden.

Im «Stadtgespräch» diskutierten Leserinnen und Leser rege, wie sie das Miteinander von Fussgängern und Velofahrern erleben und was ihnen als Fussgänger in der Stadt Bern fehle. Viele bemängelten im Forum die Manieren der Velofahrer. So schrieb etwa der Leser Pit Forster, dass das Miteinander von Velofahrern und Fussgängern eine «absolute Katastrophe sei» und man sogar in Lauben oder Passagen mit Velofahrern rechnen müsse. Der Abonnent Martin Senft beschwert sich, dass Velofahrer immer wieder über die Fussgängerstreifen sowie auf Trottoirs führen, wo Velos nichts zu suchen hätten. Michael Schärer betont in seinem Beitrag, es brauche nicht bauliche Massnahmen, sondern vor allem gegenseitige Rücksichtnahme.

Keine Gegensätze

Der Präsident von Pro Velo Bern und SP-Stadtrat Michael Sutter schreibt in seinem «Stadtgespräch»-Beitrag, dass durch eine verbesserte Velo-Infrastruktur gerade auch die Sicherheit der Fussgängerinnen und Fussgänger verbessert werde. Deshalb dürfe man die Förderung des Veloverkehrs nicht gegen den Fussverkehr ausspielen.

Besonders viele Kommentatoren kritisieren im «Stadtgespräch» die Verkehrssituation am Helvetiaplatz. Der im Kirchenfeld wohnhafte Simon Bieri beschwert sich in seinem Beitag über die dortige schlechte Signalsituation, Theodora Bill beschreibt den Ort als «Velo-Wildwest», und Line Bussard schildert die Situation als «brandgefährlich». Auch die Leserin Annemarie Stauffer schreibt in ihrem Kommentar, dass sie jeweils ein ungutes Gefühl am Helvetiaplatz beschleiche, insbesondere wegen E-Bikes auf dem Trottoir an der Thunstrasse.

Offensichtlich hat die Stadt Bern das Problem erkannt, denn sie will den Helvetiaplatz künftig fussgängerfreundlicher gestalten: Der Helvetiaplatz figuriert im neuen Richtplans Fussverkehr der Stadt Bern.

Fussgängerzone im Zentrum

Verschiedene Leserinnen und Leser äusserten auch den Wunsch nach einer verkehrsfreien Zone. Die Kommentarschreiberin Eva Wüthrich schlägt dafür die untere Altstadt zwischen Zytglogge und Nydegg-Brücke vor. Claude Mignot wünscht sich eine «total verkehrsfreie Innenstadt» zwischen Zytglogge und Bahnhofplatz. Er schreibt in seinem Kommentar, das müsse «zumutbar sein», die Erfahrung ausländischer Städte zeigten, dass dies möglich sei. Der Leser Markus Balsiger möchte sogar die ganze Innenstadt als Fussgängerzone ausgewiesen sehen, und dies mit aller Konsequenz: Dort wären auch öffentlicher Verkehr und Velos ausgeschlossen.

Wie fühlen Sie sich als Fussgänger in Bern? Sind Sie überhaupt zu Fuss unterwegs? Teilen Sie die Meinung der Kritiker, dass die Stadt Fussgänger «insgesamt vernachlässigt»? Wir wollen von Ihnen wissen: Wie erleben Sie das Miteinander von Fussgängern und Velofahrern?

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt