Zu wenig Wohnungen oder zu hohe Ansprüche?

Wohnen ist ein emotionales Thema. Das zeigte das engagierte und zeitweise hitzige «Bund»-Podium zur Wohnungsknappheit in der Stadt Bern.

Häuser besetzen? Adrian Haas (FDP), Michael Aebersold (SP), Redaktor Bernhard Ott und Natalie Imboden (Grüne). Wegen einer technischen Panne ist der Ton leider von tiefer Qualität.
Video: Martin Erdmann

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Es muss in der Stadt Bern mehr gebaut werden. Darüber waren sich alle Podiumsteilnehmer am gestrigen «‹Bund› im Gespräch» im Berner Kornhausforum einig. Ansonsten dominierte in der angeregten Gesprächsrunde über Wohnungsknappheit der Dissens. Schon bei der Problemanalyse zeigten sich erhebliche Differenzen zwischen Natalie Imboden (Grüne), Grossrätin und Präsidentin des Mieterverbands, und Adrian Haas (FDP), Chef der Grossratsfraktion und Präsident des Hauseigentümerverbands Bern und Umgebung.

Für Imboden ist die Wohnungsnot in der Stadt Bern akut. «Wer heute eine Wohnung sucht, der weiss, wie schwierig das ist», sagte sie. Vor allem Leute mit kleinem Einkommen oder Familien, die eine grössere Wohnung benötigten, hätten auf dem Wohnungsmarkt einen schweren Stand.

«Alle wollen gerne möglichst günstig und möglichst nahe an der Stadt Bern wohnen», entgegnete Haas. Das sei aber nicht möglich. Er plädierte dafür, den Blick auf die Agglomeration auszuweiten. Wenn man nach freien Wohnungen in einem Umkreis von 10 Kilometern suche, finde man zahlreiche günstige Angebote, sagte er.

Aebersold: Stadt hinkt hinterher

Der Stadtberner Finanzdirektor Michael Aebersold (SP), der dritte in der Runde, drohte bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Gemeinderat zeitweise etwas unterzugehen. Als er doch einmal das Wort ergreifen konnte, plädierte er wie Imboden dafür, dass es auch für Leute mit geringem Einkommen möglich sein sollte, in der Stadt eine Wohnung zu finden. «Wir müssen auch Wohnraum schaffen, den sich Leute mit Ergänzungsleistungen leisten können», sagte er – musste aber eingestehen, dass die Stadt bei der Realisierung gerade von vergünstigtem Wohnraum dem vereinbarten Ziel von 1000 Wohnungen hinterherhinkt. Dem Thema haftet eine Problematik an: Mit dem reinen Appell nach verstärkter Bautätigkeit entstehen noch keine neue Wohnungen. Aebersold warnte darum, dass es trotz der eingeläuteten Wohnoffensive noch mehrere Jahre dauern werde, bis der Druck auf die Mieten sinke.

Büroräume umnutzen?

Eine schneller realisierbare Lösung wäre, Leerstand so weit als möglich zu verhindern. Im Stadtrat wurde deswegen eine Motion eingereicht, die eine Meldepflicht für Hauseigentümer bei Leerstand fordert – für Imboden ein guter Ansatz. «In Zeiten von Wohnungsnot ist es stossend, wenn Wohnraum lange leer steht», sagte sie. Haas hingegen wollte davon nichts wissen. Er verwies auf die schwierige Umsetzbarkeit, sah aber auch hier die Problematik nicht gegeben. «Hauseigentümer sind nicht so blöd und lassen ihre Wohnungen grundlos leer.»

Auf Lösungssuche ging bei der abschliessenden Fragerunde auch das Publikum. Ein junger Mann, der sich als Zürcher vorstellte, warf die Möglichkeit der Umwandlung von Büros in Wohnraum ein. Doch auch das sei «nicht so einfach», wie es Adrian Haas ausdrückte. Zwar gebe es auch in Bern einen Überschuss an Büroräumen, diese seien aber grossmehrheitlich nicht zum Wohnen geeignet. «Es fehlen etwa Nasszellen», sagte er. Und so blieb am Ende des Podiumsgesprächs einzig die Gewissheit: Das Thema Wohnungsknappheit wird die Stadt Bern noch für längere Zeit beschäftigen. (Der Bund)

Erstellt: 14.03.2017, 06:46 Uhr

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