Zu viel Farbe am Sandstein

Sprayer haben die Felsen in der Aareschlaufe bei Bremgarten für sich entdeckt. Der Gebrauch dieser «natürlichen Leinwand» sorgt für Unmut.

Gestörtes Paradies: Graffiti in der Aareschlaufe bei Bremgarten.

Gestörtes Paradies: Graffiti in der Aareschlaufe bei Bremgarten.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Christian Zellweger@@chzellweger

Gerade bei heissem Wetter kommt ein Aareschwumm vielen Bernern paradiesisch vor – das gilt offenbar auch für Sprayer. «ADIP – Another Day in Paradise» (wieder ein Tag im Paradies): In grossen Lettern prangt dieser Slogan zurzeit an einem Sandsteinfelsen in der Aareschlaufe direkt unterhalb der reformierten Kirche Bremgarten. Das Graffito lässt sich allerdings auch anders interpretieren: «Another Day in Paradise» ist ein Lied von Phil Collins, in dem er den Umgang der Gesellschaft mit Obdachlosigkeit anprangert.

Ganz abgesehen von der Botschaft: In Bremgarten hat man wenig Freude an der Sprayerei. Er fände es «schade», dass die Felswand versprayt worden sei, sagt Gemeindepräsident Andreas Kaufmann (GLP). Dabei achtet man in Bremgarten eigentlich darauf, möglichst wenig Sprayereien im Dorf zu haben. «Wir zeigen konsequent jedes Graffito an.» Man lasse die Sprayereien jeweils sofort entfernen. Wenn die Gemeinde Graffiti auf privatem Gelände feststellt, weist sie den Besitzer jeweils darauf hin, damit dieser sie entfernen lässt.

Königsdisziplin Zug

Wie ein «Bund»-Leser berichtet, seien zudem entlang «seiner» Schwimmstrecke an diesem Aareabschnitt noch weitere Graffiti und Schriftzüge zu sehen, so etwa in der Nähe des Zehendermätteli.

Die Aareschlaufe ist bei Schwimmerinnen und Schwimmern speziell beliebt – das macht den entsprechenden Felsen gerade in den Sommermonaten zu einem attraktiven «Spot» für Sprayer. Beim Sprayen gehe es schliesslich darum, dass der eigene Namen an vielen – und möglichst stark frequentierten – Orten zu sehen sei, wie die anonymen Betreiber des Instagram-Accounts «graffiti_bern» auf Anfrage schreiben. Das sei am Aarehang sicher gegeben. Königsdisziplin unter Sprayern sei aber der Zug als «fahrende Leinwand».

Sowohl die Freude der Sprayer über den «Fame» – also die Bekanntheit – als auch der Ärger über die Graffiti der Anwohner werden aber nicht mehr allzu lange anhalten. In den nächsten Tagen würden die Sprayereien entfernt, heisst es auf der Bauverwaltung in Bremgarten. Die Farbe liesse sich vermutlich relativ leicht abkratzen.

Wenig heikler Felsen

Etwa einen halben Tag würde Andreas Ramseier dafür veranschlagen, das Graffito am Aare-Felsen zu entfernen. Auch er sagt: «Am Fels kann man die oberste Schicht relativ leicht entfernen.» Eine «Restauration» der Sandsteinwand an der Aare sei sicher weniger kompliziert als etwa die Restauration einer bearbeiteten Fassade.

Ramseier ist Geschäftsführer der Berner Von Dach AG, welche unter anderem Sandsteinfassaden restauriert – oder eben auch reinigt. In der Sandsteinstadt Bern sind Sprayereien auf dem heiklen Naturstein immer wieder ein Thema, auch an komplizierteren Stellen als an einem Felsen. Farbe auf dem Sandstein verschliesse dessen Poren, erklärt Ramseier. Dahinter sammle sich Wasser, irgendwann blättere die oberste Schicht ab.

Aber auch er sagt: «Solche Sprayereien sind immer störend» – ob an der Aare oder in der Stadt. «Gerade auch dann, wenn man eine Mauer soeben mit grossem Aufwand saniert hat und sie drei Tage später schon wieder versprayt ist.» Seine Firma entferne in der Stadt Bern etwa 15 bis 20 Graffiti auf Sandstein pro Jahr. Allerdings gäbe es andere Firmen, die auf solche Entfernungen spezialisiert seien und sicher mehr solche Aufträge hätten. Methoden dazu sind etwa das Ablaugen des Steins mit Chemie, das Mikro-Sandstrahlen oder – an trockenen Orten – das Überstreichen der Graffiti mit einer speziellen Farbe.

Der Bund

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