Zürcherin bringt Licht nach Bern

Damit Brigitte Roux mit Licht die Fassade des Bundeshauses erleuchten durfte, war ein langer Behördenparcours nötig.

Der Bundesplatz ist der temporäre Arbeitsplatz von Brigitte Roux.

Der Bundesplatz ist der temporäre Arbeitsplatz von Brigitte Roux. Bild: Samuel Schalch

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Das Weisse Haus in Amerika anstrahlen und Tausende von Bildern darauf projizieren? Oder über die Fassade des Elysée-Palastes in Frankreich ein Licht- und Tonspektakel tanzen lassen? In vielen Ländern wäre es völlig undenkbar, mit dem Regierungssitz eines Landes so etwas zu veranstalten. Doch genau das macht die Zürcherin Brigitte Roux, Spitzname Lichterlady, mit dem Bundeshaus.

Das Lichtspiel im Video

Am Freitag ist es wieder so weit: Die Zürcher Produzentin zeichnet mit ihrer Agentur Starlight Events vom 13. Oktober bis zum 25. November zum siebten Mal in Folge für das Spektakel «Rendez-vous Bundesplatz» verantwortlich, das jährlich über eine halbe Million Besucher anzieht und sich zu einem Höhepunkt des Stadtberner Veranstaltungskalenders entwickelt hat.

Gewaltiger Aufwand

Dafür richtet sie mit grosser Kelle an – denn der technische Aufwand, den sie auf dem Bundesplatz für die Illuminierung betreibt, ist schlicht gewaltig: Zehn modernste Hochleistungsprojektoren strahlen aus drei extra aufgestellten Türmen über 23 Millionen Pixel auf die Bundeshausfassade. Die Lichtstärke beträgt 280'000 Ansi-Lumen, das entspricht etwa 200'000 gleichzeitig brennenden Kerzen. Pro Vorstellung werden 72'500 Einzelbilder auf die Fassade des Regierungssitzes gebeamt – präzis abgestimmt auf jeden Fenstersims, jede Säule und jede Verzierung des Bundeshauses.

So sieht das Lichtspektakel 2017 aus.

Für «Rendez-vous Bundesplatz» steht Brigitte Roux ein Budget von einer Million Franken zur Verfügung, das vollständig durch Sponsoren abgedeckt wird. Die für alle Besucher kostenlose Licht- und Sound-Show ist für Bern längst zu einem gewichtigen Wirtschaftsfaktor geworden, sie bringt jährlich einen Mehrumsatz von 5 bis 6 Millionen Franken.

Zürich und Basel waren Favoriten

Dass ihre Idee dereinst zu einer Institution werden würde, hat Brigitte Roux nie zu träumen gewagt. Bevor sie 2011 ihre Show zum ersten Mal realisierte, betrieb sie selbstständig über 30 Jahre lang eine kleinere PR- und Kommunikationsagentur. Ein Jobwechsel war überhaupt nicht geplant – bis es bei ihr anlässlich eines Ferienaufenthalts auf Madeira klick machte. Dort nämlich sah sie eine Weihnachtsillumination in der Hafenstadt Funchal. «Ich war sofort begeistert», sagt sie, «es war, als würde die ganze Stadt glühen.» Ab diesem Moment wusste Roux: «Ich will mich der Lichtkunst widmen.» Zurück in der Schweiz, vertiefte sie sich in das Thema und sprach mit Fachleuten, wenig später gründete sie die Firma Starlight Events.

Der Weg von der Idee zur endgültigen Show «Rendez-vous Bundesplatz» dauerte allerdings noch lange – und er war steinig. Ihre ersten Vorschläge stiessen sowohl in Zürich als auch in Basel bei den Stadtoberen auf kein Interesse. «Ich habe damals viele schlaflose Nächte erlebt», sagt sie, wenn sie an die Anfänge zurückdenkt.

Oft waren die Vorstellungstermine bei den zuständigen Ämtern ein Spiessrutenlaufen, doch die heute 60-jährige Selfmadefrau gab nie auf: Sie tingelte unermüdlich von Behörde zu Behörde und weibelte wieder und wieder für Bewilligungen. «Ich wusste, dass der Start nicht einfach sein würde und ich mich würde durchbeissen müssen. Aber der heutige Erfolg zeigt, dass sich dieser Aufwand gelohnt hat.»

Die Verhandlungen allein mit Bern dauerten über zwei Jahre. «Kurz vor der Zielgeraden scheiterte das Projekt fast noch daran, dass die Fassade des Bundeshauses nur für parlamentarische Zwecke verwendet werden darf», erklärt Roux. Schliesslich aber bekam sie – Auflagen und Kompromisse inklusive – 2011 doch eine Sonderbewilligung für ein Jahr. Für Alexander Tschäppät (SP), ehemaliger Berner Stadtpräsident, ist Roux ein Phänomen. «Als Nicht-Bernerin verfügt sie über eine Charaktereigenschaft, die immer uns Bernern nachgesagt wird: Si het ä herte Gring», sagt er.

Herrin des Bundesplatzes

Die Zürcherin hat es geschafft. Nun ist sie quasi in Eigenregie für sechs Wochen pro Jahr Herrin des Bundesplatzes. «Während dieser Zeit habe ich den Schlüssel für die öffentliche Beleuchtung auf dem Bundesplatz. Meine Techniker in Bern löschen das Licht, wenn die Fassade am Bundeshaus dunkel wird. Und dann beginnt das Spektakel.»

Obwohl Brigitte Roux mehrmals betont, wie wichtig ihr künstlerische Freiheit sei, kann sie sich mit ihren Projekten natürlich nicht alles erlauben. Der Würde des Parlamentsgebäudes muss sie zum Beispiel Rechnung tragen.

Im Vorfeld der Show segnen jeweils Delegierte des Parlaments das Drehbuch ab. In den ersten Jahren war die Zusammenarbeit mit den Behörden eher zäh, wie Reto Nause (CVP) von der Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie der Stadt Bern sagt. «Inzwischen hat sich aber eine fruchtbare Zusammenarbeit entwickelt, und ich hoffe auf eine lange Zukunft von ‹Rendez-vous Bundesplatz›», sagt er.

Und vielleicht bestehe nach der Vollendung der Renovationsarbeiten bei der Nationalbank, die mehrere Jahre dauern, für das Lichterspektakel gar noch Ausweitungspotenzial. Brigitte Roux sagt dazu, das sei ganz in ihrem Sinn. (Der Bund)

Erstellt: 13.10.2017, 06:57 Uhr

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Rendez-vous Bundesplatz. «Reset». 13. Oktober bis 25. November. 19 und 20.30 Uhr. Do, Fr und Sa zusätzlich um 21.30 Uhr.

www.rendezvousbundesplatz.ch

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