Zweifel an Personal der IT-Firma

Emineo soll für die Berner Sozialhilfe eine neue Software entwickeln. In der Firma kam es Anfang Jahr zu mehreren Abgängen.

Der Berner Gemeinderat will eine neue Software für die Fallführung in der Sozialhilfe.

Der Berner Gemeinderat will eine neue Software für die Fallführung in der Sozialhilfe. Bild: Valérie Chételat (Archiv)

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Erst waren es die hohen Kosten, dann das Verschweigen günstigerer Alternativen. Nun gibt die Wahl des Unternehmens Anlass zur Kritik. Die Rede ist von der Fallführungs-Software für die Sozialhilfe, die Berns Gemeinderat bei der Firma Emineo für 19 Millionen Franken entwickeln lassen will (der «Bund» berichtete).

Gemäss einem Bericht der IT-Newsplattform «Inside-Channel» soll es bei Emineo kürzlich zu zahlreichen Abgängen gekommen sein. Der Beitrag wurde knapp zwei Wochen nach der Debatte im Stadtrat veröffentlicht.

Das lässt Stadtrat Alexander Feuz (SVP) aufhorchen. «Die Sache wirft immer mehr Fragen auf», sagt er auf Anfrage. «Verfügt das Unternehmen noch über genügend Kapazitäten? Hat sich der Gemeinderat abgesichert für den Fall, dass etwas schiefläuft?»

Gegen Fehler abgesichert

Alreado Chiabotti, CEO von Emineo, bestätigt, dass es Anfang 2018 zu mehreren Abgängen gekommen sei. Das Unternehmen habe neue Bereiche aufgebaut. Mit der neuen Orientierung hätten sich einige Mitarbeitende nicht identifizieren können. «Die Abgänge tangieren die Geschäftsbereiche nicht, in denen die Software aufgebaut wird.» Das Team, das bereits ein inhaltlich ähnliches Unterfangen umgesetzt habe, sei geschlossen vorhanden.

Bern hat die Entwicklung des Fallführungs-Systems mit Zürich und dem Kanton Basel-Stadt in Auftrag gegeben und hierfür den Verein Citysoftnet gegründet. Der Verein hegt offenbar keine Zweifel am Unternehmen: «Wir sind nach wie vor absolut davon überzeugt, dass Emineo qualitativ und quantitativ dazu in der Lage ist», sagt Thomas Alder, Geschäftsleiter von Citysoftnet, und zwar «aufgrund eigener Beobachtungen und der Referenzen».

Abgesichert habe man sich mit einem Vertragswerk, ausgearbeitet von spezialisierten Anwälten. «Wir haben absolute Gewähr, dass wir nichts bezahlen, das wir nicht wollen», sagt Alder. Es werde nur der geleistete Arbeitsfortschritt bis maximal zum Kostendach bezahlt. Zudem würden 20 Prozent der Kosten als Garantie zurückbehalten. «Wenn etwas schiefgeht, gehen die Quellcodes und Rechte an uns, damit wir den Auftrag weitergeben könnten.»

SVP erwägt Beschwerde

«Wegen ein paar Abgängen geht ein solches Projekt nicht unter», sagt Matthias Stürmer, EVP-Stadtrat und IT-Experte. Problematisch sei, wenn das Wissen schlecht dokumentiert werde. «Ich wüsste nicht, dass das der Fall wäre.»

Stürmer gehört zu den Kritikern der geplanten Beschaffung. «Es bleibt ein riesiges Projekt mit Luxuselementen.» Und Stadtrat Feuz moniert, der Gemeinderat sage im Abstimmungstext zum Kredit «einmal mehr» nur die halbe Wahrheit. Bereits im Juni habe er deshalb einen Vorstoss eingereicht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2018, 18:52 Uhr

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