Zerais Platz im Flugzeug blieb frei

Tsehaye Zerai sollte als Dublin-Fall nach Italien überführt werden, obwohl er dringend operiert werden sollte. Nun ist der junge Eritreer untergetaucht.

Der Termin für Zerais Operation stand bereits fest. (Symbolbild/Archiv)

Der Termin für Zerais Operation stand bereits fest. (Symbolbild/Archiv)

(Bild: Adrian Moser)

Der Ausschaffungsflug war schon gebucht. Am 1. April hätte der Eritreer Tsehaye Zerai als sogenannter Dublin-Fall nach Italien überführt werden sollen. Sein Sitz im Flugzeug aber blieb leer. «Er ist untergetaucht», sagt Annalies Djellal, die ihn in administrativen Belangen unterstützt, auf Anfrage. Die Aktivistin vom Verein Give a hand zeigt Verständnis für das Handeln des jungen Eritreers. «In Italien hätte er keine Chance auf die nötige medizinische Behandlung.»

Zerai leidet unter den Folgen einer Brandverletzung und muss dringend operiert werden – sonst drohen bleibende Schäden wie etwa eine Verkrümmung der Wirbelsäule. Eigentlich war bereits alles geregelt: Der Termin für die Operation stand fest und die Finanzierung war auch gesichert.

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) hat den Operationstermin aber wieder abgesagt. Das Problem: Wenn Zerai den Termin wahrgenommen hätte, wäre die Frist von sechs Monaten, innerhalb derer Italien ihn gemäss Dublin-Abkommen zurücknehmen muss, verstrichen. Es lägen keine Hinweise vor, wonach Italien Zerai eine medizinische Behandlung verweigern würde, schrieb das SEM zur Begründung.

Rückführungsfrist verlängert sich

Wie es mit Zerai nun weitergeht, ist offen. Das SEM darf aus Gründen des Persönlichkeits- und Datenschutzes Einzelfälle nicht kommentieren. Klar ist, durch Zerais Abtauchen verlängert sich – auf Antrag der Schweiz – die Rückführungsfrist auf 18 Monate.

Ob die Schweiz eine entsprechende Fristverlängerung bei Italien beantragt hat, weiss Djellal nicht. «Die beantragte Akteneinsicht ist uns verwehrt worden, weil Zerai nicht mehr offiziell in der Schweiz gemeldet ist.» Es existiere zwar die Möglichkeit, ihn erneut hier anzumelden, doch dann liefe er Gefahr, dass er unverzüglich in Ausschaffungshaft genommen würde.

Wenig attraktiv scheint aber auch die Alternative zur erneuten Anmeldung: «Natürlich könnte sich Zerai ein Jahr lang verstecken», sagt Djellal. An eine Operation sei dann allerdings in dieser Zeit nicht zu denken und der Zugang zu Medikamenten wäre stark eingeschränkt. Schliesslich bestünde in diesem Fall auch ständig das Risiko, dass er von der Polizei in Haft genommen würde. «Das ist nichts, was wir unseren Klienten empfehlen.»

Djellal hofft stattdessen, mit dem SEM einen «Deal» aushandeln zu können. «Zerai würde die Schweiz freiwillig verlassen, nachdem er die nötige Operation erhalten hat», sagt Djellal. Er sehe für sich in der Schweiz ohnehin keine Zukunft. Wenn er gesund wäre, könne er etwa nach Äthiopien zurück und dort wieder als Lastwagenchaffeur arbeiten.

Der Bund

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