Zu wenig Geld für Dopingkontrollen

Im Elitesport ist Doping immer wieder ein heikles Thema. Doch wie sieht es beim Grand Prix von Bern aus, an dem mehrheitlich Hobbysportlerinnen und Hobbysportler teilnehmen?

Vor allem Elitesportlerinnen und -sportler müssen am GP mit Dopingkontrollen rechnen.

Vor allem Elitesportlerinnen und -sportler müssen am GP mit Dopingkontrollen rechnen. Bild: Manuel Zingg

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Diesen Samstag rennen wieder über 30 000 Läuferinnen und Läufer durch Berns Strassen. Es ist bereits der 37. Grand Prix von Bern. Wo Läufe stattfinden, fällt über kurz oder lang auch der Begriff Doping. Im Reglement des GP von Bern wird festgehalten, dass alle Teilnehmenden sich durch die Anmeldung den Anti-Doping-Regeln von Swiss Olympic unterstellen. Kontrollen können, müssen aber nicht durchgeführt werden. «Siegerinnen und Sieger am GP werden immer geprüft, über weitere Kontrollen wird per Los entschieden», sagt GP-Medienchef Jürg Thalmann. Die Kontrollen hätten aber stets negative Ergebnisse gezeigt, Doping sei also am GP noch nie ein Thema gewesen.

Regelmässig werden Elitesportlerinnen und -sportler kontrolliert. Das seien beim Grand Prix von Bern jene, die vom Veranstalter eingeladen würden und sich auf einem bestimmten Leistungsniveau bewegten, sagt Vorstandsmitglied und GP-Geschäftsführerin Beatrice Fuchs. Kenenisa Bekele, Tadesse Abraham, Maja Neuenschwander und Martina Strähl gehören in diesem Jahr am GP zum Elitefeld. Sie müssen demnach mit einer Kontrolle rechnen.

Dopingkontrolle bleibt Elitesache

Alle Dopingkontrollen auf nationaler Ebene werden durch die nationale Anti-Doping-Organisation Antidoping Schweiz durchgeführt. «Im Fokus von Antidoping Schweiz stehen ganz klar die Spitzensportler», sagt der Direktor von Antidoping Schweiz, Ernst König. So müssten zahlreiche Elitesportler stets Angaben zu ihrem Aufenthaltsort machen, damit Antidoping Schweiz jederzeit Kontrollen durchführen könne.

Der Organisation fehlen für breit gefächerte Kontrollen aber offenbar die finanziellen Mittel, wie sich in einem Interview der NZZ mit Königs Vorgänger Matthias Kamber zeigte: «Würden wir nur schon die Profis im Fussball und im Eishockey regelmässig testen, wäre unser gesamtes Budget aufgebraucht», sagte Kamber. Im Breitensport werden in der Regel keine breiter angelegten Kontrollen durchgeführt. Die Veranstalter des GP könnten zwar Antidoping Schweiz damit beauftragen, müssten die Kosten aber selbst tragen, so GP-Geschäftsführerin Fuchs. «Wegen der hohen Kosten macht eine breite Kontrolle wenig Sinn.» Zudem habe sich bei einer Grosskontrolle 2013 gezeigt, dass keine grosse Dopinggefahr bestehe. Damals wurde vom Direktor des Lausanner Laboratoire suisse d’analyse du dopage (LAD), Martial Saugy, eine Dopingkontrolle am Berner GP initiiert. Mit 151 Proben gilt sie als eine der weltweit grössten Kontrollen. Ziel der Kontrolle war, so Saugy gegenüber der «SonntagsZeitung», die Verbreitung von Doping im Breitensport zu ermitteln. Von den kontrollierten Amateurläufern mussten lediglich zwei Kontrollresultate genauer überprüft werden. Bei beiden konnte glaubwürdig belegt werden, dass eine medizinische Notwendigkeit für die Behandlung vorlag und entsprechend eine medizinische Ausnahmebewilligung zu therapeutischen Zwecken gewährt worden war. Von 151 getesteten Personen hat folglich keine einzige unerlaubte Substanzen zu sich genommen.

Bei der Swiss Sportsclinic in Bern werden unter anderem Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Grand Prix betreut. Grundsätzlich gelte, so der medizinische Leiter Urs Hefti, dass man dope, wenn man verbotene Substanzen in sich trage. Dabei seien die Sportlerinnen und Sportler stets selbst dafür verantwortlich, sich dahingehend zu informieren. Bei Diabetikerinnen oder Asthmatikern bestehe die Möglichkeit, eine Ausnahmebewilligung zu therapeutischen Zwecken (ATZ) zu erhalten. Doch zuvor müsse man einen Spezialisten aufsuchen. Dieser ermittle anhand von Tests und Untersuchungen, ob wirklich ein Krankheitsbild vorliege – die Tests dienten gleichzeitig der Beweisführung. «Falls ein solcher Fall vorkommt, versuchen wir idealerweise Medikamente zu verschreiben, die nicht auf der Dopingliste stehen», sagt Hefti.

Unbewusstes Doping

Was passiert mit Hobbysportlerinnen und -sportlern, die unbewusst verbotene Substanzen eingenommen haben? Gemäss König von Antidoping Schweiz gelten für sie die gleichen strikten Regeln wie im Elitesport, denn es handle sich nun mal um einen Verstoss. «Wir arbeiten aber in der Präventionsarbeit mit höchster Priorität daran, unbeabsichtigte Verstösse zu vermeiden», sagt König. Zusätzlich stellt Antidoping Schweiz online und via Mobile App eine Medikamentenabfrage zur Verfügung, die das Überprüfen von Arzneimitteln für jedermann einfach macht. (Der Bund)

Erstellt: 17.05.2018, 06:53 Uhr

Dopingfälle Wie wird gedopt?

«Die meisten Dopingfälle kommen bei Hobbysportlerinnen und -sportlern vor, die Supplemente aus dem Ausland bestellen», so der medizinische Leiter der Swiss Sportsclinic in Bern, Urs Hefti. Das sei gefährlich, denn man wisse nie, welche Substanzen darin enthalten seien.
Achten muss man bei Wettkämpfen nicht nur auf die Einnahme verbotener Substanzen, zum Teil sind schon der Besitz einzelner Dopingmittel oder die Verweigerung der Kontrolle strafbar. Zuwiderhandlung wird mit einer Sperre bestraft. Oft wird diese Sperre von Geld- oder sogar Haftstrafen begleitet. Antidoping Schweiz führt auf ihrer Homepage eine Liste mit allen gesperrten Schweizer Athleten und Athletinnen. Darunter befinden sich Sperren von einem bis hin zu acht Jahren. (lks)

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