«Zum Glück haben wir die Burger»

Die Leser schätzen den Einfluss der Burgergemeinde auf die Stadt Bern positiv ein – vereinzelt melden sich aber auch kritische Stimmen zu Wort.

Zukünftiges Wohnareal auf dem Boden der Burgergemeinde am Melchenbühlweg im Berner Murifeld.

Zukünftiges Wohnareal auf dem Boden der Burgergemeinde am Melchenbühlweg im Berner Murifeld. Bild: Walter Pfäffli

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In einem Städtemonitoring kritisierte die liberale Denkfabrik Avenir Suisse den grossen Immobilien- und Landbesitz der Burgergemeinde in der Stadt Bern. Die Burger würden «Klientelpolitik» betreiben, die das Wachstum der Stadt bremse.

Sind die Berner Burger tatsächlich Bremser? Oder sind sie eigentlich die Bewahrer der Stadt vor unüberlegten Bauprojekten? Das fragte der «Bund» auf der Diskussionsplattform «Stadtgespräch». Eine Auswertung zeigt: Die meisten Leserinnen und Leser stehen der Burgergemeinde positiv gegenüber. 14 von ihnen finden, die Burgergemeinde Bern habe einen positiven Effekt auf die Stadt Bern, lediglich drei sind anderer Meinung. So findet Jürg Wohlfahrt, dass zum Bewahren der Lebensqualität etwas «Bremstätigkeit oder Entschleunigung» dazugehöre. Er stellt sich die Frage, warum es nötig sei, dass Bern bis 2030 seine Einwohnerzahl auf 170'000 Einwohner erhöhe: Dieses Ziel hat sich der Gemeinderat in der Siedlungs- und Freiraumentwicklung gesetzt.

Leser Jonas Schneeberger steht den Burgern kritisch gegenüber. Er schreibt, die Bernburger seien «eine Bruderschaft von wohlhabenden Oberschichtlern», die sich gegenseitig allerlei zuschanzten. So wisse er von einem Mitglied der Burgergemeinde, das eine Wohnung zu einem sehr günstigen Preis in der Altstadt erhalten habe. Die Kulturförderung der Burger sei «Selbstbeweihräucherung». Er findet drastische Worte: Man solle die Burgergemeinde «auflösen» und stattdessen die Kulturförderung weiterführen und die Wohnungen kostengünstig vermieten. Wie er sich das konkret vorstellt, führt er nicht weiter aus.

Rolf Zürcher entgegnet, dass die Burgergemeinde Bern wichtig für die Lebensqualität sei. Er bringt noch einen weiteren Aspekt ins Feld, der aus seiner Sicht für die Burger spricht: «Ohne die Burgergemeinde würde ein grosser Teil der Wohnimmobilien in den Händen von ausbeuterischen Spekulanten sein.» Derselben Meinung ist auch ein weiterer Leser, der findet, dass sich die Stadt nur um ihre Wähler kümmere und – anders als die Burgergemeinde – «kurzfristig» denke.

Martin Messerli ist damit nicht einverstanden: «Der Einfluss der Burgergemeinde auf den Immobilienmarkt ist enorm.» Es sei zynisch von den Burgern, zu behaupten, dass die Preise für die Immobilien marktüblich seien. «Die Burger bestimmen den Markt und damit auch die Marktüblichkeit.»

Ein weiterer negativer Beitrag stammt von einem Leser, der laut eigenen Angaben selber auf dem Land der Bernburger wohnt. Er kenne im Quartier niemanden, der die Rechnungen der Bernburger nicht als überhöht ansehe. «In unserem Quartier ist der Ruf der Burger miserabel.»

Auch ein bekennendes Mitglied der Burgergemeinde hat sich an der Diskussion beteiligt. Er schreibt, dass sich sämtliche «Politiker und Beeinflusser dieser Welt» nach den «weisen und durchdachten» Überlegungen und Handlungen der Burgergemeinde und deren Zünfte orientieren sollten. Hans Flück, laut eigenen Angaben kein Bernburger, ist ähnlicher Auffassung. Er schreibt «Zum Glück haben wir die Burgergemeinde».

Die liberale Denkfabrik Avenir Suisse kritisiert die Burgergemeinde Bern: Diese betreibe auf dem Wohnungsmarkt «Klientelpolitik» und bremse die Entwicklung in der Stadt Bern. Die Burgergemeinde widerspricht: Den grössten Teil ihres Bodens gebe sie zu marktüblichen Preisen im Baurecht ab. Wie beurteilen Sie die Rolle der Burgergemeinde? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch». (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.11.2018, 11:42 Uhr

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