Zu viele Schwimmer auf der Aare

Trotz Kollisionsgefahr wird die Aare an der Schweizer Meisterschaft der Weidlingfahrer in Bern für Schwimmer nicht gesperrt.

Diese Potoniere fahren zwar keinen Weidling. Doch wie diese werden die Wasserfahrer mit ihren etwas schmaleren Booten am Wochenende die Aare überqueren.

Diese Potoniere fahren zwar keinen Weidling. Doch wie diese werden die Wasserfahrer mit ihren etwas schmaleren Booten am Wochenende die Aare überqueren. Bild: Adrian Moser

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Am Wochenende kann es zum Stau auf der Aare kommen. Und zwar nicht weil das Wetter wieder so heiss würde, wie in den vergangenen Wochen, sondern weil in der Aareschlaufe um die Berner Altstadt die Schweizer Meisterschaft im Weidlingfahren stattfindet. Rund 400 Weidlingfahrer und -fahrerinnen aus der ganzen Schweiz messen sich am 18. und 19. August in Bern. Alle eineinhalb Minuten werden zwei Boote die Aare überqueren.

Zehnmal mehr Schwimmer

Die Organisatoren fürchten, dass ihr Anlass gestört wird, weil das Aareschwimmen in diesem Sommer sehr beliebt ist. Martin Seiler, der Präsident des Aare-Clubs Matte fragt sich in seiner Medienmitteilung, ob es gar zu einem «Fiasko» komme. Denn seit letztem Jahr hat die Zahl der Schwimmer und Böötler auf der Aare um das Zehnfache zugenommen, wie er sagt. Daran dürfte der heisse Sommer schuld sein. Aber die Werbung von den Tourismusorganisationen und die Präsenz in den Medien lockt auch Schwimmer von weiter her an.

Trotz des Unfallrisikos wird die Aare zwischen Schwellenmätteli und Altenberg nicht gesperrt. Das hätten weder die Seepolizei noch das Schifffahrtsamt oder die Stadt Bern bewilligt, sagt Seiler. Seiler hofft auf schlechtes Wetter, damit die Aare am Wochenende nicht zu viele Schwimmer anlockt. Denn er fürchtet, dass der Wettbewerb sonst zu stark durch Schwimmer und Böötler gestört wird, die sich nicht an die Anweisungen halten. «Lieber haben wir ein Defizit in der Festwirtschaft», sagt er. Zudem habe der Club 6000 Franken ausgegeben, um die Schwimmer mit Schildern, Plakaten und Helfern zum Ausstieg bei der Untertorbrücke zu bewegen.

Sperre nicht durchsetzbar

Doch weshalb wird die Aareschlaufe um die Altstadt nicht gesperrt? Die Antwort weiss Marcel Kohler vom kantonalen Schifffahrtsamt. Die Organisatoren der Schweizer Meisterschaft hätten zwar das Gesuch für ihren Anlass gestellt, aber keines, um die Aare zu sperren. Hätten sie dies denn getan, wäre es fast nicht möglich gewesen, eine Sperre der Aare durchzusetzen. Denn das Schifffahrtsamt könnte die Aare zwar für Schiffe sperren, aber nicht für Schwimmer. «Die Schwimmer müssen sich nicht an die Schifffahrtssignale halten», erklärt er. Um auch diese von der Aareschlaufe fernzuhalten, sei ein richterliches Verbot nötig. Doch ein solches zu erhalten, sei aufwendig, und es wäre ebenfalls nur schwer durchsetzbar, sagt Kohler. Denn die Polizei kann die Aareschwimmer im Wasser kaum kontrollieren.

Die Stadt Bern verschickte in einer Medienmitteilung deshalb die Bitte an die Schwimmer, den Abschnitt während des Wettbewerbs zu meiden. Wer am Wochenende also auf den Aareschwumm nicht verzichten mag, sollte beim Marzili oder unterhalb des Altenbergstegs ins Wasser springen.

Kulturgut auf dem Wasser

Der Weidling ist ein zehn Meter langes, flaches Holzboot ähnlich einer venezianischen Gondel oder den Berner Fährbooten. Solche Boote gibt es seit schätzungsweise 5000 Jahren. In Lyss ereignete sich vor rund 300 Jahren ein Flüchtlingsdrama auf der alten Aare, als die mit Menschen überfüllten Weidlinge kippten.

Das Weidlingfahren gilt als lebendige Tradition und somit als Schweizer Kulturgut. Wettbewerbe finden laut Martin Seiler seit ewig statt. Die Schweizer Meisterschaft in der aktuellen Form fand aber erst 1978 zum ersten Mal statt. Seither wurde sie zweimal in Bern durchgeführt. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2018, 17:18 Uhr

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