Zoff führt Schulzahnklinik in die Krise

Die Personalquerelen in der Stadtberner Schulzahnklinik haben zu einer rapiden Verschlechterung des Geschäftsgangs geführt. Nun sollen die Mitarbeiter befragt werden.

Schwierige Situation: Die Lage der Stadtberner Schulzahnklinik ist ernst.

Schwierige Situation: Die Lage der Stadtberner Schulzahnklinik ist ernst.

(Bild: Adrian Moser)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Beschwerden gegen den Leiter, eine Klage des Leiters gegen unbekannt, der Abgang einer Kaderfrau: Im Schulzahnmedizinischen Dienst der Stadt Bern hängt der Haussegen seit längerem schief. Bisher war dies für die Sozialdirektion von Franziska Teuscher (GB) aber kein Grund zum Handeln. Seit dem Amtsantritt von Klinikleiter Ingo Ziswiler Anfang 2014 habe es bezüglich Absenzen und Fluktuationen keine Auffälligkeiten gegeben, hiess es vor drei ­Monaten.

Nun hat sich der Geschäftsgang der Klinik aber dramatisch verschlechtert (Kasten unten links). Der Gemeinderat musste einen Nachkredit von 193 000 Franken sprechen. Er begründet dies im Jahresbericht mit «kündigungsbedingtem Umsatzausfall» und «hohen Kosten». Zudem habe es «Personalengpässe» gegeben, die einen «überdurchschnittlichen Einsatz» der Mitarbeitenden erfordert hätten.

Sozialdirektorin Teuscher hält in einer schriftlichen Stellungnahme aber daran fest, dass die Fluktuation sich im üblichen Bereich bewege. Im letzten Jahr hätten vier Personen gekündigt, was 14 bis 15 Prozent des Personalbestandes entspreche. Im Vorjahr, dem ersten Jahr der Amtszeit von Klinikleiter Ziswiler, sei die Fluktuation sogar «leicht zurückgegangen». Hingegen seien die Absenzen 2015 «sehr hoch». Nebst Kurzabsenzen habe es neun Langzeitabsenzen gegeben. Die Gründe für die längeren Absenzen seien «vielfältig», sagt Teuscher.

Arbeit «in Misskredit» gezogen

Ein Hauptgrund dürfte in den Personalquerelen seit dem Amtsantritt Ziswilers liegen. Die Mobbingvorwürfe gegen den Leiter sind seit Monaten weder verstummt noch widerlegt. Im letzten Herbst hatte die Gewerkschaft VPOD Kenntnis von mehr als einer personalrechtlichen Auseinandersetzung. Anfang Jahr kam es im Zusammenhang mit einer Beschwerde gegen Klinikleiter Ziswiler zu einer Entlassungsankündigung, die zu einer Vereinbarung «im gegenseitigen Einvernehmen» führte. Was die Vereinbarung die Stadtkasse letztlich gekostet hat, ist unbekannt.

Teuscher bestätigte damals einen weiteren Beschwerdefall im Zusammenhang mit einem Arbeitszeugnis. Zum aktuellen Stand dieses Verfahrens gibt sie keine Auskunft. Auch äussert sie sich nicht zum Verfahren, das der Klinikleiters gegen unbekannt aufgrund anonymer Anschuldigungen eingeleitet hat. Sie hält lediglich fest, dass die anonymen Schreiben «sehr belastend» für den Leiter und die Mitarbeitenden der Klinik seien, «weil ihre Arbeit dadurch in Misskredit gerät und sie verunsichert wurden». Sie habe nun eine Mitarbeiterbefragung in Auftrag gegeben, hält die ­Sozialdirektorin fest.

Schulklassen ohne Prophylaxe

Ähnlich zugeknöpft gibt sich Klinikleiter Ziswiler in operativen Fragen. So ist zum Beispiel durch den «Ausfall einer Schulzahnpflegeinstruktorin» der Anteil Schulklassen mit Prophylaxeunterricht von 100 auf 70 Prozent gesunken. Die Stelle sei «innert kurzer Zeit» neu besetzt worden, hält Ziswiler fest. Der Prophylaxeunterricht sei «wie gewohnt» durchgeführt worden. Dem Schulzahnmedizinischen Dienst sei es wichtig gewesen, den Prophylaxeunterricht ­sicherzustellen und durchzuführen.

Warum trotzdem 30 Prozent der Schulklassen keinen Prophylaxeunterricht genossen haben, bleibt unklar. Immerhin ist offenbar die Kundschaft der Schulzahnklinik glücklich, liegt deren Zufriedenheitsgrad je nach Kategorie doch zwischen 89 und 97 Prozent. Wie diese Quoten berechnet wurden, bleibt ebenfalls unklar. Auf Nachfrage räumt Ziswiler ein, dass 2014 und 2015 «keine Kundenbefragung» stattgefunden habe. Die entsprechenden Angaben stützten sich auf die Bewertung von Patientenaustrittsbögen, schreibt der Klinikleiter.

«Es ist seit längerem bekannt, dass es in der Schulzahnklinik nicht gut läuft», sagt Lukas Gutzwiller (GFL), Mitglied der Sozialkommission des Stadtrats, die für die Klinik zuständig ist. Die Situation sei zurzeit nicht einfach. «Es ist aber Aufgabe der Sozialdirektion, nun Lösungen für die Probleme in der Schulzahnklinik zu finden», sagt Gutzwiller.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt