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YB-Spieler auf der Schulbank

Mit einem argentinischen und drei afrikanischen YB-Spielern im Deutschkurs: Im Unterricht mit den Ausländern der Young Boys geht es meist lustig zu und her.

YB-Teilzeitarchitekten bei der Arbeit. Im Uhrzeigersinn: Lehrerin Imobersteg, Lingani, Coly und Bienvenu. (Manuel Zingg)
YB-Teilzeitarchitekten bei der Arbeit. Im Uhrzeigersinn: Lehrerin Imobersteg, Lingani, Coly und Bienvenu. (Manuel Zingg)

Stade de Suisse, Loge 11: Auf dem Tisch liegt ein Bogen Papier, auf dem der Grundriss eines Hauses gezeichnet ist. Nun soll diese Fläche möglichst sinnvoll eingeteilt werden. Das Architektenteam besteht aus: Hassan Lingani, 22-jähriger Ivorer, Verteidiger, Matar Coly, 25-jähriger Stürmer aus Dakar, Senegal, und Henri Bienvenu Ntsama, Angreifer aus Kamerun, 21 Jahre alt. Der Argentinier Emiliano Ariel Dudar und der Tunesier Issam Mardassi sind nicht gekommen. Auch sie wären eigentlich Teil dieser Gruppe, die ein- bis zweimal pro Woche mit Sara Imobersteg Deutsch lernt. Mit den Worten «Hassan ist der Architekt» gibt Matar Coly die Verantwortung postwendend an Lingani ab. Dieser ergreift einen Stift und beginnt zu zeichnen und zu beschriften. Einer riesigen Toilette folgt ein noch grösseres Badezimmer. «Wo sollen da die Kinder noch spielen?», fragt Coly, Vater zweier Kinder.

Gut 20 Minuten nach Beginn der Lektion kommt Dudar doch noch. Er setzt sich, betrachtet die Szenerie ein paar Minuten, ehe er ein vernichtendes Urteil abgibt: «Diese drei Architekten sind ein Desaster, das ist hoffnungslos.» Er weist darauf hin, dass ihm ein Fenster auf dem WC sinnvoll erscheine. Der 28-jährige Argentinier ist nicht zu beneiden. Die Afrikaner unterhalten sich praktisch ausschliesslich auf Französisch - eine Sprache, die Dudar nicht beherrscht. Auch die Lehrerin ist aufgrund der noch geringen Deutschkenntnisse der Gruppe gezwungen, vieles auf Französisch zu erklären. Dudar sitzt daneben, hört zu und versucht zu verstehen - oder er schaut über seinen Rücken den Frauen zu, die auf dem Kunstrasen trainieren. Mit Imobersteg spricht Dudar rudimentäres Italienisch. Es sei nicht einfach, wird er nach dem Kurs sagen. Aber irgendwie verstehe man sich, wie auch auf dem Fussballplatz, immer.

Matar Coly als Lehrer

«Die Konstellation dieser Gruppe ist für Dudar nicht ideal», sagt auch Sara Imobersteg. Wie Coly besucht Dudar den Kurs seit vergangenem Sommer. Lingani und Bienvenu sind nach ihrer Ankunft in Bern im Februar zur Gruppe gestossen. Für sie als Lehrperson sei es eine Herausforderung, wenn Spieler, die noch überhaupt kein Deutsch sprechen, zu bestehenden Gruppen stiessen. Sonst unterscheide sich die Arbeit mit den Spielern nicht wesentlich von den sonstigen Kursen, die sie gebe. Klar vergässen sie manchmal, die Hausaufgaben zu machen, die Unterrichtsblätter blieben hin und wieder im Auto oder zu Hause liegen. An der Motivation fehle es allerdings nicht. «Ich habe nicht das Gefühl, dass sie den Kurs als lästige Pflicht betrachten.» In der Tat sind die vier meistens bei der Sache. Nur die Aufmerksamkeit von Lingani wird regelmässig vom Bildschirm seines Mobiltelefons in Anspruch genommen. «Hassan», sagt Imobersteg dann jeweils mahnend. «Ah, oh, sorry», erwidert Lingani immer wieder aufs Neue, scheinbar jedes Mal verdutzt, dass er etwas falsch gemacht haben soll - ganz zur Freude von Dudar und Coly. Überhaupt wird viel gelacht.

Nachdem die Raumaufteilung vorgenommen wurde, sollen aus Zeitungen ausgeschnittene Objekte wie Betten, Stühle und Fernseher in den Räumlichkeiten verteilt werden. «Die Waschmaschine ist im Badezimmer», sagt Lingani korrekt. «Was macht ihr in welchem Zimmer?», fragt die Lehrerin darauf, um auch noch auf Verben zu sprechen zu kommen. «Schlafen», sagt Coly. Er ist bei der Konjugation von Verben der Vorreiter. Coly erklärt Lingani, dass er bei der Ich-Form eines Verbs das «n» nicht sagen solle. Es heisse «ich spreche», nicht «ich sprechen». «Sara, du kannst gehen», sagt Dudar lachend zu Imobersteg, «wir haben ja Matar.» Coly gibt auch Bienvenu immer wieder Tipps, und der bedankt sich jeweils mit einem freundlichen «merci, Kolleg».

Die Hausaufgaben - so Gott will

Nach eineinhalb Stunden ist der Kurs zu Ende. Doch Bienvenu hat noch nicht genug: Er hat noch einen Satz im Kopf - einen, der alle bis dahin geäusserten in den Schatten stellen wird - einen mit vier Satzgliedern. «Ich schneide das Poulet in der Küche», sagt der junge Mann aus Kamerun praktisch akzentfrei. «Bravo», lobt Imobersteg, um dann noch zu mahnen: «Bitte, macht bis zum nächsten Mal eure Aufgaben.» - «Inschallah», sagt Bienvenu, «so Gott will».

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