Zoowärter wird nicht Bademeister

Die Berner Sportanlage Ka-We-De soll autonom vom Tierpark Dählhölzli weiterentwickelt werden.

Quartierbewohner freuen sich insbesondere auf die Sanierung des Restaurants in der Ka-We-De. Es soll ein Treffpunkt werden.

Quartierbewohner freuen sich insbesondere auf die Sanierung des Restaurants in der Ka-We-De. Es soll ein Treffpunkt werden.

(Bild: Valérie Chételat)

Einst wollte der Gemeinderat die Ka-We-De (Kunsteisbahn und Wellenbad Dählhölzli) komplett schliessen, später war die Rede von einem Mini-Disneyland. Unzählige Postulate gingen im Stadtrat ein, darunter diverse Ideen, wie die Anlage mit dem danebenliegenden Tierpark Dählhölzli verbunden werden könnte.

So forderte der heutige Gemeinderat Alexandre Schmidt (FDP) noch als Stadtrat ein Kombiticket für Tierpark und Familienbad und schlug ein Aquarium als verbindendes Element vor. Badende sollten – über eine Glaswand getrennt – Fische beobachten können.

Tierpark-Direktor Bernd Schildger unterstützte die Idee, zumal es dem Zoo an einem Restaurant fehlt. In der Tierpark-Planung vom letzten Jahr waren auch ein Pinguingehege auf dem Gelände der Ka-We-De oder ein Abenteuerspielplatz angedacht worden.

Denkmalschutz steht im Weg

So weit kommt es wohl nicht. Nach einer vor zwei Jahren in Auftrag gegebenen Entwicklungsstudie ist der Gemeinderat zum Schluss gekommen, dass die sanierungsbedürftige Sport- und Freizeitanlage unabhängig weiterentwickelt werden soll.

Der Gemeinderat hatte drei Szenarien geprüft: eine autonome Entwicklung der Ka-We-De, eine gemeinsame Erschliessung von Ka-We-De und Tierpark sowie eine Übernahme der Sportanlage durch den Tierpark, wobei letzteres Szenario im Fokus stand. Die Sportanlage aus dem Jahr 1932 ist jedoch denkmalgeschützt.

«Die baulichen Eingriffe, etwa für einen gemeinsamen Eingang, wären nur sehr schwer umzusetzen und finanziell aufwendig gewesen», sagt Stadtbaumeister Thomas Pfluger. So brauchte es einen Steg oder einen Tunnel, um die Besucher des Ka-We-De zum Tierpark zu schleusen.

Zudem bestünden kaum betriebliche Synergiepotenziale zwischen den beiden Institutionen. Hinzu kommen die Anforderungen des Zoos für eine artgerechte Tierhaltung, die wiederum schwierig mit der Freizeitanlage zu vereinbaren sind.

Der Entscheid des Gemeinderats löst bei betroffenen Quartierbewohnern, aber auch Politikern mehrheitlich Freude aus. «Yes!», ruft Eva Zbinden Kaessner ins Telefon. Die Co-Präsidentin des Vereins Freunde der Ka-We-De spricht von einem «wunderbaren Ergebnis für die Stadt und das Quartier».

Seit Jahren habe der Verein für den Erhalt des Bades und der Eisbahn gekämpft. Mit dem Entscheid habe der Gemeinderat «statt für die Touristen ein Spassbad einzurichten, eine Sport- und Freizeitmöglichkeit für die Stadtbevölkerung beibehalten».

Dabei habe sich gezeigt, dass die Institutionen kaum voneinander profitierten. «Es sind nicht die gleichen Besucher, welche die Sportanlagen und den Tierpark besuchen.» Auch Sabine Schärrer, Vorstandsmitglied des Quartiervereins Quav4, zeigt sich «hoch erfreut über das Resultat».

Wenige Tage vor der Gemeinderatssitzung vom letzten Mittwoch hatte der Verein der Stadtregierung einen offenen Brief geschrieben, um dessen ablehnende Haltung bezüglich Zusammenführung von Ka-We-De und Tierpark Dählhölzli darzulegen. «Nun haben wir unser grosses Ziel erreicht», sagt sie.

«Kann mit Entscheid leben»

Selbst Tierpark-Direktor Bernd Schildger «kann mit dem Entscheid leben». Um aus den beiden Anlagen eine Freizeiteinrichtung zu machen, wäre eine Millionensumme nötig gewesen. Auch die Einrichtung von Kontrollmechanismen für Kombitickets wäre teuer.

Der Tierpark brauche die Ka-We-De nicht und werde nun andere Varianten prüfen, um einen vernünftigen Eingang zu bauen. Zudem werde eine Kooperation mit der Bar Luna Llena ins Auge gefasst, die bereits mit einem Glace-Wagen vor Ort ist.

FDP-Stadtrat Bernhard Eicher nimmt den Entschluss hingegen nicht nur mit einem lachenden, sondern auch mit einem weinenden Auge auf. «Es freut uns, dass die Ka-We-De selbstständig bleibt», sagt er. Gleichzeitig bedauere er aber, «dass man es verpasst hat, Ideen weiterzuverfolgen, was die Nutzung von Synergien des Betriebs betrifft».

So glaubt Eicher nach wie vor, dass ein Kombiticket eine gute Sache wäre. Für die Erneuerung der Ka-We-De soll ab 2017 ein Wettbewerb durchgeführt werden. Klar ist, dass die Berner weiterhin im Sommer dort baden und im Winter Schlittschuh laufen sollen.

Mit dem bevorstehenden Wegzug des Eishockeys als Mannschaftssport wird zudem ein Teil des Gebäudes frei. Zbinden Kaessner hofft, dass mit der Sanierung vor allem das Restaurant aufgewertet wird. «Es soll ein ganzjähriger Betrieb auch für die Quartierbewohner entstehen.» Zudem sollen Badegäste abends von einem Kulturprogramm mit Lesungen und Workshops profitieren.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt