Zwei Treffer mit einem Schuss

Die Schiessanlage Riedbach zügelt über die Gleise und befindet sich künftig im Kellergeschoss der BLS-Werkstätte Chliforst.

Schiessanlage Riedbach: Künftig alles unterirdisch?

Schiessanlage Riedbach: Künftig alles unterirdisch?

(Bild: Adrian Moser)

Markus Dütschler

Wir im Westen bekommen immer, was die Stadt Bern nicht haben will: Diese Klage ist in Bümpliz, Bethlehem, Nieder- und Oberbottigen oft erhoben worden. Erst recht, seit die BLS bekannt gegeben hat, dass für sie der Standort Chliforst im Westen der beste wäre für die neue Bahnwerkstätte. Es bräuchte ein grosses «Zückerli», um der Anwohnerschaft das BLS-Projekt schmackhaft zu machen.

Ein solches wäre die Verlegung der Schiessanlage Riedbach – die auch etliche Lärmemissionen verursacht. Es war die Begleitgruppe unter dem Vorsitz von Alt-Grossratspräsident Bernhard Antener (SP), welche die Idee in ihrem Bericht formulierte: «Allfällige Aufwertung des Raums Chliforst-Süd durch Verlegung der dortigen Schiessanlage Riedbach in den Untergrund der Anlage.» Mit Anlage ist das BLS-Depot gemeint.

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Die beiden Bauten haben im Grunde nichts miteinander zu tun. Die Schiessanlage befindet sich südlich der Bahnlinie, das BLS-Projekt käme nördlich davon zu liegen. «Wir formulierten im Bericht einen klaren Prüfauftrag», erklärt Antener auf Anfrage. Falls es machbar wäre, würde südlich der Bahnlinie eine grosse Fläche frei. Kugelfang und Scheibenstand würden entfernt und saniert.

Allenfalls könnte auch auf das Schützenhaus verzichtet und die ganze Fläche künftig landwirtschaftlich besser genutzt werden. Im Bereich Kugelfang/Scheibenstand wäre auch eine Aufforstung denkbar. Mit anderen Worten: Was nördlich der Bahnlinie an Eingriffen in die Landschaft erfolgte, könnte südlich davon mindestens zum Teil ausgeglichen werden. «Aus unserer Sicht ist es eine machbare Idee», sagt Antener, «das müssen die Betroffenen dann untereinander ausjassen.»

Zwei grosse Anlagen in einer

Die Schiessanlage ist nicht irgendein Pistolenschiessstand, sondern hat mit seiner 300-Meter-Schiessanlage eine Länge von etwa 350 Metern. Die Breite beträgt etwa 150 Meter. Die Anlage mit 60 Scheiben wurde 2002 offiziell eröffnet und war der Ersatz für den Schiessplatz Oberfeld in Ostermundigen, der einer Wohnüberbauung Platz machen musste und saniert wurde. Laut Ulrich Nyffenegger von der Standgemeinschaft Schiessanlage Gemeinde Bern, in der die verschiedenen Schiessvereine zusammengefasst sind, ist die Auslastung im Riedbach gut. Manchmal seien alle 60 Scheiben besetzt. Die Gemeinden sind verpflichtet, Schiessmöglichkeiten für die Wehrleute anzubieten, die das Obligatorische schiessen müssen.

«Eventualiter-Geschichten»

«Grundsätzlich wäre die Verlegung eine Riesenchance», sagt der Stadtberner Gemeinderat Reto Nause (CVP), dessen Sicherheitsdirektion für die Schiessanlage zuständig ist, «man könnte Kulturland zurückgewinnen und Lärmemissionen vermeiden.» Das Aber folgt auf dem Fusse: «Wir haben eine funktionierende Schiessanlage und keinen Anlass, diese zu verschieben.» Nause wird noch deutlicher. «Wenn Berns Westen die Kröte des BLS-Depots schlucken soll, muss man dem Quartier auch etwas zurückgeben.» Nicht die Stadt Bern müsste darum Umzug und Neubau bezahlen, sondern die BLS.

Die offizielle Stimme des Quartiers ist die QBB, die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem. Ihr Präsident Bernardo Albisetti sagt, das seien «Eventualiter-Geschichten», also Luftschlösser – mindestens vorläufig. Zuerst müsse juristisch sauber geklärt werden, ob der Standort Chliforst überhaupt bewilligungsfähig sei, da rede wahrscheinlich nicht nur der Kanton mit, sondern auch der Bund.

Es wäre für Albisetti fragwürdig, wenn eine beschwerdeberechtigte Organisation oder ein Betroffener zuerst nach Lausanne gehen müsste, bis das Ansinnen vor Bundesgericht gestoppt würde. «Wenn sich die BLS-Werkstätte im Chliforst wider Erwarten als realisierbar erweisen würde, wäre eine Verlegung der Schiessanlage natürlich eine sinnvolle Sache.» Ohnehin findet Albisetti, der Standort Thun sei mit anfechtbaren Argumenten vorschnell ausgeschieden worden. Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen.

An der Medienorientierung zum Standort Chliforst hatte BLS-Verwaltungsratspräsident Rudolf Stämpfli zur Verlegung gesagt: «Wir wissen noch nicht einmal, ob das technisch machbar wäre. Es wäre kostentreibend, aber wir verstehen die Empfehlung der Begleitgruppe.»

Der Bund

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